Mutmacher Special

„Ich weiß noch genau, wie sich das angefühlt hat, als meine Bank mir übel mitgespielt hat.“ Wolfgang Benedikt-Jansen

Finanztest stellt Menschen vor, die hartnä­ckig großen Unternehmen oder Behörden die Stirn bieten und dadurch die Rechte von Verbrauchern stärken. Zum Auftakt: Wolfgang Benedikt-Jansen, Rechts­anwalt aus Franken­berg in Hessen.

Am Anfang stand der Ärger mit der eigenen Bank. Rechts­anwalt Wolfgang Benedikt-Jansen zog im Jahr 1999 mit seiner Kanzlei vom ober­schwäbischen Laupheim nach Franken­berg in Hessen und wurde Kunde der Volks­bank Marburg. Zunächst lief es gut. Die Bank erhöhte wie gewünscht die Kredit­linie, um den Neustart der Kanzlei zu finanzieren. Dann war von einem Tag auf den anderen alles anders und die Bank kürzte die Kredit­linie wieder. Die Folge: Wichtige Über­weisungen blieben liegen. Die Bank blieb hart, als Benedikt-Jansen protestierte. „Das hat mich zutiefst gekränkt“, schildert der 53-jährige Jurist. „So kann man mit Menschen nicht umgehen“, findet er.

Benedikt-Jansen wechselte die Bank. Doch der Ärger mit der Volks­bank beschäftigte ihn weiter. Inzwischen wusste er: Die Bank, die es heute nicht mehr gibt, war in Schwierig­keiten geraten und Kunden wie er mussten das ausbaden.

So etwas wie eine Gewerk­schaft der Bank­kunden müsste es geben, dachte Benedikt-Jansen. Ein Gegen­wicht zur wirt­schaftlichen Macht der Geld­institute. Jemand, der einer Bank die Stirn bieten kann, wenn sie sich kundenfeindlich verhält. Er schloss sich der Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden im bayerischen Rednitzhembach an. Rund 500 Mitglieder hat der Verein.

Erste Ohrfeigen für Sparkassen

Bald ist Benedikt-Jansen nicht nur Mitglied, sondern auch Anwalt der Schutz­gemeinschaft. Er spezialisiert sich aufs Geld­anlage- und Bank­recht. Die Schutz­gemeinschaft beantragt die Zulassung als Verbraucher­schutz­verband und wird 2004 in die amtliche Liste einge­tragen. Jetzt hat sie das Recht, Banken und Sparkassen mit rechts­widrigen Praktiken abzu­mahnen und sie zu verklagen, wenn die Geld­institute nicht einlenken.

Bald feiert die Schutz­gemeinschaft erste Erfolge. Sie kippt Klauseln, mit denen Sparkassen ausgerechnet für Pfändungs­schutz­konten besonders hohe Gebühren fest­setzen. Sie erreicht, dass bayerischen Sparkassen verboten wird, miss­liebigen Kunden zu kündigen.

Im Jahr 2008 beginnt die Schutz­gemeinschaft ihren Kampf gegen Kredit­bearbeitungs­gebühren. Banken und Sparkassen kassieren diese Gebühren zusätzlich zu den Zinsen. Sie behalten meist 2 bis 3,5 Prozent des Kredit­betrags bei Auszahlung des Darlehens ein. Das sind 200 bis 350 Euro für einen Raten­kredit über 10 000 Euro. Für einzelne Immobilien­kredite kassierten die Banken bis zu 7 500 Euro. Kreditnehmer stottern dann nicht nur den Kredit, sondern auch die Gebühren Rate für Rate ab – samt Zinsen.

Hunderte von Prozessen gewonnen

Das Ober­landes­gericht Bamberg urteilt im August 2010: Die Gebühren sind eine „unan­gemessene Benach­teiligung“ und damit unwirk­sam. Sieben weitere Ober­landes­gerichte schließen sich an.

Trotzdem verweigern die meisten Banken und Sparkassen die Rück­zahlung. Mit juristischen Spitzfindig­keiten antworten sie auf berechtigte Forderungen ihrer Kunden.

Anwälte für solche Fälle zu finden, ist schwer. Der Streit­wert ist vergleichs­weise gering und damit auch das Honorar. Auch Wolfgang Benedikt-Jansens Sache sind solche Mandate nicht. Doch als die Banken einen Kunden nach dem anderen abblitzen lassen, über­legt er es sich anders. Er entwickelt ein Onlineformular für Betroffene, stellt zusätzliche Mitarbeiter ein und über­nimmt nun jeden Fall. Tausende von Bank­kunden melden sich bei ihm. In hunderten von Fällen reicht er Klage ein. In fast allen Fällen hat er Erfolg.

Ihre Chance

Erstattung. Haben Sie einen Raten- oder Immobilien­kredit aufgenommen? Dann schauen Sie in den ­Kredit­vertrag, ob die Bank von Ihnen Kredit­bearbeitungs­gebühren verlangt hat. Wenn ja, fordern Sie die ­Gebühren samt Zinsen ­zurück. Für 10 000 Euro Kredit kassierten Banken bis ins Jahr 2013 hinein oft 200 bis 350 Euro Gebühren und ­für einzelne Immobilien­kredite auch schon mal mehrere tausend Euro.

Verjährung. Umstritten ist noch, wann Ihre Erstattungs­forde­rung verjährt. Sicher nicht verjährt ist die Rück­forderung, wenn Sie Ihr Darlehen ab ­Anfang 2010 aufgenommen haben.

Hilfe. Einen Muster­text, detaillierte Tipps zur Rechts­lage und ­eine lange Liste mit ­Urteilen zugunsten von Verbrauchern finden Sie bei uns im Internet (www.test.de/kreditgebuehren).

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