Energieversorger BEV ist pleite

Nach der BEV-Pleite Special

Bayerische Energieversorgungs­gesell­schaft – das klingt nach Stadt­werk mit Tradition. Doch die Firma gehört einer Schweizer Holding und ist seit 2013 aktiv.

[Stand: 31. Januar 2019] Seit Monaten häufen sich bei unserem Leser­service Beschwerden über die Bayerische Energieversorgung (BEV). Leser berichteten von zu hohen Abschlägen, von fehlenden Schluss­rechnungen und von Guthaben, die nicht ausbezahlt werden. Und jetzt ist es amtlich: Der Strom­discounter ist pleite. Die Kunden werden weiterhin über die Ersatz­versorgung mit Strom versorgt.

Vorläufiger Insolvenz­verwalter einge­setzt

Die Bayerische Energieversorgung (BEV) hat am 29. Januar Insolvenz angemeldet (Az.: 1513 IN 219/19, Amts­gericht München). Nach eigenen Angaben beliefert das Unternehmen seine Kunden nicht mehr mit Strom und Gas. Das Gericht hat den Münchener Anwalt Axel W. Bierbach als vorläufigen Insolvenz­verwalter einge­setzt. Er hat jetzt sechs Wochen Zeit, um zu prüfen, ob das Vermögen der Bayrischen Energieversorgung ausreicht, mindestens die Kosten eines Insolvenz­verfahrens zu decken. Falls ja, eröffnet das Gericht das Insolvenz­verfahren.

Kein Kunde sitzt im Dunkeln

Alle Kunden von BEV – egal ob Strom oder Gas – sind in die sogenannte Ersatz­versorgung ihres örtlichen Grund­versorgers gerutscht. Oft sind das die jeweiligen Stadt­werke vor Ort. Die Ersatz­versorgung dauert längs­tens drei Monate. In dieser Zeit können Kunden jeder­zeit zu einem neuen Anbieter wechseln, ohne eine Kündigungs­frist einhalten zu müssen. BEV-Kunden, die sich nach drei Monaten noch keinen neuen Anbieter gesucht haben, kommen dann auto­matisch in die Grund­versorgung. Die Kündigungs­frist beträgt hier zwei Wochen. Seit wann Kunden in der Ersatz­versorgung sind, darüber werden sie per Post von örtlichen Grund­versorger informiert.

Tipp: Wenn Sie darüber informiert wurden, dass sie in die Ersatz­versorgung gerutscht sind, sollten Sie sofort den Zählerstand ablesen, am besten auch fotografieren und sich um einen Anbieter­wechsel kümmern. Die Grund- und Ersatz­versorgung ist relativ teuer.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Guthaben der Kunden und auch Boni gehören nun zur Insolvenzmasse. Kunden können sie nach Eröff­nung des Insolvenz­verfahrens als Forderungen anmelden. Meist schickt der Insolvenz­verwalter ihnen hierfür ein Formular zu. Normaler­weise sehen Kunden nicht ihr ganzes Geld wieder, sondern nur eine gewisse Quote und das auch erst Jahre später.

Tipp: BEV informiert im Internet über den Stand des Insolvenz­verfahrens.

Check24 und Verivox vermitteln schon länger nicht mehr

Lange Zeit lockte BEV mit güns­tigen Preisen und hohen Boni. Bei den Vergleichs­rechnern Check24 und Verivox lagen BEV-Tarife für Strom und Gas häufig auf Platz eins. Seit Mitte Dezember vermitteln die Portale keine BEV-Tarife mehr. Dies sei „auf eigenen Wunsch“ geschehen, so Check24 und Verivox. Das über­rascht. Denn eigentlich sind die Verkaufs­portale Haupt­vertriebsweg von Energiediscountern. Auf unsere schriftliche Anfrage regierte BEV seiner­zeit nicht.

Dieser Artikel ist am 22. Januar 2019 auf test.de erschienen. Wir haben ihn am 31. Januar 2019 umfassend aktualisiert.

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