Tragbare MP3-Player speichern komplette CD-Sammlungen. Kein Wunder, dass sie so beliebt sind. Doch der Akkuwechsel kann über 100 Euro kosten.

Der Herr auf dem Foto zweifelt noch. Vermutlich hat er gerade entdeckt, dass der Apple-MP3-Spieler vor seiner Nase zwar schick aussieht, aber kein Display hat. Seine Zweifel dürften größer werden, wenn er hört, dass der iPod shuffle zum Laden seines Akkus im Schnitt 6,5 Stunden braucht. Das Gefühl könnte sich in Ärger verwandeln, wenn dem Herrn die Ähnlichkeit des shuffle mit einem Einweg-Feuerzeug bewusst wird.

Wie ein Wegwerf-Feuerzeug

Billige Feuerzeuge wirft man weg, wenn das Gas verbraucht ist. Den shuffle vermutlich auch: Wenn die Energiezellen des Akkus nach etwa 400 Lade-Entlade-Zyklen schwächer werden, kann der Nutzer sie nicht wechseln. Austauschen kann, laut Apple, nur Apple. Doch dieser „Service“ für iPod-Akkus kostet über 100 Euro. Zu diesem Preis gibt es im Geschäft einen neuen shuffle. Mit Blick auf die Kosten bedeutet das: Die Firma mit dem Apfel-Logo, Marktführer bei MP3-Playern, verkauft für 100 Euro einen Einweg-Spieler.

Ein kostspieliger Trend

Wie sich im Test zeigte, ist der iPod shuffle das extremste Beispiel eines für den Verbraucher kostspieligen Trends. Auch bei vielen anderen MP3-Spielern kann der Akku nur vom Hersteller gewechselt werden – aber nicht immer für so viel Geld wie bei Apple. Sony verlangt 80 Euro, Packard Bell 59 Euro, Thomson immerhin noch 35 Euro (siehe Tabelle „Technische Merkmale“). In diesem Punkt empfehlenswert ist der kleine Creative Muvo, Konkurrent in der Shuffle-Klasse. Er verwendet handelsübliche Micro-Batterien (AAA). Sie zu wechseln, dauert nur Sekunden. Akkus in der gleichen Größe gibt es inklusive Ladegerät ab etwa 10 Euro. Ersparnis im Vergleich zum shuffle: 90 Euro.

Einsatzzweck bedenken

Wer den passenden Multimedia- oder MP3-Spieler finden will, sollte sich neben den Folgekosten auch über den Einsatzzweck Gedanken machen. Die meisten wollen unterwegs vor allem Musik hören und kaufen sich ein solches Gerät als modernes Pendant zu tragbaren CD- oder Kassettenspielern. Doch die Unterschiede sind groß. Die leichtesten Modelle im Test wiegen nur so viel wie zwei Riegel Schokolade. Die schwersten bringen mit Zubehör fast ein Pfund auf die Waage und können neben Musik auch Videos abspielen. Die unterschiedlichen technischen Leistungen teilen das Testfeld in zwei Hauptgruppen: Modelle mit „festem“ Speicher, die ihre Daten auf einem internen Speicherchip („Flash“) ablegen, sowie Modelle mit Festplatte.

Leichtgewichte für 10 CDs

Wer gern joggt oder unterwegs möglichst wenig Ballast mit sich herumtragen will, sollte sich für einen der geprüften Spieler ohne Festplatte entscheiden. In diesen Geräten gibt es keine beweglichen Teile, dadurch vertragen sie auch härtere Erschütterungen meist klaglos. Sie sind klein, leicht und haben nur wenige Bedienknöpfe. Auf den winzigen Displays ist kaum Platz für Informationen über die abgespielten Titel oder die gerade genutzten Funktionen.

Flashspeicher hatten bislang den Nachteil, nur wenig Daten aufnehmen zu können. Doch das ändert sich. Modelle mit Festspeicher bieten derzeit zum Preis von etwa 100 Euro 512 Megabyte Speicherplatz: Platz genug für rund zehn Musik-CDs in brauchbarer Aufnahmequalität. Die Preise sinken. Bald wird es für 100 Euro bereits Player mit doppelt so großem Festspeicher geben (1 024 Megabyte beziehungsweise 1 Gigabyte).

