Moderne Heizsysteme Meldung

Die Technik im Heizkeller ist ein finsteres Kapitel. Dort wird Geld verheizt, weil veraltete Kessel mehr Wärme als nötig produzieren. Wir zeigen den Weg zum sparsamen und komfortablen Heizen.

Der nette Nachbar macht sich seine Gedanken. „Wenn die Winter immer wärmer werden, müssen wir immer weniger heizen“, spottet er und stöhnt im gleichen Atemzug über die ständig steigenden Heizölpreise. Dass er seine Heizkosten senken kann, sieht er nicht. Seit Jahren verschwendet er Heizöl, aber keinen Gedanken an eine energiesparende Heiztechnik im Keller. Anders als beim Auto scheut er bei der Heizung den Schritt zur neuen Technik. Er schiebt eine Entscheidung vor sich her.

Fortschrittlich heizen

Fortschrittliches Heizen ist energieeffizient. Es senkt die Brennstoffkosten, aber nicht den Komfort, schont die Umwelt und schützt das Klima. Mit einem 25 Jahre alten Niedertemperaturkessel der ersten Stunde ist heute kein Staat mehr zu machen. Viele Hauseigentümer zögern aber, weil ihre Heizung immer noch zuverlässig läuft – mehr schlecht als recht, aber das wissen die wenigsten. Sich endlich auf ein neues, auf seine eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes Heizsystem einzulassen, kostet erst einmal Zeit. Denn es gibt viele Möglichkeiten für eine wirtschaftliche Modernisierung, die eine Planung nicht unbedingt einfacher machen. Heiztechniken wie Holzpelletkessel und Kombi-Solaran­lagen – für Warmwasserbereitung und Raumheizung – haben inzwischen ihre Kinderkrankheiten überwunden, und ausgetretene Pfade führen oft nicht mehr zum Ziel. Mit einer Entscheidung, die allein die traditionellen Brennstoffe Öl oder Gas im Blick hat, ist es nur noch in den seltensten Fällen getan.

Öl- und Gasbrennwertkessel

Eine preisbewusste Modernisierung, die sich weitgehend auf den Wärmeerzeuger im Keller beschränkt und den bewährten Brennstoff auch künftig beibehält, kann sich trotzdem rechnen. Für behutsame Modernisierer, die alle gesetzlichen Vorgaben mit möglichst geringen Investitionskosten erfüllen wollen, ist ein Öl- oder Gasbrennwertkessel von Interesse.

Nachdem sich die Gasvariante vor Jahren am Markt durchgesetzt hat, etablieren sich jetzt die Ölbrennwertkessel (siehe test 5/08). Nach der bundesweiten Einführung des schwefelarmen Heizöls brauchen die Kessel keine Neutralisationsanlage für das Kondensat mehr, wenn sie schwefelarm betrieben werden. Damit haben die Ölkessel die gleichen technischen Voraussetzungen wie ihre Gaskonkurrenten. Kostenpunkt für den Ölbrennwertkessel mit Regelung, Speicher und Montage: ab 8 000 Euro.

Tipp: Holen Sie Kostenangebote von mehreren Heizungsinstallateuren ein, wenn Sie die Technik in Ihrem Heizkeller auf Trab bringen wollen. Es gibt große Kostenunterschiede, auch beim gleichen Kesselmodell.

Technik, die sich bezahlt macht

Wenn der Installateur schon im Haus tätig ist, sollte er auf jeden Fall einen Blick auf die Umwälzpumpe der Heizanlage werfen. Eine alte Heizungspumpe ist ein wahrer Stromfresser. In zwanzig Jahren gehen oft Stromkosten in Höhe von 2 000 bis 3 000 Euro auf das Konto des Dauerläufers. Völlig unnötig, denn geregelte Hocheffizienzpumpen verbrauchen nur einen Bruchteil (siehe Test Heizpumpen). Ab 300 Euro plus Montagekosten sind sie zu haben und machen sich bereits in wenigen Jahren bezahlt.

Ob die Heizanlage noch energiesparender funktionieren könnte, das jährliche Messprotokoll des Schornsteinfegers gibt da­rüber kaum Auskunft. Der Kaminkehrer bescheinigt nur, dass Rußzahl und Abgasverluste die Grenzwerte einhalten. Er beurteilt aber nicht, wann Kessel und Brenner auf den Stand der Technik zu bringen sind.

