Musik Streaming Ein Außenseiter schlägt Spotify und Co.

Die Auswahl an Songs ist enorm, der Klang super. Der beste Streaming­dienst heißt Juke. Er lässt Spotify und andere Größen hinter sich.

Musik Streaming Testergebnisse für 11 Musik­streaming­dienste 09/2016

Inhalt

Ganz gleich, ob der erste Gedanke lautet: „Ich bin morgens immer müde“, der Weg zur Arbeit an den „Highway to hell“ erinnert, der Chef „Nur noch kurz die Welt retten“ will oder der Feier­abend „It‘s oh so quiet“ vor sich hin plätschert. Für jede Stimmung steht der passende Song zur Verfügung: Soll es die Playlist für Festivalro­cker sein, der neueste Hit von Beyoncé oder doch lieber Bachs Gold­berg-Varia­tionen, interpretiert von Glenn Gould?

Auf bis zu 40 Millionen Titel können Musikfans bei Streaming­diensten uneinge­schränkt zugreifen, immer und über­all. Voraus­gesetzt, sie sind online, besitzen Smartphone oder Computer und zahlen monatlich bis zu 10 Euro. Dann können sie Audio­daten ihrer Wahl aus dem Internet über­tragen und abspielen – streamen.

Am besten klappt das mit Juke. Er ist Sieger im Test von elf Musik­streaming­diensten. Mit einer Ausnahme punkten alle mit ihrem riesigen Repertoire. Die Klangqualität ist bei allen ohne Fehl und Tadel. Amazon, Apple und Spotify benach­teiligen Kunden sehr deutlich in ihren AGB und Daten­schutz­erklärungen. Qobuz ist unsicher: Sowohl bei der iOS- und Android-App als auch am PC über­trägt der Dienst Nutzer­namen und Pass­wort unver­schlüsselt.

Im Video: Vergleich Daten­verbrauch unterwegs

Songs im Monats­abo

Statt Alben oder Singles zu kaufen, mietet der Nutzer beim Streaming­dienst den Zugang auf eine riesige Musikbiblio­thek. Vorteil: Die Stücke stehen auf Smartphone oder PC immer zur Verfügung. Samm­lungen von Musikdateien gehören der Vergangenheit an, voll­gestaubte CDs ebenso. Nachteil: Zahlt der Kunde nicht mehr, ist alles weg. Wer seine Lieblings­platten besitzt und sie immer wieder hört, kann sich Streaming sparen.

Lücken bei Amazon Prime Music

Trotz des großen Repertoires kann es sein, dass nicht jedes Lieblings­lied dabei ist. Immer wieder sperren sich Künstler gegen­über dem Streaming (Künstlerbezahlung). Wir haben die Auswahl in den Genres Pop, Rock, Hip-Hop, Dance, Klassik und Jazz sowie den Charts anhand von 700 Alben über­prüft – und waren mit der Trefferquote insgesamt zufrieden.

Bei den Charts landet Testsieger Juke gemein­sam mit Apple Music und Microsoft Groove vorn. Enttäuschend sind die großen Lücken bei Amazon Prime Music – vor allem bei aktuellen Hits, Klassik und Dance. Laut eigener Aussage bietet Amazon Prime etwa eine Million Songs an, deutlich weniger als die anderen. Der Dienst ist allerdings güns­tiger und weitere Angebote wie Video­streaming, Premium­versand oder E-Book-Verleih sind bereits inklusive.

Musik Streaming Testergebnisse für 11 Musik­streaming­dienste 09/2016

Klang auf CD-Niveau

Wie gut Streaming klingt, haben wir in der nied­rigsten und höchsten Qualitäts­stufe des jeweiligen Dienstes ausprobiert und mit dem Klang von CD verglichen. Die Musik­streaming­dienste können absolut mithalten. Selbst auf nied­rigster Stufe klingen alle mindestens gut. Die Unterschiede zur CD dürften für die meisten Nutzer kaum hörbar sein. Erst recht nicht, wenn die Musik in der U-Bahn aus Kopf­hörern schallt.

Deezer, Tidal und Qobuz bieten Tarife an, bei denen Kunden gegen Aufpreis eine noch bessere Klangqualität bekommen sollen. Im Labor konnten wir messen, dass der Frequenz­bereich tatsäch­lich größer ist, die Hörqualität verbesserte sich aber nicht. Die Mehr­ausgabe können sich Musikfans also sparen.

