Mutmacher Special

Wilhelm Falk.

Finanztest stellt Menschen vor, die großen Unternehmen oder Behörden die Stirn bieten und so die Rechte von Verbrauchern stärken. Diesmal: Wilhelm Falk aus Zirn­dorf. Er hat sich erfolg­reich gegen seinen Mobil­funkanbieter gewehrt, der unbe­rechtigte Forderungen eintreiben wollte. „Mir ist nie in den Sinn gekommen, die unbe­rechtigten Forderungen von O2 zu bezahlen“, ermutigt er im Gespräch mit Finanztest andere Betroffene, sich nichts gefallen zu lassen.

Raus aus der Handy-Abofalle

„Die Angelegenheit wird hier als erledigt betrachtet.“ Mit diesem Satz wollte die vom Mobil­funk­unternehmen Telefónica beauftragte Inkassofirma einen Schluss­strich ziehen unter die Auseinander­setzung, die Wilhelm Falk aus dem bayerischen Zirn­dorf mit Telefónica andert­halb Jahre führte. In dem Brief teilte die Inkassofirma mit, dass Telefónica kein Geld mehr von ihm fordere. Doch für Falk, Nutzer unserer Internetseite test.de, war die Sache nicht erledigt: Er bestand darauf, dass Telefónica ihm seine Anwalts­kosten erstattet – knapp 84 Euro für Schreiben. Die über­wies die Mobil­funk­firma. Falk hat sich voll durch­gesetzt.

Per Link in die Abofalle

Ange­fangen hatte es im Februar 2016 mit einem Betrag von 11,98 Euro auf der Hand­yrechnung. Das Smartphone nutzte Falks Sohn Thilo, damals 14 Jahre alt. Der Anbieter O2, eine Telefónica-Marke, verlangte das Geld, weil Thilo angeblich zwei Abonnements bei Dritt­anbietern abge­schlossen habe. „Auf der Rechnung stand Abo-Hand­ycontent und Abo-Games“, erinnert sich der 52-Jährige, der als Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftler bei der Bundes­agentur für Arbeit tätig ist. „Ich habe mit meinem Sohn ausführ­lich darüber gesprochen. Wahr­scheinlich ist es beim Wegklicken eines Werbebanners passiert, hinter dem offen­bar ein Link lag, der in die Abofalle führte.“ Doch Internetkauf oder Abo sind erst gültig, wenn ein Kunde erkennen kann, mit welchem Klick er den Kauf auslöst, etwa mit dem auf einen Hinweis-Button „kosten­pflichtig bestellen“ oder „kaufen“. Ein Klick auf ein Werbebanner ist keine Bestellung.

Oft ist gar nicht klar, was der Kunde angeblich gekauft hat

Doch immer wieder gelingt es Dritt­anbietern, Verbrauchern ein „Abo“ unter­zuschieben. Wer beim Lesen seiner Hand­yrechnung fest­stellt, dass er angeblich Spiele, Videos, Klingeltöne, Sport­informationen oder bewegliche Smileys gekauft oder abonniert hat, braucht Geduld und Hartnä­ckig­keit, um das vom Konto abge­buchte Geld zurück­zuerhalten. Meist steht auf der Rechnung nicht einmal, was der Kunde angeblich gekauft hat.

Ihre Chance

Wider­spruch. Wenn Sie per Handy nichts bestellt haben, brauchen Sie auch nichts zu bezahlen. Legen Sie bei Ihrem Mobil­funkanbieter Wider­spruch ein und verlangen Sie, dass er den Betrag für den Dritt­anbieter inner­halb von zwei Wochen an Sie zurück­über­weist. Tut er dies nicht, holen Sie die Last­schrift zurück. Über­weisen Sie dann sofort nur den eigentlichen Rechnungs­betrag, ohne das Geld für den Dritt­anbieter.

Muster­brief. Für Ihren Wider­spruch können Sie unseren Muster­brief nutzen. Es gibt ihn kostenlos in unserem Special Kostenfalle Handy, Finanztest 6/2017.

Dritt­anbieter­sperre. Sie können Ihr Handy für Dritt­anbieter sperren lassen. Mehr dazu können Sie in unserem Special Gewusst wie: Drittanbieter sperren nach­lesen, Finanztest 9/2017.

Mobil­funk­firmen verdienen kräftig mit

Mobil­funk­firmen treiben die Forderungen oft dreist ein, weil sie daran mitverdienen. Sie teilen sich den Gewinn mit dem Dritt­anbieter. Solange Kunden zahlen, lohnt sich das. Dafür vergrätzen Unternehmen sogar eigene Kunden. O2 verwies Falk an die Dritt­anbieter und beharrte zunächst auf der Forderung.

Hartnä­ckig gegen jede Mahnung gewehrt

Falk ließ sich dies nicht gefallen – trotz zahlreicher Mahnungen, Inkasso­schreiben und der Sperrung des Anschlusses. Auch als die Gesamt­forderung 460 Euro über­stieg, behielt er die Nerven. Er ließ sich nicht auf eine Auseinander­setzung mit Dritt­anbietern ein, sondern nahm O2 in die Pflicht. Hartnä­ckig wehrte er sich gegen jede Mahnung.

Mobil­funkanbieter müssen Kunden vor Abzocke schützen

Als das erste Inkasso­schreiben kam, nahm er sich einen Anwalt. „Mir ist nie in den Sinn gekommen zu bezahlen“, sagt er. „Ich kenne die Recht­sprechung.“ Der Bundes­gerichts­hof urteilte bereits 2006, dass sich ein Mobil­funk­unternehmen „die im Verhältnis des Kunden zu dem Dritt­anbieter bestehenden Einwendungen entgegen­halten lassen“ muss (Az. III ZR 58/06). Im Klar­text: Es darf Kunden nicht abwimmeln und muss sie vor unseriösen Dritt­anbietern schützen. Das gehört zum Service.

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