Virtuelle Plattenläden im Internet sollen illegalen Tauschbörsen die Kunden abwerben. Sie könnten mit mehr Qualität und besserem Service wuchern. Unser Test von zwölf Shops allerdings hat gezeigt: Bis dahin ist es noch ein recht weiter Weg.

Musik aus dem Internet soll salonfähig werden. Doch wer Geld im virtuellen Plattenladen ausgibt, will Mehrwert sehen und hören. test hat zwölf Anbieter untersucht und sagt Ihnen, wie Sie an die Netz-Musik kommen und ob es sich schon lohnt, Kunde zu werden.

1 Was brauche ich dafür?

Für alle Musikläden im Test ist neben einem Internetzugang und einem aktuellen Internet Explorer ein PC mit Windows-Betriebssystem nötig. Nur der iTunes-Shop von Apple lässt sich auch am Mac nutzen. iTunes, Connect, Eventim und Popfile machen für den Einkauf außerdem Zusatzsoftware zur Voraussetzung, die sie aber kostenlos zum Down­load bereitstellen. Bei allen anderen reicht eine aktuelle Version des Windows Media Player. Klar, dass der Hörgenuss auch Soundkarte und Lautsprecher voraussetzt. Wer nicht per DSL, sondern ISDN oder Modem ins Internet geht, braucht nicht nur für den Download von Zusatzsoftware, sondern auch für das Herunterladen von Titeln Geduld: So landet der Rosenstolz-Hit „Liebe ist alles“ via DSL in knapp 40 Sekunden auf der Festplatte, per ISDN dagegen erst nach rund 8 Minuten (!). Unser Tipp: Wer bei den Musikshops im Internet Dauerkunde werden möchte, sollte über eine DSL-Verbindung nachdenken.

2 Klingt die Musik gut?

Ja, ihre Qualität ist in Ordnung. Wir haben die her­untergeladenen Songs mit den jeweiligen Liedern auf CD verglichen und sie durchweg für „gut“ befunden.

3 Ist die Auswahl groß?

Verglichen mit dem Angebot großer Musikkaufhäuser wie Saturn oder Media Markt ist die Auswahl im Internet nach unserem Eindruck eher enttäuschend. Die virtuellen Plattenläden geben zwar an, 70 000 (Popfile) bis 700 000 Titel (iTunes) anzu­bieten, was wir nicht überprüfen konnten. Dafür haben wir einen Repertoiretest überwiegend im Genre Rock/Pop am Beispiel von 100 ausgewählten Titeln durchgeführt. Im besten Fall, bei Musicload, fanden wir gut 60 Prozent der gesuchten Titel, im schlechtesten Fall, bei Popfile, rund 20 Prozent. In den restlichen Shops entdeckten wir fast jeden zweiten unserer Wunschsongs. Und: Klassische Musik war durch die Bank nicht leicht zu finden.

Als Grund für das schmale Sortiment führen die Anbieter an, dass sie von der Lizenzfreigabe durch Künstler und Plattenfirmen abhängig seien. Dem Kunden dürften die Hintergründe egal sein, er will zu Recht eine möglichst große Auswahl.

Wer etwa bei Tiscali einen Titel nicht findet, hat kaum Chancen, bei MSN, MTV, Karstadt, Kontor oder Mediamarkt fündig zu werden. Denn alle sechs Anbieter arbeiten mit „On Demand Distribution“ zusammen: OD2 stellt die Songs auf seiner Plattform bereit, MSN und Co. greifen darauf zurück. Das OD2-Angebot wird vom jeweiligen Anbieter ins eigene „Umfeld“ integriert. Wer die Shops vergleicht, wird mit Ausnahme von Mediamarkt auch deutliche Ähnlichkeiten feststellen. Außer bei Mediamarkt ist OD2 auch Vertragspartner des Nutzers beim Download.

Übrigens: Bei MSN, MTV und Tiscali kann über die Website oder die Software SonicSelector gekauft werden. Wer aber den SonicSelector zum Beispiel bei Tiscali installiert hat, kann mit ihm nicht sofort auch bei MSN einkaufen. Er muss ihn erst deinstallieren und bei MSN neu installieren – ein Aufwand, der sich für die Zusatzfunktionen („Kürzlich gespielt“ oder eigene Playliste), die die Software gegenüber der Webseite hat, nicht lohnen dürfte.

