Münzen sammeln Was Sie über Numismatik wissen sollten

26.05.2021
Münzen sammeln - Was Sie über Numismatik wissen sollten
Aufbewahren. Münzkästen und -kapseln schützen die Samm­lung vor Zerkratzen und Abnut­zung. © Getty Images

Wer eine Münz­samm­lung erbt, kann oft wenig damit anfangen. Wir zeigen, wie Münzen sammeln geht, wie man den Wert einer Samm­lung ermittelt und die Münzen verkauft oder versteigert.

Inhalt

Münzen mit Samm­lerwert erkennen und ihren Wert ermitteln

Nach 23 Geboten ist die Auktion auf Ebay beendet. Ein 5-Deutsche-Mark-Stück, die erste Gedenkmünze der Bundes­republik Deutsch­land, wurde für 273,15 Euro verkauft. Eine beacht­liche Menge Geld, wenn man bedenkt, dass ein Umtausch bei der Bundes­bank lediglich rund 2,50 Euro gebracht hätte. Münzen mit Samm­lerwert wechseln mitunter auch für deutlich höhere Beträge den Besitzer. Wer eine Münz­samm­lung erbt oder geschenkt bekommt, fragt sich natürlich, ob sie seltene Exemplare enthält und wie sich der Wert ermitteln lässt.

Das rät der Experte: „Am besten weihen Sammler die nach­folgende Generation ein“, sagt Christian Stoess. Er arbeitet beim Münz­kabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und befasst sich wissenschaftlich mit Geld und dessen Geschichte: Numismatik, wie Fachleute diese Spezialisierung nennen. Sein Rat werde aber oftmals nicht befolgt. Ist der Sammler, die Samm­lerin verstorben und hat keine Informationen zu den Schätzen hinterlassen, müssen Erben sie selbst beschaffen.

Angebot vom Münz­handel einholen

Der einfachste Weg, eine Samm­lung bewerten zu lassen, führt in der Regel zur Münz­hand­lung. Oft nehmen Händler die Bewertung auch anhand einge­schickter Fotos vor. Der Händler sollte Mitglied im Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels oder im Verband der Deutschen Münzenhändler sein. Durch die Mitgliedschaft sei eine gewisse Seriosität gesichert.

Im Zweifel mehrere Händler besuchen. Wenn Münzhändler Interesse daran haben, die Samm­lung anzu­kaufen, unterbreiten sie ein Angebot. „Eine Samm­lung mit 200 modernen Münzen einzuschätzen, dauert etwa eine Stunde“, sagt Dr. Hubert Ruß, der die Münchener Münz­hand­lung Künker am Dom leitet. Es kann sinn­voll sein, zwei oder drei Angebote einzuholen.

Sich im Internet informieren

Um sich selbst ein Bild vom möglichen Wert einer Samm­lung zu machen, bieten sich vor allem Verkaufs­platt­formen im Internet an. Auf Ebay kann jeder Münzen verkaufen, auf der Website ma-shops.de stehen nur Angebote professioneller Händler. „Man muss natürlich wissen, was man vor sich hat“, gibt Stoess vom Münz­kabinett zu bedenken. Bei Münzen aus der Antike oder dem Mittel­alter kann das schwierig werden. Relativ junge Münzen wie die aus dem deutschen Kaiserreich und aktuel­leren Zeiten können dagegen auch Laien meist problemlos entziffern und zuordnen.

So kommen die Preise zustande: Die auf Portalen wie Ebay ange­zeigten Preise sind Verkaufs­preise. Händler wollen Gewinn erwirt­schaften und bieten im Ankauf rund 25 bis 30 Prozent weniger Geld für die Münzen. Verkäufer – sowohl professionelle als auch private – verlangen teils hohe Mindest­gebote, die sie längst nicht immer erzielen. Skepsis ist also ratsam.

