Modellversuch: Begleitetes Fahren Meldung

Inzwischen dürfen in mehreren Bundes­ländern schon Jugendliche mit 17 Jahren ans Steuer. Anfang 2006 gehen auch Berlin, Brandenburg und das Saarland an den Start. Der Modellversuch „Begleitetes Fahren“ machts möglich. Allerdings sind noch einige rechtliche Fragen offen. Stiftung Warentest erklärt, worauf Fahrer und Beifahrer achten müssen.

Übung macht den Meister

Junge Fahranfänger sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Ein Drittel aller Verkehrsunfälle geht auf ihr Konto. Hauptgrund: zu geringe Fahrpraxis. Die notwendigen Erfahrungen können Jugendliche nun in Begleitung älterer Beifahrer sammeln. In den Ländern Bayern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein dürfen sich Interessenten schon mit 16-einhalb Jahren zur Fahrschule anmelden. Berlin, Brandenburg und Saarland folgen Anfang 2006. Nach erfolgreich abgelegter Fahrprüfung erhalten sie eine Prüfbescheinigung - den richtigen Führerschein gibt es nach wie vor erst zum 18. Geburtstag. Doch bis dahin dürfen die 17-jährigen schon mit einem Beifahrer ans Steuer.

Menschliche Navigationssysteme

Für die Begleiter gelten aber auch Regeln: Sie müssen 30 Jahre oder älter sein und mindestens seit fünf Jahren einen Führerschein besitzen. Im Flensburger Verkehrszentralregister dürfen sie mit höchstens drei Strafpunkten verzeichnet sein. Zudem empfehlen einige Bundesländer eine 90-minütige Schulung für die Beifahrer. Für jeden Jugendlichen Autofahrer sind maximal zwei Begleiter zugelassen, die auch in der Prüfbescheinigung vermerkt sind. Ihre Aufgabe ist es, die Jugendlichen mit guten Ratschlägen bei der Fahrt zu unterstützen und durch ihre blosse Anwesenheit zur Vernunft zu mahnen. Aktiv ins Lenkrad sollen sie aber nicht greifen. Soweit die gut gemeinte Idee, um Jugendlichen Fahrpraxis zu ermöglichen.

Vorher anmelden

Doch Eltern, die mit ihren Kindern an dem Programm teilnehmen wollen, sollten zuvor ihre KFZ-Versicherungspolice überprüfen. In der Regel sind die Beiträge nur auf der Grundlage des Wagenhalters und eventuell noch des Partners berechnet. Wer einen Versicherungsvertrag mit eingeschränktem Personenkreis hat und trotzdem seinen 17-jährigen Sprössling ans Steuer lässt, muss dies vorher der Versicherung mitteilen. Denn Versicherungen berechnen ihre Beiträge nicht nur nach Wohnort, Wagentyp und jährlicher Kilometerzahl, sondern auch nach dem Alter der Fahrer. Ändern sich diese Merkmale, ist der Versicherte selbst verpflichtet, dies der Versicherung zu melden, damit diese einen neuen Beitrag berechnen kann. Und das kann teuer werden.

Ein Beispiel

Meldet ein Vater seinen jugendlichen Sohn ebenfalls als Fahrer des Autos an, erhöht sich die Versicherungspolice schnell um einige Hundert Euro pro Jahr. Beispiel: Ein 48-jähriger hannoveraner Angestellter zahlt für seinen einjährigen Renault Scénic 1.4 bei der VHV Basis (50) 255,42 Euro Haftpflicht und Vollkasko im Jahr. Läßt der gleiche Fahrer auch seinen 17-jährigen Sohn das Auto steuern, erhöht sich die Versicherungspolice im gleichen Tarif auf 452,74 Euro. Aus Sicht der Versicherung ist das verständlich: Je jünger und unerfahrener der Fahrer ist, desto höher das Unfallrisiko. Wer den jugendlichen Fahrer jedoch nicht anmeldet, riskiert im Schadensfall hohe Vertragsstrafen. Außerdem berechnet die Versicherung die höheren Beiträge für den jugendlichen Fahrer rückwirkend.

Tipps

  • Überprüfen Sie regelmäßig die Angaben in ihrem Versicherungsvertrag. Ändert sich etwas an den Berechnungsmerkmalen, melden Sie dies umgehend der Versicherung. So führen andererseits auch geringerer Kilometerverbrauch oder die Anmietung einer Garage zu niedrigeren Beiträgen. Den aktuellen Test von 106 KFZ-Tarife sowie ausführliche Modellberechnungen finden Sie im Finanztest 11/2005 und im Internet.
  • Individuell günstige Policen für die KFZ-Versicherung errechnet Ihnen die Analyse der Stiftung Warentest.

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