14 von 25 Mückenmitteln sind „mangelhaft“. Sie bescherten den Testpersonen viele juckende Mücken­stiche. Ein „Gut“ konnten wir an sieben Produkte vergeben.

Es war gar nicht so leicht, erneut Testpersonen für die Mückenmittel zu finden. Schon bei unserem letzten Test im Sommer 2000 hielt kaum ein Mückenschutzmittel, was es versprach. Teilweise hatten die Tester so viele Stiche, dass man sie gar nicht mehr zählen konnte. Damals wurden 35 Mittel getestet, nur drei waren „gut“. Trotzdem haben wir wieder Mutige gefunden.

Im Test waren diesmal 25 Produkte, darunter Körperrepellents, Ultraschallgeräte, Biozidverdampfer und Wirkstoffver­dam­p­fer wie zum Beispiel Mückenfackeln, -kerzen und Armbänder. Sieben Mittel wirkten „gut“, eins „sehr gut“. Die anderen 17 hatten dagegen keine oder nur eine geringe Wirksamkeit. Allein 14 waren „mangelhaft“. Darunter alle Mittel auf der Basis ätherischer Öle. Sie waren unwirksam und verursachten zum Teil Hautirritationen. Irritierend ist auch: Zwei davon werben mit dem Urteil „sehr gut“ der Zeitschrift Öko-Test.

Einreiben hilft am besten

Mückenmittel Test

Der Tag der Wahrheit im Prüflabor: Bei schlechten Mückenmitteln hatten die Tester innerhalb weniger Minuten viele juckende Stiche. ...

Fünf der sieben „guten“ Produkte in unserem Test sind Hautlotionen, in der Fachsprache Repellents genannt (lateinisch repellere: vertreiben, abwehren). Anti Brumm forte bekam als einziges Produkt ein „Sehr gut“ in der Wirksamkeit. Es schützte im Durchschnitt vier Stunden vor Mückenstichen.

Getestet haben wir alle Mittel an zwei tropischen Vertretern von Mückengattungen, die auch bei uns am häufigsten auftreten: Die dämmerungs- und nachtaktiven Culex-Arten belästigen uns hauptsächlich, wenn wir uns wenig bewegen – bei der Grillparty am Abend oder wenn wir schlafen. Die etwas aggressiveren tagaktiven Aedes-Arten lauern uns beim Wandern oder anderen Aktivitäten an der frischen Luft auf – besonders in feuchten Gebieten oder Uferzonen.

Gegen diese beiden Mückenarten wirkte Anti Brumm forte als einziges Mittel gleich lange. Die anderen vier „guten“ Lotionen boten im Schnitt weniger als zwei bis höchstens vier Stunden Schutz vor Stech­attacken. Bei ihnen war die Schutzwirkung vor Culex-Stichen länger als bei der agressiveren Aedes aegypti. Die Autan Active Lotion schützte beispielsweise vier Stunden vor Culex quinquefasciatus und nur zwei Stunden vor Aedes aegypti. Azaron before bot knapp vier Stunden Schutz gegen Culex-Mücken und drei Stunden gegen Aedes aegypti.

Anti Brumm forte schützte nicht nur am längsten gegen heimische Mücken, es gehört mit 0,67 Euro pro 10 Milliliter auch zu den preisgünstigen Mitteln. Dagegen bietet Tropicare (Wirksamkeit „gut“) nur knapp drei Stunden Schutz vor Aedes-Stichen, kostet aber 1,99 Euro.

Testsieger heißt Autan Active Lotion

Mückenmittel Test

...Helle Schutzkleidung schützte den Körper der Probanden.

Da Azaron before, Tropicare und Flystop auf der Verpa­ckung eine Tropentauglichkeit ausloben, haben wir diese Mittel zusätzlich mit einer Malaria-Mückenart auf die Probe gestellt – ebenso die anderen „guten“ und „befriedigenden“ Repellents. Erfreulich: Alle Produkte hielten gegen Anopheles stephensi länger stand als bei den anderen beiden Mückenarten.

Nach dem Härtetest an allen drei Mückenarten kristallisierte sich Autan Active Lotion als Testsieger heraus. Fast fünf Stunden bewahrte es die Tester vor Anopheles-Stichen. Außerdem ist sein Wirkstoff Bayrepel gesundheitlich unbedenklicher als DEET in Azaron before oder Anti Brumm forte.

„Natürlich“ ist nicht gleich gut

Mückenmittel Test

...Nur der rechte Unterarm war Testfläche, ...

