Müll­pressen Meldung

Die Anbieter von Hausmüll­pressen versprechen, die Abfall­kosten zu halbieren. Doch in einigen Städten steht das Müll­pressen unter Strafe. Anderswo ist es erlaubt, kostet aber Zuschläge. Die Experten von Finanztest erklären die Rechts­lage.

Die Werbung der Pressen-Anbieter

„Lassen Sie die Luft aus Ihrem Abfall – und aus Ihren Kosten!“ So wirbt die Firma Allpress Ries Hydraulik­service und Pressen GmbH. Sie verkauft im Internet Abfall­verdichter, schlicht auch Müll­pressen genannt. Je nach Zielgruppe gibt es am Markt unterschiedliche Modelle, zum Beispiel die Stabielo Presse für den Haus­gebrauch von ABRI (siehe Bild). Sie eignet sich für die 120-Liter-Tonne und kostet rund 50 Euro. Für mehr Müll, zum Beispiel in Schulen, Kinos oder Alten­heimen, sind große elektrische Pressen im Angebot.

Jähr­liche Ersparnis von 380 Euro

Anbieter von Müll­pressen werben damit, die Müll­kosten mindestens zu halbieren. Denn Abfall­gebühren werden meistens nach Tonnenvolumen und nicht nach Gewicht berechnet. Wer mehr Müll in die Tonne presst, könne auf eine kleinere Tonnengröße umsteigen oder den Abhol­rhythmus der Tonne von 7-tägig auf 14-tägig ausdehnen und so ebenfalls sparen. Auf der Internetseite der AGU direkt, eines Anbieters von großen Müll­pressen, gibt es einen Abfall­rechner: Wer etwa in Köln eine graue 240-Liter-Tonne mit einem wöchentlichen Abhol­rhythmus hat und den Müll presst, soll rund 370 Euro pro Jahr sparen.

Bußgeld bis zu 50 000 Euro

Was die Verkäufer der Pressen gerne verschweigen: In vielen Kommunen ist Privatleuten das Müll­pressen verboten. Gerade die Kölner Abfall­wirt­schafts­betriebe drohen notorischen Pressern mit einem besonders hohen Bußgeld von bis zu 50 000 Euro – ebenso die Leipziger. In Hannover und Kassel können bis zu 5 000 Euro fällig werden. Die Argumente der Abfall­wirt­schaft sind durch­aus nach­voll­zieh­bar. „Durch das Pressen des Mülls wird der Entsorger letzt­endlich um seine Müll­gebühren betrogen“, sagt Philip Heldt, Abfall­experte der Verbraucherzentrale Nord­rhein West­falen.

Noch kein Bußgeldfall bekannt

Ein Bußgeldfall ist Heldt bisher nicht bekannt, auch in Berlin wurde noch keines verhängt. Müll­presser riskieren aber auch, dass ihre Abfall­tonne nicht geleert wird. Hinzu kommt: „Die Müll­tonnen gehen einfach schneller kaputt“, sagt Sabine Thümler, Presse­sprecherin der Berliner Stadt­reinigung (BSR). Außerdem kann es zu Problemen bei der Müll­trennung kommen, wenn der Müll wie ein Brikett zusammen­gedrückt wird. Und ist das Herunter­drücken von Müll mit der Hand oder dem Spaten ebenfalls verboten? „Nein, das ist eher eine recht­liche Grauzone“, sagt Philip Heldt.

Tipp: Bevor Sie eine Müll­presse benutzen, sollten Sie sich bei Ihrer Gemeinde informieren, ob das erlaubt ist. Die Einzel­heiten finden Sie in der Abfall­wirt­schafts­satzung oder -verordnung. Wenn darin nichts dazu steht, ist das Müll­pressen erlaubt. Manche Städte wie Berlin erlauben das Pressen, verlangen aber Verdichtungs­zuschläge.

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