Festplatten-Riesen für 100 CDs

Wer selten joggt, dafür aber Wert auf eine große Musikauswahl legt, sollte sich einen Spieler mit Festplatte zulegen. Ihre leichtesten Vertreter wiegen nur etwa 100 Gramm und fassen 5 Gigabyte – genug für bis zu 100 CDs. Diese Modelle sind nicht viel größer als vier oder fünf nebeneinander liegende Zigaretten.

Gute Ergebnisse bei den reinen Musikspielern mit 5-Gigabyte-Festplatte erzielte der Creative Zen Micro (201 Euro). Wer nicht nur Musik hören, sondern auch Fotos ansehen will, dem empfiehlt sich der iRiver H10. Für 274 Euro erhält der Käufer einen 98 Gramm leichten Player mit brauchbarem Farbdisplay und der einfachsten Handhabung im Test.

Meist etwa 50 Gramm schwerer als ihre „kleinen“ Brüder sind Modelle mit 20- oder 30-Gigabyte-Festplatten. Geräte wie der iPod photo von Apple (365 Euro, 164 Gramm) speichern 600 CDs oder etwa 7 500 Fotos in guter Auflösung.

Schwere Alleskönner

Aus der „Sumo-Klasse“ der MP3-Spieler wurden vier Modelle geprüft. Sie sind recht vielseitig und können neben Musik- und Fotodateien auch Videos abspielen. Die geprüften Modelle von Pontis oder Mustek können auch direkt vom Fernseher aufnehmen und somit als tragbare Videorekorder dienen. Doch mit 300 bis 400 Gramm Gewicht sind diese mobilen Mediacenter oft zu schwer für das Tagesgepäck in Handtasche oder Rucksack. Auf längeren Reisen können sie aber sehr nützlich sein. So passen nicht nur Musik, sondern auch alle Hörspiele der Kinder auf die Festplatte. Und sogar eine aus dem Fernsehen aufgenommene Folge der „Schlümpfe“ oder „SpongeBob Schwammkopf “ fänden noch Platz.

Ebenfalls praktisch im Urlaub: Viele „Sumos“ lesen auch Speicherkarten ein. Wenn die Speicherkarte der Digitalkamera voll ist, können die Fotos auf die Festplatte des Multimedia-Players kopiert werden (siehe auch Speicherkarten und -stationen).

Musik von CD überspielen

Normalerweise werden Musik oder Hörspiele über den Computer in MP3-Spieler geladen. Doch es gibt noch einen anderen Weg. Modelle mit „Line“-Eingang nehmen direkt von der Stereoanlage auf. Auf diese Weise lassen sich Hörspielkassetten schnell und einfach in das MP3-Format umkopieren. Die Tonqualität ist nicht berauschend, dürfte aber für den Urlaub genügen. Immerhin sechs Modelle aus dem aktuellen Testfeld haben die notwendigen Anschlüsse und Kabel, darunter auch Geräte ohne Festplatte wie der Creative Muvo (siehe „Technische Merkmale“). Der Anschluss erfolgt in einigen Fällen über ein Adapterkabel für den Kopfhörerausgang.

Auch zu Hause im Einsatz

Viele Anwender haben ihre ganze CD-Sammlung oder auch Musikkassetten ins MP3-Format umgewandelt. Die Daten liegen dann jederzeit abrufbereit in nur 150 Gramm leichten Geräten.

Manch ein Nutzer schließt seine tragbare Musikdatenbank einfach an die Stereoanlage an und hört auch zu Hause nur noch „von Festplatte“. Womit wir wieder beim Thema Akku sind. Selbst bei guter Behandlung sind die Akkus bei täglicher Nutzung nach zwei bis drei Jahren verbraucht. Wohl dem, der schon beim Kauf seines Spielers an die Folgekosten gedacht hat.

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