Fünf Lotionen im Test hatten als Hauptwirkstoff eine Mischung aus ätherischen Ölen. Auf den Verpackungen wird mit Aussagen wie „Schützt rein pflanzlich“ oder „aus natürlichen ätherischen Ölen“ geworben. Das gaukelt eine gute Verträglichkeit vor. Im Test fanden wir aber etwas anderes heraus:

  • Schon den Geruch der Produkte beschrieben die Testpersonen oft als unangenehm und stechend (Effitan) oder aufdringlich nach Citronella riechend (bei ContraMück, Stop den Biss, Djungel Deo).
  • ContraMück löste zusätzlich bei zwei von fünf Testpersonen Hautausschläge mit Pusteln und Juckreiz aus. Das Djungel Deo trocknete die Haut von Testpersonen teilweise aus und hinterließ auf ihr einen pudrig weißen Rückstand.
  • Die Mittel waren entweder komplett unwirksam oder schützten durchschnittlich nur weniger als eine Stunde gegen Mückenstiche. Das ist „mangelhaft“. Trotzdem wirbt der Hersteller von ContraMück mit: „Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nachgewiesen“ und das Djungel Deo mit der Aussage: „Hochwirksam im Schutz gegen Mücken.“ Öko-Test beurteilte das Djungel Deo im Mai 2002 mit „sehr gut“ und im März 2003 mit „gut“. Bei Produkten mit einer solch geringen Wirksamkeit und der Gefahr von Haut- sowie Geruchsirritationen empfehlen wir: Finger weg!

Ein Produkt roch besonders intensiv: Wilmas Nordic Summer mit einem Wirkstoff auf Basis von Birkenholzteer und DEET. Die Testpersonen beschrieben den Geruch als rauchig oder penetrant grillig. Auch nach mehrmaligem Waschen war er nicht vollständig von der Haut ver­schwunden. Weiteres Manko dieses Pro­dukts: Gebrauchsanleitung, Inhalt­stoff­­­angabe und Warnhinweise fehlten völlig. Wir haben die Inhaltstoffe analysiert und sind auf Erschreckendes gestoßen: 73 Milligramm Krebs erzeugendes Naphthalin pro Kilogramm, mehr als 1 430 Milli­gramm Phenol pro Kilogramm sowie 30 Prozent DEET. Von diesem zweifelhaften Chemiecocktail können wir nur nachdrücklich abraten.

Fackeln, Teelichter, Ultraschall

Mückenmittel Test

... auf den eine definierte Anzahl Mücken im Testraum losgelassen wurde.

Auch alle anderen Produkte, die als Wirkstoff ätherische Öle oder einen Auszug davon enthielten, erwiesen sich als wirkungslos. Darunter waren Gartenfackeln, Teelichter, Armbänder für Jogger, Wirkstoffverdampfer, eine Lampe mit Citronella-Öl. Sie erhielten allesamt das test-Urteil „mangelhaft“. Genauso nutzlos waren die Ultraschallgeräte. Sie sollen die Mücken durch hochfrequente Töne vom Stechen abhalten. Die Mücken ließen sich von den Geräuschen aber nicht ablenken. Teilweise landeten sie in unmittelbarer Nähe der Geräte oder sogar direkt darauf. Von „Mückenscheuche“ oder „Ultra-Stichfrei“, wie es die Hersteller angeben, konnte hier keine Rede sein.

Abschreckend, aber bedenklich

Mückenmittel Test

An Gewässern mit dichter Uferbepflanzung treten Mücken oft in Scharen auf.

Die Biozidverdampfer Paral Mückenmobil und Nexalotte Mückenstecker wirkten im Test „gut“, die Bengalische Spirale „be­friedigend“. Sie verbreiten als Wirkstoff ein Insektizid. Die Räucherspirale ver­glüht nach dem Anzünden in knapp sechs Stunden. Ein Wirkstoffblättchen von Nexa Lotte wirkt laut Anbieter acht Stunden und Paral Mückenmobil 45 Nächte à acht Stunden. Bei allen drei Mitteln muss der Wirkstoff im Raum oder auf der Terrasse erst einmal eine bestimmte Konzentration erreichen. Die vollständige Wirksamkeit im Test war etwa eine Stunde nach dem Anzünden oder Anschalten erreicht.

Obwohl diese drei Insektizidverdampfer nur eine geringe Konzentration der Pyrethroide Allethrin oder Transfluthrin ent­halten, können sie bei empfindlichen Personen Atemwege, Haut und Augenreizen. Eine Daueranwendung kann also ein gesundheitliches Risiko sein. Toxikologen raten generell, Pestizide in Innenräumen so sparsam wie möglich einzusetzen. Zudem sollten sie nur bei sehr starker Mückenbelästigung oder in Gebieten, in denen Stechmücken Krankeitserreger übertagen, eingesetzt werden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3461 Nutzer finden das hilfreich.