Multimedia-Server von Aldi Schnelltest

Als Weltneuheit preist Aldi das Gerät an. Hauslieferant Medion hat die silbrig glänzende Kiste auf den klangvollen Namen Digitainer getauft. Kostenpunkt: 599 Euro. Die korrekte Bezeichnung lautet Multimedia-Server. Am ehesten ist das Gerät mit Video-Festplattenrekordern vergleichbar. Doch der Digitainer kann mehr: Er speichert Fotodateien ab und zeigt sie an, kann Musik aufnehmen, Audio-CDs in MP3-Dateien verwandeln und CDs und DVDs brennen. Voraussetzung für Video-Vergnügen und Musik-Genuss: ein Fernseher oder Computer-Bildschirm und am besten auch entweder Aktiv-Lautsprecher oder Stereo- oder Surroundanlage. Der Schnelltest klärt, wie es aussieht und klingt, wenn der Digitainer im Einsatz ist.

Computertechnik im Wohnzimmerdesign

Aldi preist den Digitainer vollmundig als Weltneuheit an. Das ist schlicht falsch: Das Fujitsu-Siemens Activy Media Center gibts bereits seit fast einem Jahr und sogar schon in verschiedenen Varianten. Im Sonderangebot sind Multimedia-Server von Fujitsu-Siemens zuweilen schon für Preise unter 500 Euro zu finden. Nachteil gegenüber dem Digitainer: Die Festplatte ist kleiner. Allen Geräten gemeinsam: Sie sehen aus wie Wohnzimmergeräte, sind im Kern allerdings simple PCs der Einsteigerklasse. Im Digitainer von Medion steckt eine Hauptplatine mit Intelprozessor, eine TV-Karte und ein Standard-Soundchip, wie er in zahllosen anderen PCs auch für Bild und Ton sorgen.

Kein Weg ins Internet

Schon bei Durchsicht der technischen Daten fällt auf: Der Digitainer ist auffällig wenig digital. Er versteht ausschließlich analoge Fernsehsignale. DVB-T und digitales Satellitenfernsehen funktionieren nur mit Extra-Geräten. Auch zu den Musikläden und Tauschbörsen im Internet führt kein Weg. Einen Netzwerk- oder Modemanschluss gibts nicht. Wer Daten aus dem Internet abspielen will, braucht noch einen Extra-Computer zum Surfen. Und ein digitaler DVI-Anschluss, mit dem moderne Flachbildschirme die bestmögliche Bildqualität liefern, fehlt ebenfalls. An Bord ist nur ein analoger VGA-Anschluss. Der für HDTV erforderliche HDMI-Anschluss fehlt sowieso. Bei einem vollwertigen Computer ließe sich all das zumindest nachrüsten. Nicht so beim Digitainer: Der Einbau zusätzlicher Steckkarten oder die Installation weiterer Software ist nicht vorgesehen. Ebenfalls ärgerlich: Der Digitainer hat zwar Antenneneingänge, aber keinen Ausgang. Die Folge: Entweder der Digitainer oder der Fernseher hängen am Antennenkabel. Beide gleichzeitig lassen sich nicht ohne weiteres anschließen. Das heißt dann auch: Während der Digitainer aufnimmt, ist sonst nichts zu sehen.

Vernehmliches Brummen

Typisch Computertechnik dagegen: Beim ersten Anschalten vergehen fast zwei Minuten, bis der Digitainer soweit ist. In der Wartezeit ist Gelegenheit, sich ans deutlich vernehmbare Brummen der beiden Ventilatoren zur Kühlung von Netzteil und Prozessor zu gewöhnen. Immerhin: Der Digitainer ist längst nicht so laut wie aktuelle Hochleistungs-PC. Schon bei Fernsehton oder Musik in Zimmerlautstärke ist vom Lüfterrauschen nichts mehr zu hören. Geduld ist auch für die Grundeinstellungen nötig. Die Bedienung ist eigentlich gut durchschaubar und klar strukturiert. Allein der automatische Sendersuchlauf braucht jedoch fast fünf Minuten. Dabei ordnet der Digitainer die verschiedenen Programme stumpf nach der Abfolge der Frequenzen. Sinnvolles Sortieren erfordert Handarbeit. Erschwert wird das Aufräumen durch zuweilen fehlende Senderkennungen. Bei manchem Suchlauf übernimmt der Digitainer alle Kennungen, oft genug jedoch fehlen sie für einzelne Sender.

Hänger und Wartezeiten

Im Schnelltest leistete sich der Digitainer eine ganze Reihe Hänger. Der Verdacht der test-Ingenieure: Die Software ist noch nicht ausgereift. Manche mit anderen Geräten gebrannte DVD läuft nicht. Ebenfalls ärgerlich: Der Digitainer reagiert ziemlich träge und mit erheblicher Verzögerung auf Fernbedienungs-Befehle. Als Festplattenrekorder funktioniert der Digitainer abgesehen von seinen generellen Schwächen soweit einwandfrei. Die Bildqualität ist allerdings bescheiden. Die meisten DVD-Rekorder liefern bessere Bilder. In der Stufe „best“ können sich die Aufnahmen immerhin noch halbwegs sehen lassen, bei „better“ und „normal“ leidet Schärfe erheblich und nerven eingefrorene Bilder und Ruckler.

Schwächen bei der Bedienung

Auch bei der Bedienung haperts. Der elektronische Programmführer EPG ist zwar an Bord, doch Daten dafür liefern nur einzelne Fernsehsender. Programmierung von Aufnahmen per VPS oder ShowView ist nicht drin. Wenn die Uhr des Digitainers falsch geht oder eine Sendung später beginnt als geplant, kann das Ende verloren gehen. Besonders ärgerlich: Es gibt keine Möglichkeit, das versehentlich mit aufgenommene Ende der vorhergehenden Sendung oder die Werbeblöcke nachträglich zu entfernen.

Stromverbrauch wie ein Großer

Beim Stromverbrauch gibt sich der Digitainer dann wieder ganz wie ein vollwertiger Computer. Selbst beim simplen Abspielen einer CD oder DVD saugt er rund 50 Watt aus der Steckdose. Hinzu kommt: Mit dem Digitainer allein ist es nicht getan. Für die Bedienung muss noch ein Fernseher oder Bildschirm angeschlossen sein. Abspielen einer CD von vorne bis hinten geht noch nur mit Fernbedienung, doch wenns komplizierter wird, lässt sich ohne die Bildschirmmenüs nichts mehr regeln. Noch zu beachten: Sound bekommt der Digitainer - genau wie Video- und DVD-Rekorder auch - allein nicht hin. Wenn kein Fernseher im Einsatz ist, müssen entweder Aktiv-Boxen oder eine Stereo- oder Surroundanlage her, damit was zu hören ist.

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