Bunte Mischung. 20 verschiedene Mund­spülungen in Testbechern.

Sie können die Zahnbürste nicht ersetzen, aber 12 der 20 Spülungen im Test können sie gut ergänzen.

Rot, grün, blau, farblos oder milchig-weiß – abge­füllt in winzige Becher wird aus Mund­spüllösungen ein Hingu­cker. Was aber können die bunten Wässerchen? Wer mit ihnen gewissenhaft spült, beuge Karies, Zahnbelag und entzündetem Zahn­fleisch vor, werben die Anbieter. Unsere Experten bestätigen: Wem es schwerfällt, die Zahn­zwischenräume zu reinigen, sollte die Produkte für die tägliche Zahn­pflege nutzen.

Eine gute Mund­spüllösung leistet deutlich mehr als Mund­wässer und Mund­sprays, die vor allem den Atem erfrischen. Die Stiftung Warentest hat 20 keimreduzierende Spülungen untersucht, darunter drei Produkte, die speziell für Kinder angeboten werden.

Unser Rat

Mund­spüllösungen sind sinn­voll für Menschen, die mit Bürste, Paste und Zahnseide kein perfektes Reinigungs­ergebnis erzielen. Auf 12 der Produkte im Test ist Verlass, sie beugen Karies, Zahnbelag und Zahn­fleisch­entzündungen vor. Der Testsieger wird nicht mehr mit der von uns geprüften Rezeptur verkauft. Beste noch erhältliche Lösung für Erwachsene ist Today Dent von Penny/Rewe für 15 Cent pro 100 Milliliter. Kinder sind mit Perlodent von Ross­mann für 19 Cent pro 100 Milliliter gut versorgt.

Zwei Güns­tige an der Spitze

Die Mehr­heit der Mund­spüllösungen im Test schneidet gut ab. Zwei der besten sind leider nicht mehr mit derselben Rezeptur erhältlich, wie wir sie geprüft haben: Sieger Dontod­ent von dm und Dentalux von Lidl sind inzwischen anders zusammengesetzt.

Sieben gute Mund­spüllösungen für Erwachsene und eine für Kinder werden weiterhin mit unver­änderter Rezeptur verkauft. Die beste für Erwachsene ist zugleich eine der güns­tigsten: Today Dent von Penny und Rewe für 15 Cent pro 100 Milliliter. Lösungen für Kinder schme­cken meist milder und enthalten weniger Fluorid – Spitzenreiter ist Perlodent von Ross­mann. Mit 19 Cent pro 100 Milliliter ist er auch beim Preis unter den Kinder­produkten spitze.

Tipp: Mund­spüllösungen dürfen vor der Anwendung nicht verdünnt werden. Die Anbieter empfehlen meist, mit 10 bis 20 Milli­litern im Mund etwa 30 Sekunden lang gut die Zähne zu umspülen.

Fünf versprechen zu viel

Am Ende der Tabelle stehen fünf mangelhafte Produkte, vier davon für Erwachsene: Neben der preisgüns­tigen Mund­spüllösung Friscodent von Aldi Süd raten wir von drei der teuersten im Test ab – von Biorepair, Karex und Zendium. Sie schlagen mit bis zu 1,60 Euro pro 100 Milliliter zu Buche. Friscodent von Aldi Süd sowie Zendium schützen entgegen den Werbeaussagen nicht ausreichend vor Plaque, also Zahnbelag, beziehungs­weise vor Zahn­fleisch­entzündung – Mediziner sprechen von Gingivitis. „Sie enthalten keine Stoffe, für deren Wirkung uns ausreichende Belege vorliegen“, sagt Testleiter Thomas Kopp­mann. Das gilt auch für die mangelhafte Kinder-Mund­spüllösung Dontod­ent von dm. Biorepair und Karex versagen dagegen beim Karies­schutz. In beiden fehlt Fluorid.

Dass Fluorid Karies vorbeugt, ist klar belegt: Es mineralisiert die Zahn­oberfläche und macht sie so widerstands­fähiger gegen Säuren. Karex und Biorepair enthalten statt­dessen unter anderem Hydroxylapatit. Der Stoff soll sich mit der Zahn­oberfläche verbinden und den Zahn­schmelz nach­ahmen. Wir baten beide Anbieter um wissenschaftliche Belege dafür, dass die von ihnen genutzten Wirk­stoffe ähnlich effektiv wie Fluorid vor Karies schützen. Entsprechende Studien­ergeb­nisse erhielten wir nicht.