In Katalogen recherchieren

Wer etwas tiefer in das Thema einsteigen möchte, wird auch in Katalogen wie dem „Jaeger“ oder „Michel“ fündig. Sie decken jedoch nur die deutschen Münzen seit 1871 ab. Neben Abbildungen und geschicht­lichem Wissen enthalten die regel­mäßig aktualisierten Bücher Preisbewertungen, die jedoch nicht zwingend den Markt­preisen entsprechen. Zeit­schriften wie Münzen & Sammeln oder MünzenRevue veröffent­lichen Themen zu unterschiedlichen Sammel­gebieten.

Den Zustand beachten

Über den Wert einer Münze entscheiden vor allem diese drei Faktoren: ihre Häufig­keit, die Anzahl der Sammler auf dem Gebiet und insbesondere der Erhaltungs­grad. Die nied­rigste, für Sammler noch akzeptable Einstufung heißt ironischer­weise „schön“ und bedeutet: Die Münze weist deutliche Abnut­zungs­erscheinungen und Kratzer auf. Den besten Erhaltungs­grad nennen die Profis „Stempel­glanz“. Wurde ein spezielles Präge­verfahren angewandt, spricht man auch von „Spiegel­glanz“ oder „polierter Platte“.

Wichtige Fach­begriffe kennen. Die unterschiedlichen Erhaltungs­grade können erhebliche Preis­unterschiede bedeuten. So wird die preußische Reichs­silber­münze mit dem Abbild von Wilhelm I. aus dem Jahr 1875 (siehe Foto unter Glossar) in der Erhaltungs­stufe „schön“ für 25 Euro angeboten, Exemplare in „Stempel­glanz“ kosten dagegen rund 1 000 Euro.

Laien können die Qualität einer Münze selten korrekt einordnen und werden oft enttäuscht, wenn sie zu hohe Preis­vorstel­lungen haben.

Wert­volles versteigern statt verkaufen

Entpuppen sich einzelne Münzen als wert­voll, bietet sich auch eine Auktion an. Numismatiker Stoess sagt: „Hoch­wertige Münzen würde ich nicht verkaufen, sondern versteigern.“ Er denke dabei an Münzen mit einem Wert von 200 Euro aufwärts.

Viele Münz­hand­lungen und auf Münzen spezialisierte Auktions­häuser veranstalten regel­mäßig Auktionen. Dabei ließe sich der beste Preis erzielen und sicher­stellen, dass die Münzen nicht unter Wert verkauft würden. Der Auktionator erhält eine im Voraus vereinbarte Provision. Nachteil: Von der Einlieferung der Münze bis zur Auszahlung des Erlöses vergehen meist Monate. Die Versteigerung eignet sich also nur, wenn das Geld nicht dringend benötigt wird.

Oder die Münzen einfach behalten

Wer es sich leisten kann, kann die Münzen auch aufheben und auf eine Wert­steigerung hoffen. Münzhändler Ruß beob­achtet bei vielen Münzen eine Steigerung des Samm­lerwerts, aber: „Eine garan­tierte Wert­steigerung gibt es nicht.“ Für die Masse der Sammler stehe ohnehin das Hobby im Vordergrund, nicht die Wert­anlage. Das solle auch so bleiben, sagt Ruß, denn: „Münzen sind geprägte Geschichte“. 

Briefmarken. Wie Sie den Wert einer Briefmarken­samm­lung bestimmen, erfahren Sie in unserem Briefmarken-Special.

Diese Stellen können bei der Bewertung einer Münz­samm­lung hilf­reich sein

Münz­hand­lung. Händler sollten Mitglied im Verband der Deutschen Münzenhändler oder im Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels sein. Auf den Webseiten stehen Mitglieder­verzeich­nisse.

Verein. Numismatiker-Vereine können ebenfalls hilf­reich sein, besonders wenn Interesse besteht, selbst Fachwissen aufzubauen. Viele Vereine veranstalten regel­mäßig Messen, sogenannte Münzbörsen. Da kommen viele Sammler zusammen. Die Deutsche Numismatische Gesellschaft bietet eine Über­sicht auf ihrer Website.

