„Für mich ist klar, dass diese Kostenbelastung definitiv nicht gerecht ist.“ Christine Kiesenbauer

Finanztest stellt Menschen vor, die Firmen oder Behörden die Stirn bieten und Verbraucherrechte stärken. Diesmal: Christine und Dieter Kiesenbauer, die sich vom Versicherer Volks­wohl Bund zu hohe Kosten für die Riester-Rente zurück­geholt haben.

Patzige Reaktion vom Volks­wohl Bund

Patzig. So reagierte der Versicherer Volks­wohl Bund auf die Reklamation seiner Kundin Christine Kiesenbauer, die sich 2013 erst­mals über zu hohe Abschluss- und Vertriebs­kosten ihrer Riester-Renten­versicherung beschwert hatte. Als Mathematiker kennen sich Christine Kiesenbauer und ihr Ehemann Dieter mit Zahlen aus, doch die „intrans­parente Darstellung“ in der Stand­mitteilung war für sie nicht verständlich. Nach etlichen Briefwechseln und Klar­stellung durch das Bundes­finanz­ministeriums musste der Volks­wohl Bund 2020 seinen Fehler zugeben – und 665 Euro zu viel kassierte Kosten zurück­zahlen.

Reduzierter Eigen­betrag nach Geburt

Ihren Riester-Vertrag hatte die heute 38-Jährige 2006 abge­schlossen. Die Finanztest-Abonnenten aus dem bayerischen Aschheim kannten den Vorteil der Riester-Förderung: Wenn Kinder geboren werden, zahlt der Staat Kinder­zulagen, als Folge sinkt der Eigen­betrag. So müssen Eltern weniger aus eigener Tasche sparen.

Die jähr­lichen Abschluss- und Vertriebs­kosten orientieren sich jeweils am Eigenbeitrag. Als Christine Kiesenbauer 2011 zum ersten Mal Mutter wurde, reduzierte sie den Eigenbeitrag um 300 Euro – so hoch ist die jähr­liche Kinder­zulage. Beim Blick auf die Abrechnungen fiel Dieter Kiesenbauer 2013 auf: Trotz des gesunkenen Eigen­betrags blieben die Abschluss­kosten gleich. Er beschwerte sich mehr­mals – ohne Erfolg.

Ärger auch nach dem zweiten Kind

2014 bekam Christine Kiesenbauer ihr zweites Kind, reduzierte erneut ihren Eigenbeitrag. Wieder wurden die bereits verrechneten Abschluss­kosten nicht erstattet. Der 40-jährige Familien­vater kritisiert: Wenn Kunden Eigen­beträge erhöhen, werden sie „vom Volks­wohl Bund direkt mit höheren Kosten belastet“. Bei nied­rigeren Eigen­beträgen müssten die Kosten logischer­weise sinken. Andernfalls sei Riester nicht geeignet, sich an geänderte Lebens­umstände anzu­passen. Als sich das Paar 2014 beim Versicherungs­ombuds­mann beschwerte, winkte dieser ab: Es gebe keine allgemeine Regelung, ihm seien „die Hände gebunden, grund­legend in die Kostenkalkulation des Versicherers einzugreifen“.

Hartnä­ckig­keit zahlt sich aus

Fünf Jahre später wies das Bundes­finanz­ministerium die Versicherer darauf hin, dass diese über­höhten Abschluss­kosten unzu­lässig sind. Die Kiesenbauers wandten sich erneut an den Volks­wohl Bund. Nun lenkte er ein: Nach der Reduzierung des Eigen­beitrags „haben wir zu Unrecht Abschluss­kosten erhoben“, 206 Euro werde man zurück­zahlen. Doch das Ehepaar konnte den Betrag nicht nach­voll­ziehen, verlangte eine Neube­rechnung. Im Februar 2020, fast sieben Jahre nach der ersten Beschwerde, rechnete der Volks­wohl Bund neu und schrieb 665 Euro gut.

Dieser Artikel ist hilfreich. 20 Nutzer finden das hilfreich.