Montrealer Übereinkommen Meldung

Seit heute gelten für Flugreisende neue Schadensersatzregeln. Das Montrealer Übereinkommen löst das Warschauer Abkommen ab, das 75 Jahre lang gültig war. Dadurch verbessern sich die Rechte der Flugreisenden erheblich bei Unfällen, Verspätungen und Gepäckverlust. Die neuen Regeln gelten für alle Flüge, die Reisende ab dem 28. Juni 2004 buchen. test.de zeigt, in welchen Fällen sich das Montrealer Übereinkommen deutlich auswirkt.

Ohne Koffer angekommen

Es kommt nicht selten vor, dass Reisende nach dem Flug an der Gepäckausgabe vergeblich auf ihre Koffer warten. Der Weg führt dann direkt vom leeren Gepäckband zum Lost-and-Found-Schalter des Flughafens oder zum Schalter der Fluggesellschaft. Der Angekommene meldet die Koffer als vermisst. Bestätigt die Airline, dass das Gepäck tatsächlich verloren ist, dann können Kunden Schadensersatz fordern.

  • Bisher: Airlines entschädigten ihre Kunden mit maximal 27,35 Euro pro Kilo Gepäck. Unabhängig davon, was im verlorenen Koffer verpackt war. Da Passagiere in der Regel nur 20 Kilogramm an Gepäck mitnehmen dürfen, entschädigten sie die Fluggesellschaften bisher mit höchstens 547 Euro.
  • Jetzt: Die von der Airline zu zahlende Höchstgrenze ist nun unabhängig vom Gewicht. Fluggesellschaften müssen Schäden bis zu einer Summe von 1 233 Euro ersetzen. Die Höchstgrenze hat sich somit fast verdoppelt. Die Airline berechnet die Entschädigungssumme nun aufgrund der Angaben des Kunden, was in den betroffenen Koffern enthalten war. Passagiere können sogar dann Schadensersatz fordern, wenn die Fluggesellschaft das Gepäck wenige Tage später nachliefert. Sie können Ersatzkleidung und Toilettenartikel in Rechnung stellen.

Zu spät gelandet

Verspätungen sind nicht nur ärgerlich, sondern verursachen häufig auch zusätzliche Kosten: Passagiere schaffen ihre Anschlussflüge nicht, übernachten eventuell in einem anderen Hotel oder verpassen einen wichtigen Geschäftstermin. Für solche Ausgaben müssen Airlines nun bis zu einer Summe von 5 117 Euro aufkommen. Allerdings müssen Flugreisende eindeutig und einzeln nachweisen können, dass ein Hotel schon gebucht war oder eine Sitzung nicht verschoben werden konnte. Airlines müssen dann nicht zahlen, wenn höhere Gewalt die Verspätung verursacht hat. Dazu zählen etwa schlechtes Wetter oder Streiks.

Leicht oder schwer verletzt

Das Montrealer Übereinkommen regelt auch neu die Entschädigung bei Unfällen. Bisher gab es auch hier eine Haftungsgrenze von 27 354 Euro pro Passagier. Diese fällt jetzt weg. Das heißt: Die Airline haftet unbegrenzt, wenn sie den Schaden verschuldet hat. Eine weitere Verbesserung: Bis zu einem Schaden von 123 000 Euro ist es sogar unerheblich, ob die Luftfahrtgesellschaft diesen verschuldet hat. Die neuen Richtlinien beziehen sich ebenso auf Katastrophen wie auf kleinere Unfälle. Wenn sich ein Passagier im Flugzeug verletzt, weil ihm ein Gepäckstück auf den Kopf fällt oder die Stewardess ihm versehentlich heißes Wasser überschüttet, muss die Fluggesellschaft haften.

  • Tipp: Sie können als Angehöriger eines Unfallopfers umgehend einen Mindestbetrag von 20 000 Euro von der Fluggesellschaft - aber auch vom Reiseveranstalter - einfordern, den sie etwa für die Deckung der Krankenhauskosten brauchen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 452 Nutzer finden das hilfreich.