Nach test-Qualitätsurteil „mangelhaft“ Meldung

Belastet: Gut & Gerne-Olivenöl aus Griechenland

Belastet: Gut & Gerne-Olivenöl aus Griechenland

Nach der Entdeckung gesundheitlich bedenklicher Chemikalien im „Gut & Gerne-Olivenöl aus Kalamata Griechenland“ hat der Anbieter BZ Biozentrale GmbH die betroffene Charge zurückgerufen. Sämtliche Bestände seien aus den Regalen geräumt worden. Wer womöglich belastetes Öl gekauft hat, soll eine Entschädigung erhalten. Bei den Untersuchungen für den Olivenöl-Test hatte das test-Labor in Proben des „Gut & Gerne“-Öls pro Kilogramm 75 Milligramm Diethylhexylphthalat (DEHP) gefunden. Wegen der Belastung mit der Chemikalie erhielt das Öl von test das Schadstoffurteil „mangelhaft“.

Chemikalie mit Risiken

Die Chemikalie DEHP wird als Weichmacher in Kunststoffprodukten eingesetzt. In Tierversuchen wurde eine Krebs erzeugende Wirkung nachgewiesen. Der Weichmacher ist aber auch für den Menschen schädlich. Er greift ins Hormonsystem ein und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit. Wie sie ins Öl gelangte, ist noch unklar. Die BZ Biozentrale hat nach eigenen Angaben umfangreiche Untersuchungen eingeleitet.

Weichmacher auch in neuen Lieferungen

Nach Angaben von BZ-Geschäftsführer Bernd Schmitz-Lothmann sollen insgesamt 3 300 Flaschen betroffen sein. Das Öl dafür sei Anfang Februar aus Griechenland eingetroffen. Die Charge kam nach seiner Darstellung bis Anfang März in den Handel und erhielt das Mindesthaltbarkeitsdatum 08/2006. Nach Angaben des Unternehmens ist später geliefertes Gut & Gerne-Öl aus Kalamata in Griechenland weniger stark mit DEHP belastet. Untersuchungen hätten eine Konzentration der Chemikalie von 13 Milligramm je Kilogramm Öl ergeben, erklärte Schmitz-Lothmann test.de gegenüber. Auch das ist jedoch zu viel. „DEHP hat in Lebensmitteln nichts verloren“, sagt Dr. Birgit Rehlender, für den Olivenöl-Test zuständige Projektleiterin der Stiftung Warentest. Nur ein weiteres Olivenöl im Test enthielt diese Chemikalie in nennenswerter Menge: In „Naturata Olivenöl aus Kreta nativ extra“, Mindesthaltbarkeitsdatum: 14.02.2006, fand das test-Labor 9,3 Milligramm DEHP je Kilogramm.

Gut & Gerne-Öl aus Spanien angeblich ohne Belastung

Völlig unbelastet sei dagegen das „Gut & Gerne Olivenöl“ der BZ Biozentrale GmbH, erklärte Schmitz-Lothmann. Dieses Öl werde in Spanien hergestellt und in runden Flaschen geliefert. Das mit DEHP belastete „Gut & Gerne Olivenöl aus Kalamata Griechenland“ kam in eckigen Flaschen in den Handel.

Schläuche unter Verdacht

Wie die Chemikalie ins Öl gelangte, ist nach Angaben von BZ-Geschäftsführer Schmitz-Lothmann noch nicht genau geklärt. Eine Vermutung jedoch gibt es bereits: „Nach derzeitigem Erkenntnisstand können die Weichmacher nur Rahmen der Verarbeitung im Ursprungsland Griechenland durch die Verwendung von Schläuchen oder Lagerbehältnissen, die Weichmacher enthalten, hinein gelangt sein“, heißt es in einer Presseerklärung des Unternehmens. Beim Abfüllen in Deutschland könne das Öl nach Einschätzung der BZ-Geschäftsführung keinen Kontakt zur Chemikalie bekommen haben. Auch die Flaschen und insbesondere die Deckel hätten sich bei Untersuchungen als DEHP-frei erwiesen. Weitere Untersuchungen sollen jetzt für Klarheit sorgen.

Entschädigung für Käufer

Käufer von womöglich mit DEHP belastetem Gut & Gerne-Olivenöl aus Griechenland will die BZ Biozentrale umgehend entschädigen. Sie bittet darum, das Öl und die Flasche zu entsorgen und das Etikett zu schicken an:

         BZ Biozentrale GmbH, 94166 Stubenberg

Von Rechts wegen gilt außerdem: Käufer mangelhafter Ware können sich auch an den Verkäufer halten. Er ist zwei Jahre lang in der Pflicht, entweder einwandfreien Ersatz zu liefern oder den Kaufpreis zu erstatten.

Auch sonst mangelhaft

Das Gut & Gerne-Olivenöl hatte im Test nicht nur im Prüfpunkt Schadstofffreiheit, sondern auch bei der sensorischen Qualität und bei der Deklaration „mangelhaft“ abgeschnitten. Noch dazu informierte die Stiftung Warentest den Anbieter routinemäßig deutlich vor Erscheinen der Untersuchung in test 10/2005 über die Messwerte. Trotz der Belastung mit DEHP kam der Rückruf der BZ Biozentrale GmbH erst nach Erscheinen des test-Heftes.

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