Häusliche Arbeits­plätze geltend machen

Prozess

Auch für Berufs­tätige mit häuslichem Arbeits­zimmer gibt es beim Bundes­finanzhof einen wichtigen Streit: Sie dürfen Versicherungs-, Reinigungs-, Miet­kosten und Posten wie Abschreibungen bisher nur absetzen, wenn sie den Raum fast hundert­prozentig beruflich oder betrieblich nutzen. Der Große Senat des Bundes­finanzhofs soll klären, ob das rechtens ist. Wenn nicht, ist die Frage: Wie viel muss das Finanz­amt anerkennen, wenn das Zimmer zeit­weise auch privaten Zwecken dient (Az. GrS 1/14)?

Chance

Es geht um Fälle wie diese:

  • Ein Werk­statt­besitzer hat in einer Ecke seines groß­zügigen Ess- und Wohn­raums ein Arbeits­zimmer einge­richtet. Am Esstisch finden nicht nur Familien­mahl­zeiten statt, sondern auch Besprechungen mit Geschäfts­part­nern und Kunden. Der Selbst­ständige möchte 50 Prozent der Raum­kosten als Betriebs­ausgaben abrechnen. Es geht um 2 941 Euro. Gewinnt der Mann, gibt es zwei Möglich­keiten. Ist das Zimmer in seiner Wohnung Mittel­punkt der gesamten Arbeit, muss das Finanz­amt die 2 941 Euro voll anerkennen. Wenn nicht, zählen bis zu 1 250 Euro. Damit spart der Werk­statt­besitzer 375 Euro Steuern, wenn er mit Solidaritäts­zuschlag 30 Prozent Steuern zahlt (Az. X R 32/11).
  • In einem anderen Prozess verwaltet ein Vermieter zwei Mehr­familien­häuser im häuslichen Arbeits­zimmer, das er auch für private Schreibtisch- und Computer­arbeiten nutzt. Er hat aufgezeichnet, dass die berufliche Arbeit als Vermieter 60 Prozent ausmacht und die private 40 Prozent. 60 Prozent der Zimmerkosten will der Kläger als Werbungs­kosten absetzen. Es geht um 482 Euro im Jahr (Az. IX R 23/12).
  • Ein Steuerfachwirt macht 3 393 Euro als Betriebs­ausgaben für ein Büro geltend, in dem er für Kunden Buch­führungs- und Schreib­arbeiten anbietet. Einge­richtet ist das Büro in einem eigentlich zum Wohnen gedachten Zimmer mit 3,6 Quadrat­metern Küchenzeile. Das Apart­ment, in dem der Mann auch wohnte, verfügt sonst nur über Bad, Schlaf­zimmer und Flur (Az. III R 62/11).

Was tun?

Selbst­ständige geben Kosten für solche Arbeits­plätze in der Steuererklärung als Betriebs­ausgaben an, Vermieter als Werbungs­kosten auf Anlage V. Arbeitnehmer wie Lehrer, die woanders keinen Arbeits­platz haben, machen bis zu 1 250 Euro auf Anlage N als Werbungs­kosten geltend. Dazu kommen Belege über die berufliche Nutzung. Auch Schät­zungen sind möglich.

Beispiel: Ein Psycho­loge belegt mit seinen Therapie­stunden, dass er in einer 100-Quadrat­meter-Wohnung einen Raum von 20 Quadrat­metern zu zwei Dritteln beruflich nutzt. Er hat 15 000 Euro Wohnungs­kosten, auf den Raum entfallen 3 000 Euro (20 Prozent). 2 000 Euro (zwei Drittel) gibt er als Betriebs­ausgaben in der Steuererklärung an. Lehnt das Finanz­amt ab, legen Steuerzahler wie er Einspruch ein und berufen sich auf das Verfahren beim Bundes­finanzhof.

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