Neue Studie zu Fluorid

Fluorid in Zahn­pfle­gepro­dukten ist immer wieder Auslöser von Diskussionen. Kritiker führen Gesund­heits­risiken ins Feld, etwa dass Fluorid Krebs auslösen könne. Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand ist das nicht der Fall. Zuletzt sorgte eine große Studie aus Nord­amerika für Schlagzeilen: Das National Health Institute der USA hatte gemein­sam mit verschiedenen Gesund­heits- und Umwelt­behörden sowie Universitäten an schwangeren Frauen in Mexiko unter anderem untersucht, welchen Einfluss die Fluorid­aufnahme auf ihre noch ungeborenen Kinder hat. Das Ergebnis: Offen­bar kann eine deutlich erhöhte Aufnahme in der Schwangerschaft die Intelligenz des Kindes lang­fristig mindern. Die Studie lief über 15 Jahre. Der Zahnmediziner Professor Stefan Zimmer, Leiter des Depart­ments für Zahn-, Mund- und Kieferheil­kunde der Universität Witten/Herdecke, hält sie für „sehr sorgfältig gemacht“.

Für Deutsch­land liefere das Studien­ergebnis dennoch keinen Grund zur Sorge, sagt er. Die Gegebenheiten in Mexiko unterschieden sich stark von unseren: Die Mexikaner würden deutlich größere Mengen Fluorid aus verschiedenen Quellen aufnehmen. Zimmer sagt, er gehe davon aus, „dass hier­zulande kein Zusammen­hang zwischen der systemischen Fluorid­aufnahme bei Schwangeren und dem Intelligenzquotienten der Kinder besteht“. Dazu kommt: Da lokal angewandte, fluoridhaltige Produkte wie Zahnpasta oder Mund­spüllösungen wieder ausgespuckt werden, spielen sie für die Gesamt­aufnahme von Fluorid ohnehin so gut wie keine Rolle.

17 Flaschen ohne Kinder­sicherung

Auch die Verpackungen haben wir unter die Lupe genommen. Weil die bunten Lösungen und ihr mal minziger, mal süßer Geruch gerade bei Kindern die Neugier wecken, haben wir geprüft, ob die Flaschen­verschlüsse besonders gesichert sind. Die meisten Lösungen enthalten zwar keinen Alkohol, verschlu­cken sollte man sie trotzdem nicht. Punkt­abzüge gaben wir 17 Produkten, die keine ausreichende Kinder­sicherung haben und sich ohne Weiteres aufdrehen lassen.*

Tipp: Kinder sollten fluoridhaltige Mund­spülungen erst verwenden, wenn sie sie zuver­lässig wieder ausspucken – das ist mit etwa sechs Jahren der Fall.

Kinder und Jugend­liche nehmen meist schon mit der Nahrung die von der Europäischen Behörde für Lebens­mittel­sicherheit empfohlene Höchst­menge an Zink auf. Zinkhaltige Mund­spülungen sollten sie daher nicht noch zusätzlich verwenden. Wir erwarten einen entsprechenden Hinweis auf der Packung, sonst ziehen wir Punkte ab. Im Test war das fünf­mal der Fall.

Minzig, frisch, manchmal sehr süß

Mund­spüllösungen dienen der Zahn­gesundheit – wichtig ist für ihre Nutzer aber auch, wie sie schme­cken. Fünf Mitarbeiter der Stiftung Warentest haben probiert: Frisch und minzig schmeckten viele, wirk­lich scharf die wenigsten, so ihre Einschät­zungen. Da jeder Verbraucher individuelle Vorlieben hat, haben wir die Verkostung nicht gewertet.

Tipp: Im Drogeriemarkt finden Sie oft Probierfläsch­chen mit Mund­spüllösungen. Gebündeltes Wissen zur Zahn­pflege. Was perfekt gepflegte Zähne brauchen, lesen Sie auf unserer Themenseite Zahnpflege.

* Absatz korrigiert am 9. Februar 2018.

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