Nach der BEV-Pleite Special

Durch einen Anbieter­wechsel lässt sich Geld sparen. Unser Leitfaden hilft, unseriöse Versorger zu meiden.

Ende Januar kam die Meldung: Die Bayerische Energieversorgung (BEV) hat Insolvenz angemeldet. 500 000 Kunden sollen von der Pleite betroffen sein. Die gute Nach­richt: Alle BEV-Kunden werden lückenlos mit Strom oder Gas versorgt. Niemand muss im Dunkeln oder Kalten sitzen. Die schlechte: Wer noch auf eine Rück­zahlung wartet oder Anspruch auf einen Bonus hat, wird vermutlich nur einen Teil seines Geldes wieder­sehen und das auch erst in einigen Jahren. Kein Grund, güns­tige Strom­anbieter zu meiden. Wir zeigen den Weg zum sicheren preis­werten Angebot.

Anscheinend schon länger in Schieflage

Schon lange vor der Insolvenz verhielt sich die BEV nicht wie eine gesundes Unternehmen: Leser berichteten uns von Neukundenboni, die nur auf Nach­frage ausgezahlt wurden, von verspäteten Abrechnungen und drastischen Preis­erhöhungen. Zum Schluss versuchte BEV sogar, die Preise inner­halb einer vereinbarten Preis­garan­tiezeit zu erhöhen.

Riskante Geschäfts­strategie

Ein Blick in die letzte veröffent­lichte Bilanz der BEV für das Geschäfts­jahr 2016 zeigt, warum das Unternehmen in Schieflage geriet. Die BEV hat mehr als 10 Millionen Euro für Verkaufs­provisionen ausgegeben. Viel davon dürfte an Vergleichs­portale geflossen sein. Interes­sant ist auch, dass die BEV offensicht­lich nicht einkalkuliert hat, dass jedem Kunden, dem sie einen Bonus versprochen hat, dieser auch auto­matisch zusteht. Statt­dessen spricht das Unternehmen in der Bilanz nur von einer „prognostizierten Einlösequote“, die es einkalkuliert hat. Hinzu kommt: BEV hat seine Energie ausschließ­lich am „Spotmarkt“ einge­kauft. Das ist hoch­riskant. Hier werden Strom­kontingente nicht für Monate oder Jahre zu fest­gelegten Preisen im Voraus gekauft, sondern nur für den gleichen oder den nächsten Tag. Die BEV hat aber Tarife mit einer Vertrags­lauf­zeit von zwölf Monaten und mit einer Preis­garantie für diese Zeit angeboten, ohne offensicht­lich selbst die Einkaufs­preise zu kennen.

Was jetzt zu tun ist

Die rund 500 000 Kunden, die von der Insolvenz betroffen sein sollen, können zurzeit nur Folgendes machen:

1. Dauer­aufträge kündigen und erteilte Einzugs­ermächtigungen widerrufen.

2. Vertrag mit der BEV schriftlich kündigen. Hintergrund: Recht­lich ist nicht eindeutig geklärt, ob bestehende Verträge bei einem Liefer­stopp auto­matisch enden.

3. Die Zählerstände aufschreiben, am besten auch fotografieren und an die BEV und den Netz­betreiber melden.

Tipp: Sollte Ihnen ein Bonus oder Guthaben zustehen, müssen Sie abwarten, bis das Insolvenz­verfahren für das Unternehmen eröffnet ist, vermutlich nicht vor April 2019. Dann können Sie Ihre Forderungen zur Insolvenz­tabelle anmelden. Weitere Informationen finden Sie online (bev-inso.de).

Verkaufs­rechner kritisch nutzen

Kunden, die einen neuen Strom­anbieter suchen, nutzen am besten einen Vergleichs­rechner im Internet, wie Check24 oder Verivox. Sie bieten eine aktuelle Über­sicht der oft täglich wechselnden Preise und Konditionen. Energie­experte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen kritisiert aber: „Die Vermitt­lungs­portale sind nicht nur eine Hilfe, sondern leiten Kunden durch Voreinstel­lungen so, dass sie beim einfachen Preis­vergleich nur Tarife mit hohen Boni auf den ersten Plätzen sehen.“ Bonus­tarife sind nur für Kunden geeignet, die jedes Jahr wechseln. Vergessen sie die Kündigungs­frist und bleiben im zweiten Jahr Kunde, wird es oft richtig teuer. Nicht nur der hohe Bonus fällt dann weg, oft kommt noch eine Preis­erhöhung dazu. Billiganbieter setzen auf die Trägheit der Kunden. „Discounter haben ihre Preise so kalkuliert, dass sie erst im zweiten Vertrags­jahr mit dem Kunden Geld verdienen. Springen jedoch zu viele vorher ab, kann das für den Anbieter den Ruin bedeuten“, sagt Energie­experte Sieverding.

