Ein guter Kopfschutz ist schon ab 70 Euro zu haben. Schlechte Noten gab es für drei Jethelme.

Motorradfahrer gehören zu den bedrohten Arten: Ihr Risiko, in einen schweren Unfall verwickelt zu werden, ist achtmal größer als das für Autofahrer. 2003 kamen 960 von ihnen ums Leben. Mit Sicherheit wäre die Zahl höher, gäbe es keine Helmpflicht. Der Nutzen ist mittlerweile unumstritten, die Akzeptanz hoch. Auf dem Markt tummeln sich Dutzende Anbieter mit Hunderten von Modellen.

Der Integralhelm ist die Nummer eins. Zwei von drei Motorradfahrern schützen ihre Köpfe mit ihm. Aber schon mehr als jeder zehnte fährt auf den im Schnitt etwas teureren und schwereren Klapphelm ab. Bei diesem Helmtyp wird die gesamte untere Partie wie das Visier eines Ritterhelms nach oben geklappt. Sein Pluspunkt ist der Komfort. Auch Brillenträger schätzen ihn. Bei einem Unfall erlaubt der Klappmechanismus eine relativ problemlose Atemspende. Ansonsten ist der Klapphelm in der Sicherheit weder besser noch schlechter als der Integralhelm.

Teure Helme auch nicht besser

Motorradhelme Test

Tragekomfort: Der Uvex Flash ist für Brillenträger weniger geeignet.

Anders liegen die Dinge beim Jethelm: Er ist vom Unfallschutz her nur eine halbe Sache, weil ihm der Kinnschutz fehlt. Dies nimmt aber immerhin schon jeder fünfte motorisierte Zweiradfahrer billigend in Kauf – wohl um so kernig und cool auszusehen wie die Motorradstreifen in den USA. Und zugegeben: Ein Fahrer mit Integral- oder Klapphelm auf dem Motorroller oder Mofa wirkt ein wenig klobig.

Die Preise der Testhelme reichen von 40 bis 500 Euro. Wie sich zeigte, sind die teuren Modelle keineswegs die erste Wahl, wenn auch die Testsieger in den jeweiligen Gruppen nicht zu den ganz Billigen des Vergleichs zählen. Integralhelme für 100 und weniger Euro müssen sich aber nicht verstecken. Preisunterschiede sind allerdings nicht nur markenbedingt, auch Farbe und Dekor spielen eine Rolle. Viele technisch identische Helme gibt es in Aufmachungen, die einen teilweise weit höheren Preis rechtfertigen sollen.

Freier Fall im Labor

Motorradhelme Test

Vorbildlich: An diesem Gurtschloss kann man sich kaum vertun. Es entspricht dem beim Auto.

Was Motorradhelme im Fall der Fälle können und was nicht, zeigt sich im Labor. Da werden die stoßdämpfenden Eigenschaften geprüft. Hauptaufgabe des Schutzhelms ist es, die bei einem Aufprall blitzartig auftretenden Stöße (exakt: die Beschleunigungsenergie) möglichst weitgehend zu absorbieren und auf die gesamte Schale zu verteilen. Außerdem müssen Helmschale und Visier das Eindringen von Fremdkörpern verhindern.

Überprüft haben wir die Stoßdämpfung an einem Stahlamboss mit flacher und kantiger Fläche (Rinnstein-Simulation), auf die der Helm immer wieder aus gut drei Meter Höhe im freien Fall aufschlug, mal an der Seite, mal an der Stirnfläche, dem Scheitel-, Hinterkopf- oder Kinnbereich – und das alles auch noch teilweise bei minus 20 und plus 50 Grad Celsius. Messfühler im Prüfkopf protokollierten die auftretenden Beschleunigungs­werte. Aus ihnen kann abgeleitet werden, wie gut der Helm im Ernstfall einen Aufprall verkraften wird.

