„Es darf keine Privatsache sein, dass Kinder ihre Schule sicher erreichen.“, Günter Landendörfer und Marc Rux, 14.

Finanztest stellt Menschen vor, die großen Firmen oder Behörden die Stirn bieten. Diesmal: Günter Landendörfer und Marc Rux aus dem bayerischen Markt­schor­gast haben erreicht, dass die Gemeinde ein Taxi für Marcs Schulweg organisiert. Der Weg ist einfach zu gefähr­lich.

Schulweg ohne Bürger­steig und Beleuchtung

Sanfte Hügel, dichte Wälder, kleine Orte mit Kirchtürmen, die sich in den Himmel recken – Marc Rux‘ Weg zu seinem Schulbus führt durch eine idyl­lische Ecke des Franken­waldes. Doch die unbe­leuchtete Straße, die der 14-Jährige entlang­gehen muss, ist alles andere als sicher. Autos brettern die 1,3 Kilo­meter lange Strecke teils mit 80 Stundenkilo­metern und mehr entlang, einen Bürger­steig gibt es nicht. Marc ist den Weg nur gelegentlich gelaufen, bei Tages­licht und gutem Wetter und nur mit seinen Eltern. Einmal, so erzählt er, war es „sehr knapp“. Da sei ein Auto ganz dicht vorbeigeschrammt. „Wenn eins kommt, muss sich der Bub mit seinem bleibatzen­schweren Ranzen an die Leitplanke drücken“, sagt Marcs Stief­vater Günter Landendörfer.

Er hat erreicht, dass die Gemeinde für die gefähr­liche Teil­strecke des Schulwegs ein Taxi zahlen muss. „Das finde ich natürlich sehr gut“, sagt Marc. Zuvor hatten die Eltern den Fahr­dienst über­nommen. Seit der Vater in Rente ist, kann sich die Familie nur noch ein Auto leisten – meist braucht es die Mutter, die in Bayreuth arbeitet.

Ein ruhiges Dorf ohne Busverbindung

Die Familie wohnt in einem abge­legenen Orts­teil Markt­schor­gasts namens Ziegenburg. Knapp 50 Menschen leben hier, Hühner laufen zwischen den Häusern hin und her. Der Schulbus, der die Kinder in die Schulen bringt, hält hier nur für Grund- und Mittel­schüler, nicht für Realschüler wie Marc. Für Schüler ab der fünften Klasse über­nimmt in Bayern die Gemeinde den Trans­port erst, wenn sie mehr als drei Kilo­meter zu Fuß gehen müssten. Für Grund­schüler gilt die Zwei-Kilo­meter-Grenze.

Landendörfer setzte sich bereits sich mit den Ämtern auseinander, als seine mitt­lerweile erwachsenen Kinder aus erster Ehe zur Schule gingen. „Insgesamt habe ich mehr als 17 Jahre gekämpft. Aufgeben war keine Option“, sagt der 63-Jährige und schüttelt den Kopf. „Unglaublich, was wir uns alles anhören mussten: Etwa die Frage, ob bereits ein Kind auf dem Schulweg verunglückt sei. Dass noch nichts passiert ist, liegt doch nur daran, dass Eltern oder Nach­barn ihre Kinder immer zur Schule bringen.“

Laut Gericht ist die Strecke gefähr­lich

Nach einem Teil­erfolg – 2017 wurde das Taxi in den Wintermonaten bewil­ligt – landete die Rechts­sache vor dem Bayerischen Verwaltungs­gerichts­hof. Drei Richte­rinnen aus München kamen in die Provinz, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Die Juristinnen entschieden: Die Strecke ist sehr gefähr­lich und Marc dort „in einer schutz­losen Situation“. In gegen­seitigem Einverständnis wurde zwischen dem Land­rats­amt und der Familie eine Vereinbarung getroffen: Bis zum Abschluss der zehnten Klasse wird Marc zur Halte­stelle des Schulbusses gefahren. Das Verfahren wurde einge­stellt.

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