Online-Katalog. Mehrere Universitäten und Museen haben sich zusammen­geschlossen und zeigen ihre Münz­samm­lungen unter numid.online im Internet. Man kann nach verschiedenen Kriterien wie Fund­stätten und Alter filtern.

Moderne Medaillen sind oft wert­los

Anbieter wie MDM oder BTN verkaufen Medaillen, die wie Münzen aussehen. Oft ahmen sie offizielle Gedenkmünzen nach. Anders als das Original sind Medaillen kein Zahlungs­mittel und tragen daher keinen Nenn­wert wie „1 Euro“.

Nur Material­wert. Die Neuschöpfungen sind schön anzu­sehen, besitzen aber keinen Samm­lerwert. Bestehen sie aus Edel­metall, lässt sich der Material­wert erzielen.

Glossar: Verschiedene Arten von Münzen

Anlagemünzen

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Als Geld­anlage. Anlagemünzen wie den Maple Leaf und den Krügerrand gibt es aus Edel­metallen wie Gold, Silber oder Platin. © mauritius images / Alamy / PjrStudio, Westend61

Münzen mit hohem Material­wert. Bekannt sind beispiels­weise der Krügerrand aus Südafrika und der Maple Leaf aus Kanada. Sie bestehen aus Edel­metallen wie Gold, Silber oder Platin. Dieser über­steigt den geprägten Nenn­wert in der Regel um ein Vielfaches. Das macht die Münzen als Wert­anlage attraktiv.

Umlaufmünzen

Münzen sammeln - Was Sie über Numismatik wissen sollten
Für den Alltag geprägt. Links ist ein Denar aus dem Römischen Reich abge­bildet, vermutlich aus dem Jahr 2 bis 4 nach Christus. Daneben befinden sich eine Deutsche Mark aus der BRD und eine Mark aus der DDR. © bpk / Münzkabinett, SMB / Lübke & Wiedemann, Getty Images

„Normales“ Geld, das für den Zahlungs­verkehr geprägt wurde. Der Begriff Kurs­münze ist ebenfalls üblich. Moderne Münzen wie der Euro haben meist keinen Samm­lerwert, ältere unter Umständen schon.

Gedenkmünzen

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Für Sammler. Gedenkmünzen sind zwar offizielles Zahlungs­mittel, jedoch nicht für den Alltags­gebrauch gemacht. © bpk / Münzkabinett, SMB / Lübke & Wiedemann, Dirk Sonnenwald

Sonderprägungen, die speziell für Sammler und oft zu besonderen Jubiläen hergestellt werden. Sie sind offizielles Zahlungs­mittel, werden aber fast nie als solches verwendet. Der Samm­lerwert ist oft gering. Die erste deutsche 200-Euro-Gedenkmünze bildet eine Ausnahme.

Qualität der Münzen

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Großer Unterschied. Bei diesem preußischen 5-Mark-Stück aus dem Jahr 1875 beträgt der Preis­unterschied je nach Erhaltungs­grad mehrere Hundert Euro. Verschmutzte oder korrodierte Münzen sollte man besser nicht selbst reinigen. © bpk / Münzkabinett, SMB / Karsten Dahmen, mauritius images

Erhaltungs­grad. Je besser die Münze erhalten ist, desto mehr zahlen Sammler dafür. Die Qualität wird in Stufen wie „schön“ (deutliche Abnut­zungs­erscheinungen) bis „Stempel­glanz“ (wie frisch geprägt) angegeben. Wird ein spezielles Präge­verfahren angewendet, spricht man auch auch „polierter Platte“ oder „Spiegel­glanz“.

Nicht reinigen. Wer Münzen putzt, kann winzige Kratzer verursachen, die den Wert erheblich mindern. Selbst ein weiches Tuch ist unge­eignet. Auch Grünspan, der durch eine chemische Reaktion des Metalls mit Weichmachern in Plastiktüten entstehen kann, entfernen am besten Profis.

26.05.2021
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