Beim MSF Master Star Fund Deutscher Vermögensfonds I sind nach Angaben der Berliner KTAG Rechtsanwälte Anlegergelder in Höhe von rund 35,8 Millionen Euro verschwunden. Finanztest hatte Anleger frühzeitig vor Investitionen in diesen Fonds gewarnt. Der Verbleib des größten Teils der Anlegergelder in Höhe von insgesamt 43,5 Millionen Euro sei ungeklärt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte den Fonds im Frühsommer gestoppt. Eine ganze Reihe von Prominenten hatten für die Geldanlage geworben. Zeitweise hatte sogar Ex-Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz für die Anlage geworben. Gegen Berlins Ex-Schulsenator Walter Rasch und weitere Verantwortliche haben KTAG Rechtsanwälte für einen der Geschädigten eine erste Klage erhoben.

Geschäfte ohne Genehmigung

Walter Rasch war Alleinvorstand der DPM Deutsche Portfolio Management AG. Die DPM war geschäftsführende Gesellschafterin des MSF Master Star Fund Deutscher Vermögensfonds I. Die Bafin stoppte die dubiosen Geschäfte rund um den Promi-Fonds, weil aus Sicht der Behörde dafür eine Genehmigung zur Führung von Bankgeschäften nötig gewesen wäre. Fondsgeschäftsführer Walter Rasch bestreitet, dass der Fonds überhaupt unter die Aufsicht der Behörde steht und hat Rechtsmittel eingelegt.

Großer Teil des Geldes verloren

Dennoch setzte die Behörde zur sofortigen Abwicklung des Fonds den Hamburger Rechtsanwalt Georg Henningsmeier ein. Schnell zeigte sich: Ein großer Teil des Geldes der insgesamt rund 7 000 Anleger dürfte verloren sein. Nach Angaben von KTAG Rechtanwälte fanden sich auf den Konten des Fonds nur 7,7 Millionen Euro. Wo der Rest der Anlegergelder in Höhe von 43,5 Millionen Euro geblieben ist, liegt nach Darstellung von KTAG Rechtsanwälte noch im Dunkeln.

Rasch: Sämtliche Gelder prospektgemäß eingesetzt

Fondsgeschäftsführer Walter Rasch weist die Vorwürfe der Anwälte zurück. Sämtliche Anlegergelder seien vom Fonds prospektgemäß eingesetzt worden. Zudem sei jede Investition erst nach Freigabe durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte vorgenommen worden. Von den eingezahlten rund 42 Mio. Euro sind 11,4 Mio. investiert und rund 7 Mio. wurden als Bargeld auf den Konten gehalten. Etwa 23 Mio. seien ebenfalls prospektgemäß in diverse Kosten geflossen, die ähnlich wie bei Lebensversicherungen am Anfang der 30jährigen Laufzeit des Fonds anfallen. Nicht einmal die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) habe behauptet, dass Anlegergelder „verschwunden“ seien, erklärte Rasch. Die Vorwürfe der Anwälte seien aus der Luft gegriffen.

Ansprüche gegen Vermittler

Gegen DPM-Vorstand Rasch und weitere Hintermänner der dubiosen Geschäfte hat jetzt einer der geschädigten Anleger eine erste Klage beim Landgericht Berlin eingereicht. „Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes haften die Verantwortlichen persönlich für den Schaden, wenn ohne Erlaubnis Bankgeschäfte betrieben werden“, begründet Rechtsanwalt André Tittel von der auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Kanzlei KTAG Rechtsanwälte das Vorgehen. Weitere Klagen seien in Vorbereitung. Die Kanzlei vertritt nach eigenen Angaben rund 60 Geschädigte. Außer Ansprüchen gegen den Fonds und Verantwortliche empfiehlt die Kanzlei zu prüfen, ob Ersatzansprüche gegen die Vermittler der Geldanlage im Einzelfall Aussicht auf Erfolg haben.

Futura vertreibt erneut Risiko-Fonds

Besonders dreist: Die Futura Finanz AG, die einen Großteil der Beteiligungen an dem Promifonds vermittelt hatte, bietet aktuell die Beteiligung an einem ganz ähnlich konzipierten Fonds an. Unterschied des Multi Advisors Fund gegenüber dem MSF Master Star Fund Deutscher Vermögensfonds I: Er ist eine einfache Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Auf diese Weise soll nach Ansicht von Rechtsanwalt Tittel die Genehmigungspflicht für Bankgeschäfte vermieden werden. Für Anleger birgt das besondere Risiken: Sie können bei Gesellschaften bürgerlichen Rechts nicht nur ihre Einlage verlieren, sondern haften für Verluste der Gesellschaft mit ihrem gesamten Vermögen.

Vorgeschichte: Aufsicht stoppt Promi-Projekt

Dieser Artikel ist hilfreich. 205 Nutzer finden das hilfreich.