4 Was kostet es?

Einzelne Titel gibt es meist ab 99 Cent, die Höchstpreise liegen zwischen 1,49 Euro und 1,99 Euro. Einheitspreise bieten iTunes, Eventim und Mediamarkt (0,99 Euro), bei allen anderen sind sie abhängig vom Titel. Neben einzelnen Songs gibt es komplette Alben wie im „normalen“ Handel zu kaufen. Sie kosten ab 7,99 Euro aufwärts.

Im Repertoirecheck haben wir die Preisspannen, die die Anbieter angeben, bestätigt gefunden. Allerdings lagen die meisten Titel kostenmäßig im mittleren Bereich – die niedrigsten Preise waren selten zu finden. Den Mindestpreis von 79 Cent, den AOL angibt, konnten wir in unserer Auswahl kein einziges Mal finden. Allerdings wurde auf der Startseite Witney Houstons „I will always love you“ (nicht in der Auswahl) zu diesem Preis angeboten.

Gut zu wissen: AOL schlägt für Nicht- AOL-Mitglieder bei jedem Kauf „Transaktionskosten“ in Höhe von 15 Prozent mit auf die Rechnung, bei Mediamarkt werden immer 10 Cent pro Einkauf fällig.

5 Kann ich damit sparen?

Nur durch akribische Vergleiche. Zum einen gibt es Unterschiede zwischen den Internet-Musikläden: So kostet das aktuelle Rosenstolz-Album „Herz“ zum Zeitpunkt des Repertoirechecks bei Eventim 11,88 Euro, bei AOL 13,99 Euro. Abbas „Gold – Greatest Hits“ gibts im Mediamarkt-Download für 7,99 Euro, bei AOL sind 7 Euro mehr zu blechen. Zum anderen aber gibt es Titel (vor allem ältere), die auf herkömmlichem Weg billiger zu haben sind. So kostet „Horowitz at the Met“ im Handel rund fünf Euro weniger als im Karstadt-Download, James Lasts „Jahrhundertmelodien“ bietet ein Berliner Musikkaufhaus gar für weniger als die Hälfte, inklusive Hülle und Booklet. Außerdem fallen die Kosten für die Internetverbindung weg. Einige Anbieter locken mit Sonderpreisen, etwa bei Vorkasse.

6 Ist das kompliziert?

Das Herunterladen der Titel hat technisch im Großen und Ganzen problemlos geklappt (siehe „So gehts“). Nur Mediamarkt und MTV kosteten aufgrund von Fehlermeldungen oder erfolglosen Ladeversuchen jede Menge Nerven. Doch noch vor dem Download sind jede Menge Hürden zu nehmen: Uns ärgerten bruchstückhafte Beschreibungen von Alben oder unkomfortable Warenkorbfunkti­o­nen. Bei MTV, Tiscali und MSN funktionierte der Warenkorb gar nicht. Zu kleine Schriften oder unübersichtliche Such-ergebnisse nehmen den Spaß am Einkauf. Auch kommen alle Anbieter bis auf iTunes und Connect mit fehlerhaften Eingaben nicht gut zurecht. Einige Seiten scheinen sich nur an Insider zu wenden. Da erfährt man nicht einmal, was es zu kaufen gibt, das Angebot wird auf der Startseite gar nicht beschrieben.

Doch wir fanden auch gute Ansätze: Zum Beispiel erleichtert es die Suche ungemein, wenn die Ergebnisse der Suche nach eingrenzenden Kriterien sortierbar sind oder sich Songlisten mehrerer Alben gleichzeitig aufklappen lassen. Auch Einführungsdurchgänge, die Neulinge durch den Shop manövrieren (AOL, Popfile, Musicload), sind hilfreich. Und in allen Läden lassen sich die meisten Songs Probe hören (30 Sekunden).

