Motivationstest für Lernende Schnelltest

Selbst hartgesottene Bildungs-Einzelkämpfer sind vor Motivationslücken nicht gefeit.

Die Fernuniversität Hagen hat einen kostenlosen und anonymen Test ins Internet gestellt, der Lernenden und insbesondere Fernlernern Hinweise darauf geben soll, wie sie aus Motivationslöchern am besten herauskommen. test.de hat sich den Test näher angeschaut.

Die Tücken des Fernlernens

Die Lehrform des Fernlernens hat ihre Tücken: Im Gegensatz zum Präsenzunterricht fehlen feste Lernzeiten und Dozenten sowie Mitschüler, die einen auch einmal mitziehen, wenn es gerade nicht so läuft. Deshalb müssen Fernlerner die Fähigkeiten des eigenverantwortlichen Lernens und der Selbstmotivation beherrschen, sonst ist die Gefahr des Scheiterns groß. Denn das Lernen aus der Ferne ist immer auch das Büffeln wider den inneren Schweinehund. Selbst der hartgesottenste Bildungs-Einzelkämpfer fällt mal in ein Loch und weiß nicht, wie er da wieder herauskommen soll. Ein neuer Test der Fernuniversität Hagen möchte zeigen, wie Lernende in einem solchen Fall die Unlust besiegen und wieder in die Spur zurückfinden. Er ist auf der Website der Uni kostenlos zugänglich.

Der Test will Lösungsstrategien entwickeln

Der Test analysiert die „Motivationslage“ der Teilnehmer und erstellt dann „ein detailliertes Profil zu ihrem Lernverhalten“. Er dauert etwa 15 Minuten und enthält 32 Fragen. Diese beginnen allesamt mit dem Teilsatz „Arbeite ich gerade nicht zielgerichtet oder unkonzentriert, dann...“. Die Antwortmöglichkeiten sind jeweils „trifft überhaupt nicht zu“, „trifft eher nicht zu“, „teils/teils“, „trifft eher zu“ und „trifft vollkommen zu“. Der Test versucht so in Erfahrung zu bringen, was der Teilnehmer unternimmt, wenn er beim Lernen gerade nicht klarkommt: Geht er shoppen, um sich abzulenken, oder denkt er an die negativen Auswirkungen für sich persönlich, falls er scheitern sollte? Versucht er sich gezielt auf seine Stärken zu besinnen oder setzt er Entspannungstechniken ein, um sich besser konzentrieren zu können? Aus diesen Fragen heraus sollen dann Lösungsstrategien erarbeitet werden. Ziel ist, dass Lernende den eigenen Willen und die eigenen Emotionen so in den Griff bekommen, dass sie sie beim Lernen zielgerichtet einsetzen können.

Ampelsystem und Vorschläge für Strategien

Gleich nach dem Ausfüllen des Fragebogens erhalten die Teilnehmer ein „individuelles Kompetenzprofil“ und Vorschläge, wie sie ihr Lernverhalten optimieren können. Diese Vorschläge können 20 bis 30 Seiten umfassen und sind in vier Bereiche aufgeteilt: die „positive Motivationskontrolle“ (Motivationssteigerung durch positive Anreize), die „negative Motivationskontrolle“ (Motivationssteigerung durch negative Anreize), die „Emotionskontrolle“ (gute Stimmung produzieren) und schließlich die „Kognitionskontrolle“ (Konzentrationsfähigkeit). Das jeweilige Ergebnis in den vier Bereichen wird mit der Darstellung einer Verkehrsampel symbolisiert: Leuchtet sie Rot, ist der jeweilige Kontrollsparte zu wenig ausgeprägt. Scheint Gelb auf, ist sie zu stark ausgeprägt. Und bei Grün ist alles in Ordnung. Hat ein Teilnehmer zum Beispiel im Bereich der „Emotionskontrolle“ eine rote Ampel erwischt, werden im Profil konkrete Strategien vorgeschlagen, wie er sich in diesem Bereich verbessern könnte. Das Spektrum der Vorschläge reicht von eher allgemein gehaltenen Vorschlägen, sich ab und an Abwechselung zu verschaffen, bis zu detaillierten Anleitungen, etwa für Entspannungsübungen oder autogene Trainings.

Vorteile

  • Die Strategien für zielgerichtetes Lernen, die Teilnehmer nach dem Test erhalten, sind sehr ausführlich und gut aufgearbeitet.
  • Die konkreten Tipps, die den Fernlernern mit auf den Weg gegeben werden, sind gut lesbar und haben einen hohen Bezug zur Praxis.
  • Wichtig ist, dass sich die Teilnehmer bewusst machen, dass der Test der Fernuniversität ausdrücklich nur „Denkanstöße“ vermitteln, aber keine fertigen „Rezepte“ gegen Motivations- und Lernprobleme geben will.

Nachteile

  • Der Test ist stereotyp angelegt und berücksichtigt nicht die individuellen Rahmenbedingungen der Teilnehmer. Doch Motivation ist immer individuell bedingt. Es wird etwa im Fragebogen nicht berücksichtigt, ob von einer vorübergehenden Unkonzentriertheit des Lernenden ausgegangen wird oder von einem längerfristigen Durchhänger. Es wird auch nicht hinterfragt, ob Terminstress eine Rolle spielt.
  • Eine fünfstufige Skala von „trifft überhaupt nicht zu“ bis „trifft vollkommen zu“ ist für die Bewertung von einzelnen Testteilnehmern problematisch: Denn das Antwortverhalten der Teilnehmer kann unterschiedlich sein. So können die einen generell dazu tendieren, die mittleren Skalenwerte zu bevorzugen, während andere gerne „extreme“ Antworten geben, obwohl sie möglicherweise die gleiche Motivationslage haben.
  • Es ist fraglich, ob eine Verkehrsampel als Visualisierung der Testergebnisse geeignet ist. Denn damit wird den Teilnehmern nahe gelegt, dass Gelb immer noch besser als Rot sei. Im Test steht aber wie erwähnt Rot für zu wenig, Gelb für zu viel und Grün für genau richtig. Das könnte für Verwirrung sorgen.

Fazit

Die Teilnahme am Test der Fernuniversität Hagen kann sich durchaus lohnen, ist aber mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Das Manko: Er liefert individuell zugeschnittene Ergebnisse, obwohl der Fragebogen keine individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Gleichwohl enthalten die Vorschläge, die die Teilnehmer nach dem Test erhalten, einige wirklich gute Tipps, wie Lern- und Motivationsproblemen zu lösen sind. Zudem ist dem Test zugute zu halten, dass er ausdrücklich nur „Denkanstöße“ vermitteln will und keine konkreten Handlungsanweisungen.

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