Diese Produkte sind nichts für Einsteiger

Nicht alle Geld­anlagen sind für Vorsichtige geeignet. Ein Über­blick über die Vielfalt der Finanz­produkte.

Mut zur Rendite Special

Es ist nicht nur die Angst vor Verlust, die Zins­sparer zögern lässt, ihre Rendite aufzupeppen. Oft lehnen sie die Vorschläge ihres Beraters auch aus Unsicherheit ab. Taugt die Geld­anlage wirk­lich? Oder geht es nur um Provision?

Mit dem Über­blick (siehe Grafik) können Anleger sich ein wenig orientieren, welchen Empfehlungen sie besser nicht folgen und was sie aus ihrem Depot werfen können, falls sie es schon gekauft haben.

Abwechs­lung muss sein

Bei der Mehr­zahl der beschriebenen Produkte handelt es sich um durch­aus geeignete Geld­anlagen – nur nicht für den über­zeugten Zins­sparer, der lediglich seine Rendite ein biss­chen aufpeppen möchte. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Gar nicht erst in unser Gewürz­regal aufgenommen haben wir Zins­produkte wie Bundes­anleihen oder Bauspar­verträge. Sie sind Tages­geld, Fest­geld und Spar­briefen zu ähnlich und bringen Zins­sparern keine bessere Streuung. Auch klassische Renten­versicherungen legen über­wiegend in Zins­papieren an. In Versicherungen ist das Geld der Anleger zudem lange Jahre gebunden.

Manche Fonds sind zu speziell

Die meisten Anlagen aus unserer Gewürz­auswahl passen dagegen nicht, weil sie für den vorsichtigen Anleger zu riskant sind. Fonds, die nur Aktien eines einzelnen Landes oder einer Branche enthalten, sind beispiels­weise kein empfehlens­wertes Basis­investment. Anleger, die sich schon einmal an Internet­aktien oder Biotechnologie­aktien gewagt haben, wissen das.

Auch offene Immobilienfonds sind ein Branchen­investment mit entsprechend einseitigen Risiken. Finanztest hat sie auch in der Vergangenheit nur als Beimischung in einem gut gestreuten Depot empfohlen, nicht als Basis­anlage.

Aktienfonds Deutsch­land sind als Basis­anlage ebenfalls nicht geeignet, jedenfalls nicht für Sparer, die sich behut­sam aus der Zins­ecke tasten. Zwar investieren die Fonds in export­starke Konzerne, die über­all in der Welt Geschäfte machen und deren Gewinne nur zum Teil von der Lage Deutsch­lands abhängen. Eine welt­weite Streuung lässt sich damit dennoch nicht erreichen.

Einzel­werte und Zertifikate

Einzel­papiere, vor allem einzelne Aktien, sind erst recht eine riskante Angelegenheit. Um eine ausreichende Mischung hinzubekommen und dabei nicht zu hohe Gebühren zu bezahlen, ist eine höhere fünf­stel­lige Summe nötig. Wer Einzel­aktien kauft, sollte sich auskennen und ausreichend Zeit für sein Hobby mitbringen.

Auch von Zertifikaten sollten Zins­sparer Abstand halten. Das liegt zum einen am Pleiterisiko dieser Papiere. Zum anderen sind die Produkte oft viel zu komplex.

Für die einfachen Papiere wie Indexzertifikate gibt es als bessere Alternative ETF, börsen­gehandelte Indexfonds. Bei ETF liegt das Geld der Anleger in einem Sonder­vermögen und ist vor der Pleite der Heraus­geber geschützt.

Viel lieber als Indexzertifikate verkaufen Banken ihren Kunden sogenannte strukturierte Anleihen. Das sind Papiere, oft mit Fantasie­namen ausgestattet, deren Zins­satz oder Lauf­zeit von einem anderen Zins­satz oder ein paar zusammengesuchten Aktien abhängt. Sie sind zu komplex gestrickt und deshalb unbrauch­bar.

Wind­rad, Solar­park, Immobilien

Hinter dem Begriff geschlossene Fonds verbergen sich zum Beispiel Anteile am Kauf eines Schiffes, die Beteiligung an einem Wind- oder Solar­park oder an einem Immobilien­projekt. Der Anleger wird Mitunternehmer und kann mit dem Unternehmen Gewinne machen, aber auch sein Geld komplett verlieren. Für sicher­heits­liebende Sparer ist das nichts.

Sicher­heits­falle Gold

Gold ist bei vorsichtigen Sparern beliebt, aber ebenfalls keine sichere Geld­anlage – wie die Preis­schwankungen allein in den vergangenen zwei Jahre zeigen: Eine Fein­unze kostete erst mehr als 1 800, dann rund 1 200 Dollar. Zahlreiche private Anleger, die mitten in der Krise Gold in Form von Barren oder Münzen gekauft hatten, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, sind jetzt im Minus.

Verzetteln bringt nichts

Viele der genannten Produkte eignen sich zur Beimischung in ein bereits gut gestreutes Depot. Anleger, die über­haupt nur einen kleinen Teil ihres Geldes für riskantere Anlagen abzweigen, sollten sich besser nicht verzetteln und für den Anfang bei welt­weit anlegenden Aktienfonds bleiben.

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