Auf kommunale Anbieter setzen

Bisher sind nur private Versorger pleite­gegangen: Teldafax, Flex­strom, Care Energy, jetzt BEV. Stadt­werke und andere kommunale Unternehmen haben ein geringes Insolvenzrisiko. Sie kalkulieren ihre Preise meist auch nicht so knapp wie Strom­discounter. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, hat zwei Möglich­keiten. Entweder er sucht sich einen güns­tigen Tarif bei seinem Stadt­werk vor Ort. Die meisten Stadt­werke bieten inzwischen güns­tige Online­tarife an. Oder er schließt einen Vertrag bei einem anderen kommunalen Unternehmen ab. Viele haben eigene Marken gegründet, unter denen sie über­regional zu markt­fähigen Preisen Energie verkaufen. Hierzu gehört zum Beispiel die Marke Emma Energie der Tech­nischen Werke Ludwigs­hafen (TWL).

Tipp: Einige kommunale Betriebe verkaufen ihre Tarife nicht über Vergleichs­portale, zum Beispiel die Berliner Stadt­werke und die Stadt­werke Güstrow. Die Portale zeigen deren Tarife und Preise zwar, wenn man die Voreinstel­lungen ändert. Um abzu­schließen, müssen Interes­senten aber selbst auf die Webseite des Anbieters gehen.

Stadt­werke: Marken und Tarife kommunaler Versorger

Sicher und oft auch günstig sind die Angebote dieser Stadt­werke, die über­regional Energie verkaufen.

Berlin­Strom (Berliner Stadt­werke)

Energiehoch3 (Gelsen­wasser AG)

Emma Energie (Tech­nische Werke Ludwigs­hafen TWL)

Strom Zuhause (EWE AG)

Hammer Strom (Stadt­werke Hamm)

Kaiser Strom (Stadtw. Heidenheim)

M-Strom (Stadt­werke München)

Original Energie (Stadt­werke Oranienburg)

Simply Green (Entega)

Strommanu­faktur (Stadtw. Dresden)

Stro­missimo (Stadtw. Güstrow)

Diese Angebote haben wir durch zwei Abfragen bei Vergleichs­portalen für die Post­leitzahlen 10435, 50939 und 80807 ermittelt. Wir haben die Voreinstel­lungen teil­weise verändert. Gelistet sind kommunale Anbieter der ersten fünf Plätze, die mindestens zweimal vorkamen. Alle Firmen sind mindestens zu 90 Prozent in kommunaler Hand.

Finanztest-Leitfaden zum Tarifwechsel

Der folgende Leitfaden hilft Kunden, bei der Tarif­suche über Vergleichs­rechner auch Angebote ohne hohe Boni zu finden. Zusätzlich bieten wir ein „Gewusst wie“ Zum Wechsel in vier Schritten.

1. Jahres­verbrauch parat haben

Nutzen Sie am besten mehr als ein Vergleichs­portal. Geben Sie jeweils Post­leitzahl und Jahres­verbrauch ein und klicken Sie „Suchen“ an. Prüfen Sie, ob die in der Ergeb­nisliste genannte Ersparnis für Sie gilt. Sie bezieht sich oft auf den teuren Grund­versorgungs­tarif. Wer schon einmal den Anbieter gewechselt hat, zahlt einen ganz anderen Preis — oft weniger.

2. Kriterien ändern

Schließen Sie nicht einfach beim güns­tigsten Anbieter ab. Auf der linken Seite der Website sehen Sie die Kriterien, nach denen Ihre Auswahl gefiltert wurde. Ändern Sie die Kriterien: Klicken Sie etwa „Bonus einrechnen“ weg oder „direkte Wechsel­möglich­keit“. Schauen Sie, welche Tarife dann ange­zeigt werden.

3. Auf Tarif- und Preisdetails achten

Klicken Sie nach einer Preis­abfrage die Tarif- und Preisdetails an. Dann sehen Sie, wie hoch Ihr voraus­sicht­licher monatlicher Abschlag ist und was der Tarif ohne Bonus kostet.

4. Namen und Bedingungen prüfen

Beim Vertrags­abschluss haben Sie die Wahl: Sie können über den Verkaufs­rechner abschließen oder über die Seite des Anbieters. Prüfen Sie im zweiten Fall Namen und Bedingungen des Tarifs genau. Manche Tarife werden über die Rechner exklusiv angeboten.

5. Stiftung-Warentest-Suche

Die Tarif­rechner listen so gut wie alle bei der Netz­agentur angemeldeten Strom­versorger. Wollen Sie auch Anbieter sehen, bei deren Vermitt­lung das Portal keine Provision erhält, nutzen Sie die folgenden Internet­adressen:

check24.de/strom/stiftung-warentest

verivox.de/stromvergleich/stiftung-warentest

Tipp: Für Finanztest 4/2019 unter­suchen wir Wechselhelfer – Dienst­leister, die für Kunden den Anbieter­wechsel immer wieder neu organisieren, oft gegen Provision. Wir sagen, ob sie die Wechsel reibungs­los organisieren und wie gut ihre Tarif­empfehlungen sind.

Dieser Artikel ist erst­mals am 22. Januar 2019 auf test.de erschienen. Wir haben ihn zum 16. Februar 2019 voll­ständig aktualisiert. Die Vorgeschichte finden Sie auf der folgenden Seite.

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