Multi-Media-Handys Meldung

Sony Ericsson K750i

Es hört sich verlockend an, was T-Mobile über das „Supermodel“ Sony Ericsson D750i - eine Designvariante des K750i - schreibt: „Die perfekte Symbiose von Handy, Kamera und MP3-Player“. Das ist nur ein Beispiel für solche Werbesprüche. Mobilfunkanbieter und Handy-Hersteller vermitteln häufig ihren Kunden, dass Multi-Media-Handys den MP3-Player und die Digitalkamera ersetzen. Schön wärs! Mit All-in-one-Geräten gewinnen Kunden zwar mehr Platz in ihrer Hosentasche, dafür verlieren sie aber Qualität in Sachen Bild und Ton. Stiftung Warentest sagt, warum.

Wenige Vorteile

Eine Digitalkamera und einen MP3-Player im Handy zu haben, hat zunächst gewisse Vorteile:

  • Gewicht. Musik-Handys mit Fotofunktion sind leichter als ein Handy, ein MP3-Player und eine Digitalkamera zusammen. Beispiel: Das Sony Ericsson K750i wiegt etwa 101 Gramm. Die meisten Digitalkameras haben deutlich mehr Gewicht.
  • Größe. Ein Handy ist immer handlicher und kleiner als drei einzelne Geräte. MP3-Player sind zwar manchmal nur noch so groß wie eine Streichholzschachtel. Doch selbst zusammen mit Digitalkameras in Zigarettenschachtelformat, nehmen drei Geräte mehr als doppelt so viel Platz ein wie ein einziges Handy.
  • Display. Im Zuge der Multi-Medialisierung der Handys haben die Hersteller den Geräten größere Displays verpasst. Bei MP3-Playern mit fest eingebautem Chip gehts in die andere Richtung: Kleinere Displays, weil die Gerätemaße immer mehr schrumpfen. Das Handy-Display ist im Vergleich zu vielen MP3-Playern mit Flashspeicher leichter abzulesen.

Viele Nachteile

  • Preis. Gute MP3-Handys wie das Sony Ericsson K750i kosten über 400 Euro. Mit Handyvertrag gibt es das K750i derzeit für etwa 80 Euro. Solche Handys sind vermutlich von den Anbietern stärker subventioniert als „normale“ Mobilfunktelefone. Kunden müssen also in der Regel kaum etwas drauflegen, um die Musik- oder Bildfunktion dazu zu bekommen. Beim Kauf von guten Einzelkomponenten in der Einstiegsklasse müssen Kunden allerdings auch nicht mehr hinblättern als 400 Euro: ein MP3-Player mit 1 Gigabyte Speicher kostet um die 80 Euro, ebenso ein Handy. Und eine Digitalkamera gibts für 200 Euro. Vorteil: In der Qualität wird jedes einzelne Gerät die Einzelfunktion des Multi-Media-Handys schlagen.
  • Speicherplatz. Die Mobilfunkbetreiber liefern im besten Fall eine 64 Megabyte-Speicherkarte mit. Darauf passen gerade mal eine Stunde Musik. Wer zum Beispiel 16 Stunden Musikarchiv dabei haben will, braucht eine 1 Gigabyte-Speicherkarte. Die kostet um die achtzig Euro. Problem: In Handys passen in der Regel nicht die üblichen SD-Karten, sondern meist kleinere Sonderausführungen wie Mini-Sticks, Micro- oder Mini-SD-Karten. Die kosten dann teilweise das Doppelte.
  • Klangqualität. Entscheidend für einen guten Klang sind die Kopfhörer sowohl bei MP3-Playern als auch Handys. Meist liegen beiden Geräten schlechte Kopfhörer bei. Deshalb empfiehlt Stiftung Warentest generell beim Kauf von MP3-Playern: Gleich einen guten Kopfhörer dazukaufen. Das geht beim Handy nicht. Denn kaum ein Musik-Handy hat einen „normalen“ 3,5 Millimeter-Klinke-Kopfhörer-Ausgang.
  • Datenübertragung. MP3-Player und Digitalkameras werden in der Regel per USB-Schnittstelle mit dem Computer verbunden. Nutzer ziehen Daten dann einfach per Drag&Drop zwischen Gerät und Festplatte hin und her. Das geht bei Multi-Media-Handys nicht so leicht. USB-Anschlüsse sind selten. Meist bieten Hersteller die kabellosen Varianten Infrarot und Bluetooth an. Nachteile: Die Datenübertragung dauert länger. Außerdem sperren manche Hersteller die Übertragung von Bildern, um die Nutzer dazu zu zwingen, Bilder kostenpflichtig per MMS zu versenden.
  • Akku. Ein Handy mit vielen Funktionen braucht auch Akkuleistung für jede einzelne Funktion: fürs Telefonieren, SMS, MP3-Hören und Fotografieren. Wer etwa bei einer Zugfahrt den Akku beim Musik hören leert, ist anschließend nicht erreichbar, wenn der wichtige Anruf kommt.
  • Bildqualität. Standard bei aktuellen Multi-Media-Handys ist eine Auflösung von 0,3 bis 2 Megapixel. Nur das Sharp 903 bietet mehr: 3,2 Megapixel. Digitalkameras der Einsteigerklasse sind mittlerweile mit mindestens 4 Megapixel, Autofokus und Blitz ausgestattet.
  • Optik. Megapixel sind nicht alles. Genauso wichtig sind die optischen Bauteile wie Linsen oder Zoom. Schon aufgrund der winzigen Ausmaße können Handykameras in der Regel nicht mit den üblichen Digitalkameras mithalten. Bei der Bauweise von Digitalkameras gilt in der Regel: Je kleiner eine Kamera, desto schwieriger wird es, eine gute Bildqualität zu erreichen.
  • Zoom. Fast alle Multi-Media-Handys haben nur digitalen Zoom und keinen optischen. Das Objektiv zoomt also nicht wirklich die Gegenstände heran, sondern vergrößert nur einen Ausschnitt des Bildes. Digitalkameras haben mindestens einen echten - also optischen - 3fach-Zoom.

Fazit

Mobilfunkbetreiber bieten fast nur noch Multi-Media-Handys an. Um das Geschäft mit MMS-Versand und Musik-Download weiter voranzutreiben, müssen die Anbieter den Kunden die entsprechenden Geräte zur Verfügung stellen. Das könnte auch der Grund sein, warum sie Multi-Media-Handys mehr subventionieren. Doch eines sollte den Kunden klar sein: Multi-Media-Handys sind nette Spielereien. Wer täglich MP3s hören und gute Fotos machen will, sollte sich ein „normales“ Handy und zusätzlich einen MP3-Player und eine Digitalkamera kaufen. Der Gesamtpreis bleibt der gleiche.

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