Warmwasser-Solaranlagen

Mit 4 000 Euro aufwärts, gegebenenfalls zusätzlich zu den Investitionskosten für einen Öl- oder Gasbrennwertkessel, bieten sich größere Sprünge in eine solare Zukunft an. Beispiel: die Kombination von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas mit regenerativen wie Sonnenenergie. Wer diesen Weg einschlägt, entscheidet sich für zeitgemäße Heiztechnik. Eine Solaranlage auf dem Dach oder ein Erdkollektor im Garten für eine Wärmepumpe ist schon lange kein Zeichen mehr für waghalsigen Pioniergeist. Diese regenerativen Heizsysteme haben sich inzwischen in der Praxis bewährt.

Das Fazit des aktuellen Tests von Solaranlagen für Warmwasser kann sich sehen lassen: Die meisten Anlagen funktionierten prima. Früher musste man die Teile einer Solaranlage, zum Beispiel Kollektor, Regelung und Speicher, einzeln aussuchen, bestellen und schließlich darauf hoffen, dass sie nach einer sorgfäl­tigen Montage problemlos miteinander harmonieren. Heute haben die Anbieter komplette Solarpakete für unterschiedlich hohen Bedarf an Warmwasser geschnürt. Das macht die Planung, die Kaufentscheidung und die Installation einfacher.

Die Pakete für ein von vier Personen bewohntes Eigenheim kosteten im Test mindestens 3 700 Euro, höchstens 5 680 Euro. Preisnachlässe sind durchaus üblich. Hinzu kommen Montagekosten, für die Testanlagen zwischen 600 und 1 200 Euro. Bei einer Komplettsanierung der alten Heizung mit Solaranlage und Holzpelletkessel oder Wärmepumpe winkt ein staatlicher Zuschuss von bis zu mehreren Tausend Euro. Wer kein nach Süden geneigtes Hausdach hat, steht nicht gleich auf der Schattenseite und muss nicht auf die Sonnenenergienutzung verzichten. Abweichungen nach Südwest und Südost verringern den Nutzwert eines Sonnenkollektors kaum. Und auch ein Flachdach mit Gestellen für die Kollektoren bietet Möglichkeiten für Solaranlagen.

Tipp: Überlegen Sie rechtzeitig, ob für Sie eine größere Lösung infrage kommt. Sogenannte Kombi-Solaranlagen bereiten nicht nur das Warmwasser, sondern unterstützen gleichzeitig auch die Raumheizung. Eine Warmwasseranlage später zu erweitern, ist zwar möglich, aber recht teuer. Deshalb bietet sich von vornherein eine Kombianlage an. Das Bundesamt für Wirtschaft (Bafa) fördert den Einbau von Solaranlagen. Informieren Sie sich über Zuschüsse.

Wärmepumpen

Auch die Anbieter von elektrischen Wärmepumpen versprechen niedrigere Heizkosten und die Unabhängigkeit von Öl und Gas. Die Geräte können Umweltwärme aus der Luft, aus dem Boden oder aus dem Wasser für die Heizung oder Warmwasserbereitung nutzbar machen. Bei stetig steigenden Öl- und Gaspreisen nimmt das Interesse an diesem Heizsystem in letzter Zeit zu. Wärmepumpen präsentieren sich heute technisch viel ausgereifter als vor 20 Jahren. Damals nutzten viele Geräte die Außenluft als Wärmequelle, die gerade im Winter am kältesten ist, wenn fürs Heizen die größte Wärme-menge gebraucht wird.

Drei Voraussetzungen für eine kostengünstige und umweltschonende Nutzung einer Elektro-Wärmepumpe sollten unbedingt gegeben sein:

  • Das Haus muss gut gedämmt sein. Bei bestehenden Gebäuden sollte zunächst der Wärmeschutz verbessert werden, bevor die Wärmepumpe eingebaut wird.
  • Die Wärme muss mit niedrigen Heiztemperaturen über eine Flächenheizung, zum Beispiel eine Fußbodenheizung, im Haus verteilt werden.
  • Erdreich oder Grundwasser sind als relativ warme Wärmequellen nutzbar. Erdkollektor oder Erdsonden erschließen diese Energiequelle im Garten.

Pluspunkte sammelt die Wärmepumpe, wenn man ihren jährlichen Kohlendioxidausstoß mit dem eines über 20 Jahre alten Ölheizkessels vergleicht: Er ist weit über die Hälfte niedriger, in der Kombination mit einer Solaranlage sogar mehr als drei Fünftel (siehe Grafik). Solche starken Verbesserungen für die Umwelt, mit denen auch die Anbieter gern werben, sind beeindruckend.

Die elektrische Wärmepumpe produziert auf dem eigenen Grundstück keine Abgase. Das stimmt. Aber ein sauberer Vergleich mit anderen Heizsystemen muss natürlich berücksichtigen, was an Schadstoffen bei der Stromerzeugung im Kraftwerk entsteht. In Deutschland verpufft dort noch immer viel Abwärme.

