Sparer verlieren Geld, weil sie es zu riskant anlegen – oder zu sicher. Mit dieser – scheinbar paradoxen – These wendet sich die Stiftung Warentest an passionierte Zins­sparer und zeigt ihnen, was zum Tages­geld passt. Schon ein kleiner Schuss Aktienfonds Welt hilft Sparern aus der Zins­falle.

Ein biss­chen Risiko muss sein

Seit Jahren schon gibt es nicht mehr, sondern immer nur weniger Zinsen. Nach Abzug der Inflation steht oft sogar ein Minus unterm Strich. Wer sich aus der Zins­falle befreien will, dem bleibt nichts anderes, als mehr Risiko einzugehen. Ein biss­chen reicht schon, wie Finanztest mit zahlreichen Simulationen für verschiedene Zeiträume inner­halb der vergangenen 43 Jahre vorrechnet. Es hilft zum Beispiel schon, statt 10 000 Euro nur 9 000 Euro auf dem Tages­geld­konto zu lassen und für 1 000 Euro Aktienfonds zu kaufen. Wer das macht und etwa zehn Jahre anlegt, hätte nach den Zahlen der Vergangenheit sogar Aussicht auf Renditen um die 6 Prozent pro Jahr.

Aktien sind eine vernünftige Anlage

Zwar haben viele Anleger von Aktien die Nase gestrichen voll, seit sie mit Manfred Krug das ­unerfreuliche Investment T-Aktie starteten oder viel Geld mit Neue-Markt-Fonds verloren. Doch auch wenn es bei Aktien keine absolute Sicherheit gibt, sind sie dennoch eine vernünftige Geld­anlage. Vor allem in Form von Fonds, die das Vermögen breit streuen – welt­weit oder zumindest europaweit. Aktien bieten nicht nur höhere Rendite­chancen als sichere Zins­anlagen. Sie sind Sach­werte und können anders als Zins­produkte eine Inflation unbe­schadet über­stehen. Solange ein Unternehmen Geld verdient, sind die Aktionäre mit von der Partie. Mit Aktien beteiligen sich die Menschen am Produktiv­kapital, an den Reich­tümern der Volks­wirt­schaften quasi. Auf lange Sicht stehen Anleger, die Aktien kaufen, besser da als Sparer, die auf sie verzichten – trotz der Verlustrisiken, die sie zweifellos bergen.

Aktienfonds sicherer als Gold

Argumente nützen jedoch nichts, wenn Angst die Anla­geent­scheidung bestimmt. Früher glaubten Wissenschaftler, dass Anleger rein rationale Entscheidungen treffen. Inzwischen ist klar: Das stimmt nicht. Die Ablehnung der Aktie ist ein Beispiel – ­zumal, wenn Anleger an anderer Stelle durch­aus Risiken eingehen, etwa mit Gold. Auch bei Anleihen kann es Verluste geben. Die Krise in Griechen­land, die Pleite Argentiniens und die Insolvenz von Lehman Brothers zeigen das.

Regeln und Fall­stricke

Ein kleiner Anteil Aktien dagegen macht aus einer sicheren Geld­anlage noch lange keine riskante. Das geht aus Finanztest-Berechnungen hervor: Auch nach vergleichs­weise kurzer Anla­gedauer von fünf Jahren sind Depots aus 10 Prozent Aktienfonds und 90 Prozent Zins­papieren nicht im Minus, nach zehn und 15 Jahren erst recht nicht. Dennoch gibt es einige Regeln zu beachten. Welche Fonds sich besonders gut eignen, wovon man besser die Finger lassen sollte und welche Fragen man unbe­dingt seinem Anla­geberater stellen sollte, erfahren Sie in unserem Special „Mut zur Rendite“.

Chat mit den Experten von Finanztest

Für Tages­geld gibt es kaum mehr als 1,5 Prozent Zinsen pro Jahr. Da macht Geld anlegen keinen Spaß mehr. Was tun? Antworten und Empfehlungen geben die Finanztest-Experten Karin Baur und Michael Beumer am Mitt­woch, den 4. September, von 13 bis 14 Uhr im Chat auf test.de. Sie können schon jetzt Ihre Fragen stellen oder Fragen anderer Nutzer bewerten.

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