Wir haben uns bei den Prüfungen weitgehend an der europäischen Norm ECE-R 22.05 orientiert. Sie ist auch der Wegweiser für alle, die sich einen Helm zulegen wollen, über den kein aktueller Test vorliegt: Gekauft werden sollten nur Produkte mit einem ECE-Aufnäher im Innenfutter oder am Kinnriemen des Helmes. Der Hersteller verspricht mit dem Sticker sozusagen ganz offiziell, dass sein Helm die Vorgaben der Norm (am besten die aktuelle Fassung R 22.05) erfüllt. Diese Norm hat allerdings keine Gesetzeskraft und die Hersteller können auch Helme produzieren, die den Norm-Anforderungen nicht entsprechen.

Aber es ist auch nicht auf alle Helme mit ECE-Zeichen Verlass. Das zeigte sich gleich an zwei Jethelmen: agv Bali und Suomy Joo bestanden den Test nach den Normvorgaben in der Stoßdämpfung nicht, weshalb sie im Qualitätsurteil auf „mangelhaft“ abgewertet wurden. Das heißt nicht, dass diese beiden Helme gleich beim ersten Aufprall zu Bruch gehen, aber sie sind doch nicht so belastbar wie die Konkurrenten.

Nur vier in der Stoßdämpfung „gut“

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Fummeleien programmiert: Unhandliches Gurtschloss.

Die Jethelme Uvex Futura und Nexo Rider 401501 erfüllten in der Stoßdämpfung gerade noch die Vorgaben der Norm (Urteil „ausreichend“). Insgesamt gab es im Test nur zwei Integralhelme (agv K 2 und Lazer Vertigo) sowie zwei Klapphelme (Schuberth Concept und Caberg Justissimo), die den freien Fall im Prüflabor mit dem Urteil „gut“ überstanden.

Die Stoßdämpfung allein macht es aber nicht: Letztlich ist ein Motorradhelm nur so gut, wie die schlechteste seiner Komponenten. Was nützt beispielsweise eine hervorragende Schale, wenn Kinnriemen und Schloss versagen, das Visier anfällig für Kratzer ist oder der Helm beim Aufprall vom Kopf fliegt (Abstreifsicherheit)?

An letzterem muss nicht zwangsläufig die Gestaltung des Helms schuld sein – vielleicht war ja der Käufer bei der Auswahl im Geschäft nicht konzentriert genug: Der Helm sollte so fest sitzen, dass sich bei einem leichten Rütteln nur die Kopfhaut und sonst nichts bewegt. Viermal traten im Test Probleme mit der Abstreifsicherheit auf: Die Integralhelme Nexo Maze und Shark S 500 sowie die Jethelme Caberg Down Town und Suomy Joo lassen sich auch bei optimaler Auswahl nicht ganz so fest fixieren, wie die anderen Modelle.

Beim Takai Classic Jet gab es etwas anderes zu beklagen: Das Visier war instabil und flog schon bei relativ geringen Geschwindigkeiten vom Helm. Und der agv Bali genügte selbst den bei Jethelmen eingeschränkten Anforderungen an eine ausreichende Abdeckung der wichtigsten Kopfpartien nicht. Erfreulicherweise hielten sich die Ausfälle bei den getesteten Helmen in Grenzen, sodass der Unfallschutz der meisten Modelle auch insgesamt „gut“ genannt werden konnte.

Jede Menge Mittelmaß beim Komfort

Die Alltagstauglichkeit der Helme (Handhabung, Komfort) prüften für uns eine Frau und vier Männer. Hier gab es neben guten Modellen jede Menge Mittelmaß. Einige Helme waren etwas schwerer auf- und absetzbar oder ließen in der Passform zu wünschen übrig, viele Gurtschlösser erwiesen sich als unhandlich. Manche Visiere zeigten sich sperrig (vergleichsweise schlecht: Takai Classic Jet). Und während sich bei den meisten Helmen die Geräuschentwicklung beim Fahren in Grenzen hielt, verursachten andere doch ganz beachtlichen Lärm (Uvex Flash und Suomy Joo). Die Urteile in diesen Prüfpunkten wogen bei der Endabrechnung zwar nicht so schwer wie die Sicherheitsaspekte – aber es nervt, Tag für Tag mit einem wenig komfortablen Helm unterwegs zu sein.

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