Die besten Wärmepumpen in unserem Test vom Typ Sole / Wasser mit Erdreich als Wärmequelle kosten rund 10 000 Euro. In diesem Preis nicht enthalten sind die Ins­tallation und der Bau der Wärmequellenanlage. Die Höhe der jährlichen Stromkosten hängt maßgeblich von der Höhe der Vorlauftemperatur im Heizsystem ab: Bei einer Temperatur von 55 Grad Celsius berechneten wir je nach Gerät Stromkosten von 640 bis 810 Euro pro Jahr. Bei einer Vorlauftemperatur von 35 Grad liegen sie 150 bis 200 Euro niedriger.

Tipp: Wärmepumpen kommen vor allem für einen gut gedämmten Neubau infrage. Der Bauherr kann sich Kosten für Schornstein, Öltank und Gasanschluss von vornherein sparen. Er muss aber mehrere Tausend Euro für die Erschließung der Erdwärme­quelle auf dem Grundstück einplanen. Viele Stromversorger fördern den Bau von Wärmepumpen mit günstigen Tarifen.

Holzpelletkessel

Der feste Brennstoff Holz hält seit einiger Zeit in eigenwilliger Form Einzug in den Heizkeller: Holzpellets sind genormte, zylindrische Presslinge aus getrocknetem, naturbelassenem Holz wie Holzspäne oder Waldrestholz ohne Rinde. Durch die kleinen gepressten Pillen lässt sich Holz ähnlich wie Heizöl und Erdgas fein dosieren. Mit einem Heizwert von etwa 5 Kilowattstunden pro Kilogramm entspricht der Energiegehalt von 2 Kilo Holzpellets ungefähr dem Energiegehalt von 1 Liter Heizöl oder 1 Kubikmeter Erdgas.

Wer sich für einen Holzpelletkessel entscheidet, hilft der Umwelt. Beim Verbrennen von Holz wird nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Pflanze während ihres Wachstums gebunden hat. Dementsprechend günstig sind die insgesamt anfallenden Kohlendioxidwerte für dieses Heizsystem. Sie erreichen nur ein Fünftel der Emissionen, die ein veralteter Standardheizkessel in die Luft bläst. Ein Holzpelletkessel im Verbund mit einer Solaranlage für Warmwasser verringert den extrem niedrigen Kohlendio­xidausstoß rechnerisch zwar nur wenig, dennoch ist diese Kombination – auch aus Umweltsicht – sehr sinnvoll. Auch die Bilanz der Brennstoff- und Betriebskosten fällt positiv aus. Ein wenig mehr Ersparnis ist nach unseren Berechnungen nur mit einer Wärmepumpe zu erzielen (siehe Grafik).

Teuer ist die Investition. Ein Holzpelletkessel mit Regelung und Fördersystem, mit dem die Pellets je nach Wärmebedarf au­tomatisch aus dem Lagerraum oder Tank in den Kessel gelangen, kostet mindestens 10 000 Euro.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) fördert die Kesselmodernisierung mit mindestens 2 000 Euro. Wird noch ein Pufferspeicher mit mindestens 30 Liter pro Kilowatt eingebaut, erhöht sich der Zuschuss.

Tipp: Der Preis der Pellets hat sich in den vergangenen Jahren sehr sprunghaft entwickelt. Nach dem Höchststand Ende 2006 liegt er inzwischen aber wieder unter 4 Cent pro Kilowattstunde, etwas weniger als die Hälfte des Kilowattstundenpreises für Öl und Gas. Im Mai kostete eine Tonne Holzpellets knapp 190 Euro bei einer Abnahmemenge von sechs Tonnen. Sie entsprechen der Energiemenge von 3 000 Liter Heizöl.

Bei stetig steigenden Brennstoffpreisen und zum Schutz des Klimas kann sich niemand mehr teure Wärmeverluste in seiner Heizanlage leisten. In vielen Heizkellern ist das aber trauriger Alltag und eine Bestandsaufnahme längst überfällig. Der Einbau sparsamer Heiztechnik, am besten in Verbindung mit einem wirksamen Wärme­schutz am Haus, sollte nicht länger aufgeschoben werden. Einfach die Heizung her­unterdre­hen, weil die Heizkosten erdrückend sind, ist kein Ausweg. Entscheiden Sie sich für effektives Heizen. Machen Sie den ersten Schritt – und überzeugen Sie dann auch den etwas sturen Nachbarn von der rentablen Zukunft im Heizkeller.

Tipp: Wie Sie die Energiekosten kräftig senken können, erfahren Sie im aktuellen test-Sonderheft Energie. Es kostet 7,50 Euro und ist auch im Handel erhältlich.

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