Die Fußball-Bundesliga wird voraussichtlich aus dem Premiere-Programm verschwinden. Der Bezahlsender ging bei der Vergabe der Senderechte leer aus. Höchstens über Sublizenzen kann Premiere vielleicht noch Bundesliga-Rechte für die Saison 2006/2007 ergattern. Fußballfans, die in den letzten Monaten Abo-Verträge mit 12, 15 oder gar 24 Monaten Laufzeit abgeschlossen haben, werden sich schwarz ärgern. Ob Premiere versuchen wird, sie in den Verträgen festzuhalten, ist unklar. test.de bekam auf Nachfragen keine eindeutige Antwort. Klar ist nur: Auf die Berichterstattung von der Fußballweltmeisterschaft hat die Neuvergabe der Bundesliga-Rechte keinen Einfluss. Wer Premiere ohne Bundesliga nicht mehr will, sollte schon jetzt zum Beginn der neuen Bundesliga-Saison kündigen. Auch bei langfristigen Verträgen gibts gute Chancen, Premiere vorzeitig zu verlassen.

[Update: 03.01.2006] Inzwischen hat Premiere Stellung bezogen. Hier sind die aktuellen Informationen.

Programmänderung mit Folgen

„Bei der Programmgestaltung ist Premiere frei, solange der Gesamtcharakter eines Kanals erhalten bleibt“, heißt es in den Geschäftsbedingungen des Senders zunächst. Angesichts der Bedeutung der Bundesliga für Fußball-Abonnenten könnte schon diese Regel Abonnenten ein Sonderkündigungsrecht geben. Ausdrücklich vorgesehen ist das Recht zur Kündigung für den Fall, dass Premiere sein Programmangebot ändert oder umstrukturiert. Eine Presseerklärung von Premiere zum Ende der Bundesliga-Berichterstattung klingt so, als wolle der Sender so verfahren. Selbst wenn Premiere nach diesen beiden Klauseln kein Kündigungsrecht einräumen will, bleibt die Chance zur außerordentlichen Kündigung aus wichtigem Grund. Sie ist bei langfristigen Verträgen unabhängig von den Geschäftsbedingungen immer möglich. Klauseln, die das Recht zur Kündigung weiter einschränken, sind unwirksam.

Zeit für rechtliche Schritte

Zur Sicherheit sollten Premiere Fußball-Abonnenten mit besonderem Interesse an der Bundesliga ihren Vertrag schon jetzt zum Beginn der neuen Bundesliga-Saison im Spätsommer kündigen und die Kündigung mit dem Wegfall der Bundesliga-Berichterstattung begründen. Wenn Premiere die Kündigung nicht akzeptieren will, ist Zeit genug, die Rechtslage zu klären und die Kündigung durchzusetzen. Möglicherweise weigert sich Premiere bei Komplett-Abonnenten, Kündigungen wegen des Wegfalls der Fußballbundesliga zu akzeptieren. Entscheidend wird sein, was im Einzelfall den Ausschlag fürs Premiere- Abo gab. Wer in erster Linie Fußball-Bundesliga wollte und für einen vergleichsweise geringen Aufpreis weitere Angebote mit geordert hat, hat gute Chancen, ein Sonderkündigungsrecht durchzusetzen. Bei Kunden, die ein Paket mit Sport, aber ohne Fußball live geordert haben, wirds schwierig. Fußball-Bundesliga-Berichterstattung ist nur ein kleiner Teil dieser Pakete. Ihr Ausfall dürfte in dieser Konstellation kaum reichen, um ein Sonderkündigungsrecht zu begründen.

Tipps

  • Kündigungsrecht bei auslaufenden Altverträgen. Auch Abonnenten, die schon längere Zeit bei Premiere sind, können den Vertrag ohne Begründung nur immer sechs Wochen vor Ablauf eines Jahres nach der letzten Vertragsverlängerung kündigen. Nach den Premiere Geschäftsbedingungen verlängert sich jedes Abo bei Ablauf ohne rechtzeitige Kündigung um weitere zwölf Monate. Abonnenten der Premiere-Pakete mit Bundesliga- Berichterstattung sollten kündigen, wenn dies in den nächsten Monaten möglich ist und das Abo auch bis zum Ende der Bundesligasaison nur fortsetzen, wenn Premiere sich mit einer Beendigung des Abos zum Auslaufen der Bundesliga-Berichterstattung ausdrücklich einverstanden erklärt.
  • Kündigungsrecht bei Verträgen mit langer Restlaufzeit. Wenn Sie erst in den letzten Monaten Premiere-Fußball für 12, 15 oder 24 Monate abonniert haben oder sich der Vertrag gerade noch um 12 Monate verlängert hat, können Sie zum Beginn der neuen Bundesligasaison außerordentlich kündigen. Voraussetzung: Sie haben Premiere wegen der Bundesliga-Berichterstattung abonniert. Eine klarer Fall ist das bei dem billigsten Abo-Paket, indem auch Fußball live enthalten ist. Bei Abo-Paketen, in denen nur Sport und nicht auch Fußball live enthalten ist, dürfte dagegen der Bundesliga-Anteil zu gering sein, um eine außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen. Premiere Komplettabonnenten haben nur dann eine Chance auf vorzeitigen Ausstieg zum Start der Bundesligasaison 2006/2007, wenn Sie die übrigen Premierekanäle nur wegen des vergleichsweise geringen Aufpreises zusätzlich geordert haben.
  • Kündigung. Sie sollten stets schriftlich kündigen. Wenn Sie ein Abo haben, dessen Mindestlaufzeit bis zum Ende der Bundesligaberichterstattung bereits abgelaufen ist, und bis zum Ablauf der Kündigungsfrist noch Zeit ist, reicht es, die Kündigung per Fax an Premiere zu schicken und um Bestätigung des Eingangs zu bitten. Sie können die Kündigung im Zweifelsfall dann noch einmal per Einschreiben mit Rückschein schicken, wenn Premiere nicht reagiert. Wenn die Mindestlaufzeit Ihres Vertrags zum Start der Bundesligasaison im August noch andauert, schicken Sie die Kündigung besser per Einschreiben mit Rückschein an Premiere und fordern Sie den Sender auf, die Kündigung spätestens innerhalb einer Frist von drei Wochen zu bestätigen. Falls Premiere sich weigert, können Sie rechtliche Schritte einleiten, um Ihr Kündigungsrecht durchzusetzen.

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