7 Wie bezahle ich die Musik?

Es gibt verschiedene Wege, zum Beispiel über Kreditkarte oder Telefonrechnung. Die größte Auswahl haben Nutzer bei Popfile und Musicload. Am schwersten macht iTunes den Einkauf: Kunden ohne Kreditkarte sind unerwünscht. So werden auch jene abgeschreckt, die Daten nicht übers Internet senden wollen.

8 Wie sicher ist das?

Die Zahlungsdaten werden SSL-verschlüsselt. Das ist gut. Weniger gut: Bei der Registrierung bietet Popfile keine Verschlüsselung an. Bei mehreren anderen ist sie nicht am Schlosssymbol im Browser erkennbar. Tipp: Gehen Sie in der Menüleiste des Internet Explorers auf Datei, Eigenschaften, und prüfen Sie, ob die Verbindung tatsächlich verschlüsselt ist.

9 Wer hilft mir bei Problemen?

In der Regel niemand. Sechsmal „mangelhaft“ in „Individuelle Hilfe“ – Telefon- und E-Mail-Service – sprechen eine deutliche Sprache. Wir bekamen nicht nur einmal auf unsere Testfragen selbstkritische Antworten wie „unsere Seite ist noch eine Baustelle“ zu hören. Nur Music­load und Popfile unterstützen ratlose Nutzer durchweg gekonnt, AOL und Eventim immerhin mit überzeugendem Telefonservice. Nicht kundenfreundlich: Viele Anbieter verzichten auf Hotlines und verweisen auf die E-Mail-Anfrage.

10 Gehört die Musik mir?

Kann ich damit machen, was ich will? Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Legale, kostenpflichtige Musikdownloads werden statt als MP3-Datei in Spezialformaten angeboten. Experten sprechen vom „Digital Rights Management“ (DRM, Verwaltung digitaler Rechte). Es soll uneingeschränkte Nutzung und illegale Weitergabe verhindern. Die meisten Anbieter im Test nutzen WMA (Windows Media Audio), ein Microsoft-Dateiformat. iTunes, Connect, Eventim und Popfile arbeiten mit Spezialformaten (siehe Tabelle). Zu den Dateien wird eine Lizenz mit heruntergeladen. Sie regelt, wie oft der Song auf Audio-CD gebrannt und auf tragbare Spieler oder Computer übertragen werden darf. Wichtig: Lizenz und Musik auf externe Speicher wie CD sichern, falls die Festplatte aussteigt.

11 Sind diese Nutzungsrechte bei allen Anbietern gleich?

Es gibt Unterschiede zwischen den Shops und von Song zu Song. Fast alle getesteten Läden erlauben, die Nutzungsrechte auf bis zu drei Computer zu übertragen, Connect und iTunes auf fünf. Ist eine Lizenz aber mal vergeben, ist sie „aufgebraucht“. Nur bei iTunes kann man sie freigeben und neu verwenden. Auf Audio-CD dürfen gekaufte Titel minimal ein- oder dreimal, maximal zehnmal oder unbegrenzt gebrannt werden.

12 Kann ich die Musik wenigstens auf allen tragbaren Abspielgeräten hören?

Nein, nur wenn sie das jeweilige Format lesen können. Die meisten Portables kommen laut Herstellern mit WMA-Dateien zurecht – zehn Musikshops ermöglichen das Überspielen auf diese Art von Geräten. Bei Popfile und Eventim muss die Datei dafür zuerst ins WMA-Format umgewandelt werden – hier klappte der Export nicht. Musik ließ sich erfolgreich nur direkt überspielen, also ohne Umwandlung – dafür kommen aber weniger Player in Frage. Lieder von iTunes und Connect können gar nur mit speziellen Geräten von Apple oder Sony gehört werden – ein äußerst schlauer Marketingschachzug. Schließlich gehört iTunes zu Apple und Connect zu Sony.

13 Was sagt der Jurist?

Er kritisiert etwa, dass Informationspflichten im Netz wie leicht erkennbare Adressen oft nicht eingehalten werden. Außerdem werden zum Beispiel unzulässige Klauseln verwendet. Hier besonders negativ: iTunes und Connect.

Fazit: Musik soll Freude schenken. Doch die Randbedingungen beim Download aus dem Internet verderben den Spaß.

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