Nachhaltig gefangener Fisch Meldung

Immer mehr Fischprodukte in Deutschland tragen das blaue Siegel des Marine Stewardship Council (MSC). Es garantiert, dass die Fische mit nachhaltigen Methoden gefangen wurden. Für umweltbewusste Verbraucher ist es eine einfache Entscheidungshilfe beim Fischkauf.

MSC in Deutschland führend

Der Marine Stewardship Council wurde 1997 von der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Organisation jedoch unabhängig. Ebenso lange gibt es Fischprodukte mit dem blauen MSC-Siegel. Der Markt entwickelt sich rasant. Mittlerweile gibt es weltweit knapp 4 900 Produkte in 66 Ländern. Mit mehr als 1 100 davon gelangen die meisten auf den deutschen Markt. Vor allem Tiefkühlfisch und verarbeitete Produkte wie Fischsalate tragen das MSC-Siegel. Zunehmend ist das MSC-Logo aber auch in Frischetheken zu sehen.

Umweltgerechte Fangmethoden

Das Siegel des MSC garantiert, dass die Fische mit nachhaltigen Methoden gefangen werden. Das heißt: Die Fischer dürfen nur so viele Fisch entnehmen, wie nachwachsen kann. Die angewendeten Fangmethoden dürfen den Lebensraum Meer nicht schädigen. Der Fang von zu kleinen oder anderen als den gewünschten Fischen, aber auch von Meerestieren wie Schildkröten, Delfinen oder Haien muss möglichst gering sein. Dieser so genannte Beifang, der ungewollt in den Netzen landet, wird oft einfach wieder über Bord geworfen - oft verenden die Tiere dann. MSC-zertifizierte Fischereien werden jedes Jahr überprüft und müssen nach fünf Jahren die Zertifizierung erneut durchlaufen.

Viele Fischbestände sind überfischt

Für Verbraucher, die Wert darauf legen, nachhaltig gefangenen Fisch zu kaufen, ist das MSC-Siegel eine einfache Entscheidungshilfe. Denn mittlerweile sind nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO etwa 25 Prozent der weltweit genutzten Fischbestände überfischt, weitere 50 werden auf so hohem Niveau genutzt, dass keine Steigerung mehr möglich ist. Dazu kommt, dass viele Fangmethoden wie zum Beispiel die Grundschleppnetzfischerei den Meeresboden schädigen können.

Fangmethoden differenzieren

Bei der Bewertung von Fischerein schließt der MSC allerdings keine Fangmethode generell aus, sondern differenziert. Beispiel Grundschleppnetzfischerei: Unter dem Begriff werden viele unterschiedliche Fangmethoden zusammengefasst. Diese werden eingesetzt, um Fische und Meerestiere, die vorwiegend die unteren Wasserschichten besiedeln, zu fangen. Dazu gehören zum Beispiel Plattfische wie die Scholle. Die Auswirkungen dieser Fischereimethoden sind nach Angaben des MSC sehr unterschiedlich. So gibt es Grundschleppnetze mit Eisenketten, die über den Meeresboden gezogen werden und dort tiefe Furchen hinterlassen. Es gibt aber auch Netze an denen Gummirollen befestigt sind. Dadurch wird der Meeresboden weniger stark geschädigt. Wieder andere sind so gestaltet, dass sie den Meeresboden gar nicht berühren. Die Auswirkungen von Grundschlepp­netz­fischereien sind nach Ansicht des MSC daher nur schwer zu verallgemeinern.

Auswirkungen auf Meeresboden

Hinzu kommt: Nicht nur das Fanggerät selbst, sondern auch die Umgebung, in der es eingesetzt wird, ist ausschlaggebend für die Bewertung: Grundschleppnetze, die über wenig empfindlichen, steinigen Meeresboden gezogen werden, haben etwa viel geringere Auswirkungen, als solche, die auf Korallenböden oder Seegraswiesen eingesetzt werden. Bei der Bewertung von MSC-zertifizierten Fischereien wird dies berücksichtigt.

Beispiel MSC-zertifizierte Schollenfischerei

Bislang gibt es nur eine Schollenfischerei, die vom MSC zertifiziert ist: Die niederländische Eko-Fishgroup. Ihre Fangmethode gehört auch zur Grundschleppnetzfischerei, ist aber relativ neu und ungewöhnlich. Das sogenannte twinrig hat im Vergleich zur herkömmlichen Fangmethode (Baumkurre) leichtere Netze und übt somit weniger Druck auf den Meeresboden aus. Außerdem besitzt es keine Scheuchketten aus Eisen sondern Rollen und vibrierende Drähte an der Netzöffnung, die die Fische vom Boden in die Höhe treiben. Die größeren und rautenförmigen Maschen verengen sich während des Schleppvorgangs nicht. Dadurch können zu kleine Schollen problemlos wieder in die Freiheit entkommen.

Kritik von Greenpeace

Umweltschutzorganisationen wie der WWF, aber auch die Fischwirtschaft und Meereswissenschaftler empfehlen das MSC-Siegel. Es gibt aber auch Kritik. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace empfiehlt in ihrem Fischeinkaufsratgeber nur in Ausnahmefällen MSC-Produkte. So ist die Grundschleppnetzfischerei bei Greenpeace generell ein Tabu.
Hinweis: test.de gibt weitere Infos zum Fischkauf, darunter auch zu den Fischratgebern von WWF und Greenpeace.

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