Die Preisunterschiede bei Motorrad­versicherungen sind gewaltig. Wir helfen beim Vergleich.

Die meisten Gesellschaften haben in den letzten Jahren die Struktur ihrer Motorradversicherung komplett umgekrempelt. Sie haben Regionalklassen eingeführt, längere Staffeln bei den Schadenfreiheitsklassen und jede Menge Rabatte. Vorteil: Für viele Fahrer, die in Gegenden wohnen, wo selten Unfälle passieren und kaum mal ein Motorrad gestohlen wird, sind die Prämien gesunken. Nachteil: Das Preisgefüge ist völlig unübersichtlich geworden.

Mehr als das Doppelte bei Teuren

Weil das günstigste Angebot erst durch die Kombination mehrerer Tarifmerkmale entsteht, hat der Normalkunde praktisch keine Chance, es zu finden. Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil die Preisunterschiede gewaltig sind: So zahlt ein Fahrer aus Frankfurt am Main bei der Badischen Allgemeinen für eine Maschine mit mehr als 72 Kilowatt Motorleistung nach einem unfallfreien Jahr nur 323 Euro Jahresprämie für Haftpflicht plus Teilkasko. Bei teuren Unternehmen wird er hingegen mehr als das Doppelte los. Das Durcheinander liegt auch an den vielen Rabatten: Für Hauseigentümer, Garagenparker, Wenigfahrer ist es billiger, ebenso für Frauen, Beamte und Mitarbeiter in bestimmten Berufen oder ältere Motorradbesitzer. Doch nicht jeder Versicherer bietet diese Vergünstigungen.

Was eine Preisübersicht zusätzlich erschwert, ist die unterschiedliche Gestaltung der Schadenfreiheitsklassen (SF). SF 10 beispielsweise kann bei einer Gesellschaft 50 Prozent Beitrag bedeuten, bei der nächsten 25 Prozent.

Noch verwirrender: Der Prozentsatz allein sagt noch nichts über den Beitrag aus. So nimmt die Bruderhilfe in der Haftpflicht bei Motorrädern bis 72 Kilowatt nach einem unfallfreien Jahr 50 Prozent ihres Grundbeitrags, also 157 Euro. Nach zehn schadenfreien Jahren sind es 25 Prozent, also 78 Euro. Dagegen berechnet die Badische Allgemeine nach zehn unfallfreien Jahren zwar 50 Prozent, aber das kostet nur 77 Euro – und damit weniger als die 25 Prozent der Bruderhilfe.

Andere Versicherer haben von vornherein keinen 100-Prozent-Beitragssatz, sondern springen zum Beispiel von 125 Prozent in Haftpflicht-Klasse 0 direkt zu 60 Prozent in Klasse 1. Anfänger werden von einigen Gesellschaften in der Haftpflichtversicherung mit 210 Prozent eingestuft, von anderen mit 100 Prozent.

Regionalklassen nicht bei allen

Und damit ist das Durcheinander noch längst nicht komplett. Denn nicht alle Versicherungsgesellschaften haben auf Regionalklassen umgesattelt. Einige bieten stattdessen Tarife an, die mit bundesweit einheitlichen Prämien arbeiten. Diese Angebote sind günstig für Motorradfahrer, deren Wohnort in einer teuren Regionalklasse liegt.

Wer zusätzlich zur Haftpflicht noch Vollkasko möchte, muss tief in die Tasche greifen. Bei Maschinen über 72 Kilowatt kann das fast 6 000 Euro jährlich kosten.

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