Musikdownloads Test

Immer öfter kaufen Kunden Musik und Hörbücher im Internet. Der Test zeigt die Stärken und Schwächen von neun Musikshops und drei Hör­buch­anbie­tern.

Etwa jeder elfte Euro, den die Musikbranche in Deutschland umsetzt, entfällt auf das Internetgeschäft. Immer mehr Verbraucher laden ihre Lieblingssongs als Audiodatei herunter, statt im Laden endlos viele CDs durchzublättern.

Karaoke-Version für „Jackson Thriller“

Die Songs im Internet zu kaufen, erscheint da viel entspannter. Es ist für all jene praktisch, die Musik oder Hörbücher sowieso nur noch am Computer oder über den MP3-Spieler hören. Doch so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Schon die Suche machen viele Anbieter ihren Kunden unnötig schwer. Nach ungenauen oder verkürzten Suchanfragen überschütten sie den Musikfan mit unstrukturierten Ergebnislisten. Tippt er beispielsweise auf der Medion-Website „Jackson Thriller“ ein, weil er Michael Jacksons Hitalbum kaufen will, spuckt die Suchfunktion des Musikshops 84 Treffer aus. Erst nach mehr als zwei Dutzend Karaoke- und Remix-Versionen des Titelsongs folgt das Album auf der zweiten Seite der Fundstellen.

Besser hat Musicload die Suche gelöst: Das Album erscheint an erster Stelle und die Liste ist übersichtlich nach Musik, Video und Hörbuch gegliedert. Der Nutzer kann sie anschließend noch weiter filtern. Dazu gibt es rechts neben der Liste Verknüpfungen zur weiteren Eingrenzung nach Genre, Künstler und Produkttyp – wie Einzeltitel, Maxi oder Album.

Wer noch nicht genau weiß, was er will, landet leicht im Chaos, denn kein Anbieter macht es dem Nutzer leicht, im Katalog zu stöbern. So findet sich etwa bei Musicload der Frankfurter Balkan-Pop-Produzent Shantel unter „Jazz & Klassik“ in den Jazz-Klassik-Charts. Für klassische Musik gibt es dagegen keinerlei weitere Unterteilung. Ein Kammermusik- oder Opernfan müsste also die Volltextsuche bemühen und darauf hoffen, dass alle entsprechenden Produktionen richtig verschlagwortet wurden. Besser also, er weiß genau, wonach er sucht.

Kaum Auswahl für Klassikfreunde

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Klassikliebhaber haben bei den meisten Musikshops ohnehin wenig Auswahl. Nur Apple iTunes liegt bei Klassik und Jazz deutlich vor der Konkurrenz und hat als Einziger insgesamt eine „gute“ Angebotsvielfalt. Zum Test des Repertoires haben wir anhand von Expertenmeinungen und Chartsplatzierungen insgesamt 200 Alben aus folgenden fünf Musikbereichen ausge­wählt: Rock/Pop international und national, Schlager, Jazz und Klassik.

Erstaunlich: 37 dieser 200 Alben waren in keinem der neun Musikshops erhältlich, zum Beispiel Sun Ras „Atlantis“ oder die „Greatest Hits 2“ von Queen. Die Beatles etwa sind aus Lizenzgründen überhaupt nicht als Download erhältlich. Wer sie auf seinem Musikspieler hören will, muss die CDs selbst ins MP3-Format umwandeln oder die rund 230 Euro teure „The Beatles Stereo Box“ kaufen. Der liegt ein USB-Stick mit Audiodateien aller Beatles-Songs bei.

Tipp: Für den privaten Gebrauch kann man CDs ohne Kopierschutz beispielsweise mit dem Windows Media Player oder Apple iTunes ins MP3-Format konvertieren. Beim Media Player muss im Menü Extras – Optionen – Musik kopieren das MP3-Format gewählt werden, bei iTunes im Menü Bearbeiten – Einstellungen – Importeinstellungen.

Rund 10 Euro pro Album

Für 50 Alben aus unserem Repertoire-Check haben wir die Preise verglichen: Bei fast allen Musikshops kostete ein Album im Mittel knapp 10 Euro. Gegenüber dem Kauf einer CD spart der Kunde also meist einiges. Testsieger Musicload ist mit einem mittleren Preis von 10,51 Euro etwas teurer als die anderen Musikanbieter. Deutlich günstiger sind die Downloads oft bei amazon. Für Alben zahlt der Kunde hier im Schnitt 8,44 Euro. Udo Jürgens’ „Hautnah“ kostete nur 6,67 Euro – die meisten Konkurrenten waren rund drei Euro teurer. Die Schnäppchensuche bei Alben kann sich also lohnen.

Wer Einzeltitel bevorzugt, muss meist rund 1 Euro pro Song hinlegen. Der Musikkauf für eine Geburtstags-CD mit Lieb­lingsmu­sik kann also schnell ins Geld gehen. Kunden in den USA haben es besser: Dort ist der Downloadmarkt schon weiter entwickelt – mit etwa 30 Prozent Marktanteil im Jahr 2008. Deshalb sind die Downloadpreise dort etwas niedriger.

