Mutmacher Sven Böcken­berg will Steuer­vorteile für alle Studenten erkämpfen

17.02.2015
Mutmacher - Sven Böcken­berg will Steuer­vorteile für alle Studenten erkämpfen
Sven Böcken­berg: „Wer viel fürs Studium bezahlt, sollte viel absetzen können.“

Finanztest stellt Menschen vor, die großen Unternehmen oder Behörden die Stirn bieten und dadurch die Rechte von Verbrauchern stärken. Diesmal: Sven Böcken­berg. Der Sport- und Eventmanager aus Heiden hat sich als Student dafür einge­setzt, dass Studierende höhere Werbungs­kosten absetzen können. Sein Fall wird nun vor dem Bundes­verfassungs­gericht verhandelt.

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Studien­gebühren und Fahrt­kosten nicht anerkannt

Sven Böcken­berg hat einen Traum: Er will einmal für einen großen Sport­ver­ein arbeiten. Dafür hat der 33-Jährige viel investiert. Drei Jahre, von 2007 bis 2010, hat ihn der Bachelor-Abschluss in Betriebs­wirt­schaft mit Schwer­punkt Sport- und Eventmanagement gekostet. Stolze 24 000 Euro verlangte die private Hoch­schule dafür. Den Kredit zahlt er noch heute ab – mit einem Job als Marketing- und IT-Koor­dinator. Umso über­raschter war der Hobby­fußballer, als er 2007 Studien­gebühren und Fahrt­kosten in Höhe von 12 500 Euro in der Steuererklärung als Werbungs­kosten absetzen wollte und sich das Finanz­amt Borken (Nord­rhein-West­falen) quer­stellte.

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Bundes­verfassungs­gericht soll Grund­satz­urteil sprechen

Böcken­berg und sein Steuerberater Christian Büsker fanden das ungerecht und erhoben Einspruch. Mit seinem Ärger ist Böcken­berg nicht allein: Mitt­lerweile liegt der Fall mit fünf weiteren beim Bundes­verfassungs­gericht in Karls­ruhe. Steuerberater Büsker hofft auf ein Grund­satz­urteil, von dem tausende profitieren könnten.

Derzeit nur 6 000 Euro Sonder­ausgaben absetz­bar

Steuerrecht­lich ist es so: Wer eine Ausbildung mit Arbeits­verhältnis und Einkommen macht oder ein zweites Studium, etwa als Master­student, kann seine Ausgaben problemlos als Werbungs­kosten absetzen. Alle anderen können zurzeit höchs­tens 6 000 Euro Sonder­ausgaben geltend machen.

Werbungs­kosten vorteilhafter als Sonder­ausgaben

Der Vorteil von Werbungs­kosten: Diese kann man unbe­grenzt im Steuer­bescheid als Verlust fest­stellen lassen – und auch gegen späteres Einkommen verrechnen. Gerade Studenten, die meist erst nach dem Studium viel verdienen, würden davon enorm profitieren. Die Argumentation von Steuerberater Büsker: In Deutsch­land versteuert jeder das Einkommen nach dem Prinzip der finanziellen Leistungs­fähig­keit. „Es kann nicht sein, dass jemand Ausgaben hat, die später zu steuer­pflichtigen Einnahmen führen, aber nicht bei seiner Steuererklärung berück­sichtigt werden.“ Hier werde das objektive Nettoprinzip im Steuerrecht verletzt.

Zählt die abge­brochene Ausbildung vorher?

Bei Böcken­berg war zusätzlich strittig, ob das Studium über­haupt seine Erst­ausbildung war: Denn vorher hatte er eine Ausbildung an der Fach­hoch­schule als Polizei­kommis­sar begonnen. Diese konnte er nicht erfolg­reich abschließen, weil er zweimal durch die mündliche Abschluss­prüfung gefallen war. Das Finanz­amt wollte die Ausbildung nicht anerkennen. „Das ist ungerecht“, entrüstet sich Böcken­berg, „meine Schwester hatte vor ihrem Studium auch eine Ausbildung gemacht und durfte die Ausgaben als Werbungs­kosten absetzen.“

Hoff­nung nach erstem Etappensieg

Einen Etappensieg erzielten Böcken­berg und Büsker bereits vor dem Finanzge­richt Münster (Az. 2 K 862/09 F). Die Richter erkannten an, dass die Entscheidung des Finanz­amtes Borken nicht recht­mäßig sei und die Studien­kosten als Werbungs­kosten anzu­erkennen seien. Doch die Behörde ging in Revision.

Bundes­finanzhof urteilte bereits in Böcken­bergs Sinne

Der Fall landete vor dem höchsten steuerlichen Gericht – dem Bundes­finanzhof in München (Az. VI R 61/11). Auch dort war der Kläger erfolg­reich, jetzt hat das Bundes­verfassungs­gericht das letzte Wort. Bis dieses über jüngste Änderungen im Einkommensteuergesetz (§ 4 Abs. 9 EStG/ § 9 Abs. 6 EStG) entschieden hat, ruht Böcken­bergs Verfahren – und sein Steuer­bescheid von 2007 bleibt weiter offen. Entscheiden die Richter in seinem Sinne, kann er seinen Kredit früher ablösen – und ist seinem Traum wieder ein Stück näher.

17.02.2015
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