Motor­radfahrer Im Pulk haftet keiner für den anderen

20.10.2015

Sind Motor­radfahrer im Pulk unterwegs und fahren unter­einander zu dicht auf, können sie nach einem Unfall nicht die anderen Biker haft­bar machen. So bekommt ein Fahrer keinen Schaden­ersatz, der mit drei Freunden auf einer kurvigen Land­straße fuhr. Ein entgegen­kommendes Auto streifte das Motorrad vor ihm. Als Zweiter in der Gruppe konnte der Kläger gerade noch recht­zeitig bremsen – nicht aber der Dritte. Der Kläger meinte, nur gestürzt zu sein, weil der Dritte ihm ins Heck krachte und ihn ein Stück mitschleifte. Die Einzel­heiten des Unfalls waren dem Gericht nicht wichtig. Die Richter meinten: Jedem der vier sei klar gewesen, dass sie den erforderlichen Sicher­heits­abstand im Pulk nicht einhielten und auch die Abstände und die Reihen­folge sich ständig änderten. Alle Beteiligten wussten, dass sie ein besonderes Risiko eingingen, um das gewollte Gruppen­fahr­gefühl zu genießen. Sie alle nahmen in Kauf, bei Gefahr nicht schnell genug bremsen zu können. Eine Haftung wäre allenfalls bei grober Fahr­lässig­keit in Betracht gekommen (Ober­landes­gericht Frank­furt/Main, Az. 22 U 39/14).

20.10.2015
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