Weder einfach noch anonym

Musikdownloads Test

Audible, der weltgrößte Hörbuch-Downloadanbieter, hat mit audible Audio (.aa) ein eigenes Dateiformat entwickelt, das eine Kapitelunterteilung und Lesezeichen erlaubt. Nicht jeder MP3-Spieler gibt AA-Dateien wieder, der iPod jedoch schon.

So einfach, wie online ein Buch zu kaufen, ist der Musikkauf nicht immer: Bei amazon muss der Kunde einen Downloadmanager installieren, bevor er ein Album herunterladen kann. Apple, napster und Nokia lassen zum Stöbern, Reinhören und Kaufen ein Abspielprogramm installieren. Hier kann es Konflikte mit anderen installierten Playern geben, wenn der Nutzer kein technisches Wissen hat.

Bei den meisten Anbietern legt der Musikkäufer seine Wunschtitel per Mausklick in einen Warenkorb – dann geht es zur Kasse. Nach dem Bezahlen werden die Dateien entweder über die Anbieter-Software oder über die Dateiverwaltung des Betriebssystems heruntergeladen. Meist landen Alben als zip-Paket auf der Festplatte. Die darin enthaltenen Dateien werden über das Menü Datei – „Alle extrahieren ...“ entpackt.

Tipp: Vor allem amazon- und iTunes-Kunden sollten gekaufte Musik sichern. Bei Datenverlust kann man bei diesen beiden Anbietern seine Musikdateien nämlich nicht erneut herunterladen.

Egal wie gering der Kaufbetrag ist: Kunden müssen immer ihre Adressdaten und oft genug auch ihre Bankdaten eingeben. Bei Nokia ist der Kauf sogar nur per Kreditkarte möglich. Bei iTunes, Media Markt, Musicload und Saturn ist der Onlinekäufer nicht zur Angabe seiner Kontodaten gezwungen, sofern er vorab im Geschäft eine Guthabenkarte erwirbt.

Mängel bei Datenschutz und AGB

Datenschutz scheint einigen Anbietern nicht so wichtig zu sein: Sie schließen die Datenweitergabe an andere Firmen nicht eindeutig aus. Apple iTunes’ Datenschutzerklärung besagt, dass der Anbieter im Rahmen von strategischen Partnerschaften Daten anderen Unternehmen zur Verfügung stellen kann. Auch Medion ist beim Umgang mit Daten nur „ausreichend“: Unter anderem wird beim Kauf die E-Mail-Adresse unverschlüsselt übertragen. Unangenehme Folge kann Werbemüll sein.

Mängel fanden wir auch in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) aller Anbieter. Viele Klauseln sind nicht klar und verständlich formuliert und benachteiligen den Kunden unangemessen. Das trifft viele Anbieter, unter anderem auch iTunes.

Bei napster gab es mehr als ein Dutzend Verstöße gegen geltendes Recht. Hier findet sich beispielsweise eine Klausel, dass napster die Bedingungen für künftige Down­loadkäufe jederzeit ändern kann, ohne den Kunden darüber zu informieren. Die Klausel ist unwirksam: Kunden müssen eine angemessene Frist zum Widerspruch haben.

Nicht jeder Shop für iPod geeignet

Apples iPod ist der Marktführer unter den Musikspielern. Dateien, die bei napster und Nokia Music Store gekauft werden, laufen darauf aber nicht. Selbst bei kompatiblen MP3-Spielern ist die Nutzung umständlich: Der Kunde muss zur Übertragung der Musiktitel die hauseigene Software verwenden. Um die Songs auf anderen PCs abzuspielen, sollte auch dort die napster- oder Nokia-Software installiert sein. Sonst kann es zu Problemen mit den Nutzungsrechten kommen. Andere Anbieter haben solche Fußfesseln schon längst aufgegeben und verkaufen nur noch DRM-freie Musik (DRM siehe „Glossar“).

Hörbücher von audible haben dagegen einen DRM-Kopierschutz und laufen nicht auf allen MP3-Spielern. Sie sind aber kompatibel zum iPod und komfortabel zu bedienen: Der Hörer kann bequem von Kapitel zu Kapitel springen und sein letzter Lesestand wird automatisch gespeichert.

Music Monster schneidet mit

Außer Konkurrenz haben wir uns Music Monster angesehen, einen kostenpflichtigen Aufzeichnungsdienst für Internet-Radiostationen. Deren Sendungen lassen sich zwar auch mit Gratissoftware mitschneiden, doch bei Music Monster kann der Kunde eine Wunschliste mit Titeln zusammenstellen. Die werden auf seinem Computer mitgeschnitten, sobald sie in einer der beobachteten Radiostationen laufen. Rechtlich ist dieser Service zwar umstritten, Nutzer sind aber auf der sicheren Seite. Er kostet monatlich 8,95 Euro, bei einem halben Jahr Mindestlaufzeit.

Titel aus den aktuellen Single-Charts sind meist schon nach wenigen Stunden auf der Festplatte. Auf Ausgefalleneres wartet man Tage – oft auch vergeblich. Jazz- und Klassik-liebhaber haben fast nie Erfolg mit ihren Wunschtiteln.. Auch Fans von Charts-Musik müssen sich Alben meist Stück für Stück zusammenpuzzeln. Wegen der unübersichtlichen Suchfunktion und der miserablen Nutzerführung macht das keinen Spaß. Außerdem läuft der PC ständig und frisst also auch ständig Strom.

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