Kostenlos ausprobieren

Jeder Dienst bietet eine kostenlose Test­phase – meist 30 Tage, bei Qobuz nur 15 Tage, bei Apple Music drei Monate. Der Nutzer kann so ausprobieren, welches Bedien­konzept ihm am besten gefällt. Große Probleme konnten wir bei der Bedienung nicht fest­stellen. Einzig Microsoft Groove ist etwas umständlich, auch wegen unüber­sicht­lich dargestellter Sucher­gebnisse.

Amazon, Apple, Spotify mit Mängeln

Ärgerlich: Amazon Prime, Apple Music und Spotify benach­teiligen Kunden sowohl in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen als auch in den Daten­schutz­erklärungen. Die Dokumente sind schwer verständlich oder enthalten Klauseln, die vor deutschen Gerichten keine Gültig­keit haben. So behält sich Spotify vor, dem Nutzer jeder­zeit zu kündigen oder den Zugang zu sperren – ohne Angabe konkreter Gründe, die dazu führen können. Apple will Stand­ortdaten des Nutzers erheben und sie auch an Dritte weitergeben, ohne dass er einge­willigt hat.

Kunden, die sich nicht verunsichern lassen wollen, wählen Testsieger Juke. Bei ihm fanden wir wie bei Aldi life Musik nur sehr geringe Mängel im Klein­gedruckten. So steht dem Musikgenuss nichts im Wege.

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26 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

otm am 05.01.2020 um 11:20 Uhr
Test des Repertoires

@ Kipfix: Abgesehen davon, dass der Test schon Jahre zurückliegt, kann man unter "So haben wir gestestet" eine Liste der 700 geprüften Alben einsehen, darunter finden sich auch 100 Titel aus dem Bereich Klassik.

Kipfix am 28.12.2019 um 15:16 Uhr
Klassische Musik

Der Test hat offenbar nur Populäre Musik einbezogen, aber wenn man sich auch für klassische interessiert, schaut das Ergebnis sehr anders aus. Selbst der teure Tidal ist da mäßig sortiert, Deezer und Juke auch, wogegen Apple Music wesentlich besser bestückt ist.

GuessWhat am 24.06.2018 um 21:03 Uhr
Meine Erfahrungen 1

Meine persönliche Erfahrungen:
Amazon Music Unlimited: Für Prime - Kunden das günstigste Angebot auf dem Markt. Die App ist eine Ansammlung von Bugs und geradezu eine Beleidigung für den Nutzer. Die Bedienungsfreundlichkeit ist stark verbesserungswürdig. Folgen von Künstlern nicht möglich. Musikhören mit hoher Qualität (256 kBit/s) sehr gut möglich. Gut: Automatische Playlist mit zeitlicher Sortierung der hinzugefügten Musik. Lyrics-Darstellung funktioniert zuverlässig. Sehr guter Support.
Spotify: App hat nur sehr wenige Bugs, insbesondere im Vergleich mit Amazon. Mehrpreis von ca. €2 gegenüber Amazon mit Prime. Hohe Soundqualität (320 kBit/s). Sehr einfaches Umschalten zwischen Abspielgeräten. Bedienungsfreundlichere App, aber ebenso noch stark verbesserungswürdig. Schlechter Support (nur Forum & Twitter), der oft weniger weiß als der Nutzer selbst. Lyrics-Darstellung nicht auf vielen Tablets und auf FireTV (Smartphone klappt), was für mich ein NoGo ist. Folgen von Künstlern möglic

GuessWhat am 24.06.2018 um 13:14 Uhr
Meine Erfahrungen 2

Deezer:
App für Android und Fire OS praktisch bugfrei. Die App für Fire OS verhindert nicht den Standby und ist deshalb praktisch nutz- und sinnlos. Sehr schlecht! Hier muss man ggf. durch technische Kniffe (z. B. Wake Lock über Sideloading) nachhelfen. Lyrics-Darstellung sehr gelungen und funktioniert auch tatsächlich. Flow-Funktion (Empfehlungen aufgrund der gehörten Titel) sehr treffsicher und gut umgesetzt. Bedienungsfreundlichkeit und -logik am besten von allen drei Anbietern (Spotify, Amazon und Deezer). Schlecht: Keine Verknüpfung mehrerer Geräte (Abspielen auf einem Gerät beginnen und auf einem anderen fortsetzen). Technisch die schlechteste App aller drei Anbieter. Support mittel bis gut, aber deutlich besser als Spotify. Ebenfalls €2 teurer als Amazon (mit Prime). 320 kBit/s und damit sehr gute Soundqualität.
Fazit für mich:
Der persönliche Geschmack entscheidet. Amazon leider extrem buggy. Für mich ist Deezer die beste Wahl.

GuessWhat am 23.06.2018 um 16:59 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.