Egal oder illegal - was ist denn nun erlaubt?

Zwei Juristen, drei Meinungen. Derzeit gilt das vor allem für Fragen rund um das Kopieren von CDs und DVDs.

Ich habe die neue CD von James Blunt gekauft. Ist es erlaubt, eine Kopie fürs Auto zu brennen?

Ja. Da diese CD nicht kopiergeschützt ist, sollte das Brennen auch klappen. Einige Kopien zum Privatgebrauch sind O. K. Kopien zu verkaufen, ist verboten.

Ich habe eine CD von Robbie ­Williams mit Kopierschutz. Darf ich sie für private Zwecke kopieren?

Nicht, wenn Sie dafür den Kopierschutz der CD mit einem Programm knacken.

Interessanterweise duldet die Musikwirtschaft aber die Umgehung des Kopierschutzes mit der kostenlosen Software iTunes der Firma Apple. Das Programm dient dazu, die Titel einer CD über den Rechner auf den MP3-Player iPod zu packen. Es liest die CD ein und wandelt die Lieder dann in Musikdateien um. Den Kopierschutz ignoriert es dabei oft.

Statt die Dateien auf den iPod zu transferieren, können Sie die Musik-Dateien auch wieder auf eine CD brennen. So haben Sie eine CD-Kopie in prima Qualität. Obwohl die Wirtschaft genau das nicht will, kooperiert sie mit Apple. In den USA gibt Sony BMG Nutzern von iTunes sogar Tipps, wie der hauseigene Kopierschutz auf CDs zu umgehen ist, wenn das Einlesen nicht funktioniert.

Meine gekaufte CD läuft wegen des Kopierschutzes im Autoradio nicht. Kann ich sie umtauschen?

Ja. Ihre CD ist dann mangelhaft. Zwar befindet sich auf der Rückseite ein Hinweis, wenn die CD geschützt ist. Aber dieser ist in aller Regel viel zu klein und deshalb nicht deutlich genug.

Ich leihe in einer Videothek eine DVD aus. Darf ich sie kopieren?

Ja. Auch wenn Sie nicht Eigentümer einer DVD sind, dürfen Sie eine Kopie für private Zwecke machen, solange Sie keinen Kopierschutz umgehen. Hat die DVD einen Kopierschutz, bleibt Ihnen nur der Weg, eine zulässige „analoge“ Kopie der DVD zu erstellen. Das geht im Prinzip wie früher mit Kassettendeck oder Tonbandgerät. Sie schließen etwa ihren DVD-Spieler an den Rechner mit TV-Karte an und nehmen den Film dann mit einem Aufnahmeprogramm wie Videojack auf. Die entstandene Datei dürfen Sie auf einen DVD-Rohling brennen.

Bei Musik-CDs, die sich nicht mittels iTunes brennen lassen, hilft möglicherweise das Programm unCDcopy auf der Internetseite www.heise.de/ct/cd-register, um eine analoge Kopie zu erstellen.

Darf ich eine Sicherungskopie von Computerprogrammen machen?

Ja. Sie müssen aber das Original besitzen. Anders als bei legal hergestellten Kopien von Musik und Filmen dürfen Sie die kopierte CD aber nicht an andere verschenken und schon gar nicht verkaufen.

Darf ich CDs oder DVDs, die ich selbst gekauft habe, verkaufen?

Ja. Bei Musik- und Filmdatenträgern dürfen Sie sogar eine legale Kopie behalten. Verkaufen Sie Computer-Software, dürfen Sie aber keine Kopie behalten.

Ist das Anbieten und Herunterladen von Musik oder Filmen in einer Tauschbörse erlaubt?

Das Anbieten von fremder Musik in Tauschbörsen ist verboten. Sie haben kein Recht, den Inhalt einem Millionenpublikum zur Verfügung zu stellen. Auch nicht, wenn Sie die CD gekauft haben.

Beim Herunterladen ist die Frage sehr umstritten. Deshalb beschränken sich die Anwälte der Wirtschaft bisher darauf, die Anbieter zu belangen.

Wer denkt: Ich lade ja nur Musik oder Filme herunter, biete aber nichts selbst an, der irrt. Tauschbörsen funktionieren nach dem „Ich-nehme-und gebe-sofort-wieder“-Prinzip. Was Sie heruntergeladen haben, bieten Sie stets auch wieder anderen Nutzern an. Nicht bei allen Börsen können Sie das „Anbieten“ ausschließen. Im Zweifel sollten Sie deshalb keine Tauschbörsen nutzen.

Was passiert mir, wenn meine Kinder Tauschbörsen illegal nutzen?

Möglicherweise müssen Sie Anwaltskosten und Schadenersatz zahlen. Die Industrie vertritt die Ansicht, dass Sie dafür haften, wenn über Ihren Internetanschluss Rechte verletzt werden. Danach kann es auch Anschlussinhaber in Haus- oder Wohngemeinschaften treffen, wenn mehrere Personen auf den ­Internetanschluss Zugriff haben. Ein höchstrichterliches Urteil zu dieser Frage gibt es noch nicht.

Droht meinen Kindern Strafe und Schadenersatz?

Kinder, die noch keine 14 Jahre alt sind, müssen keine Strafe fürchten. Im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ist jedoch ­eine Jugendstrafe möglich. Aber meist werden wie bei ­Erwachsenen die Ver­fahren eingestellt.

Denkbar ist, dass schon Kinder ab 7 ­Jahren Schadenersatz zahlen müssen, wenn sie eine Tauschbörse illegal genutzt haben. Das gilt aber nur, wenn sie bereits begreifen konnten, dass sie Unrechtes tun. Es hängt also von der Cleverness ­Ihrer Kinder ab.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1016 Nutzer finden das hilfreich.