Mobil­funk­netze Test

In Städten bieten alle Netze gute Telefonie – Telekom, Vodafone und O2 auch gute Daten­verbindungen. Außer­halb von Städten surfen und telefonieren Nutzer nur bei der Telekom und Vodafone gut. In der Bahn über­zeugt keines der vier Netze – E-Plus und O2 noch weniger als die Telekom und Vodafone.

Die Telekom und Vodafone bieten die besten Netze – in Städten und auf dem Land. O2 rangiert vor E-Plus. In der Bahn schwächeln alle vier.

Seit unserem Netztest im vorigen Jahr hat sich viel getan. E-Plus und O2 sind keine Rivalen mehr. Sie gehören jetzt zum selben Konzern – zum spanischen Tele­kommunikations­unternehmen Telefónica (Zwei Netze, ein Anbieter). Besonders E-Plus wirbt offensiv damit. „Zwei Netze sind besser als eins“, heißt es auf Plakaten und in Werbespots. Doch der Test zeigt: O2-Kunden profitieren derzeit viel mehr von der Kraft der zwei Netze als die von E-Plus, besonders beim mobilen Surfen. O2 positioniert sich im Test vor E-Plus. Im vergangenen Jahr teilten sich die beiden noch den dritten Platz. Sieger ist wieder die Telekom, gefolgt von Vodafone mit einem ebenfalls guten Netz.

Um den Stärken und Schwächen der Mobil­funk­netze auf die Spur zu kommen, mussten die Tester viel fahren: 3 800 Kilo­meter über Auto­bahnen und Land­straßen. In neun Städten waren sie jeweils andert­halb Stunden mit dem Auto unterwegs. Berlin, Hamburg und München haben sie je zehn Stunden zu Fuß und mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln erkundet. Zusätzlich legten sie diesmal 3 400 Kilo­meter mit der Bahn zurück. Stets dabei: ein Mess­system mit zwölf Smartphones. Die bauten unentwegt Sprach- und Daten­verbindungen auf, luden Webseiten und Youtube-Videos. Sie maßen zum Beispiel die Aufbauzeiten von Telefon­verbindungen und Webseiten, Sprach­qualität und Daten­raten. So ergibt sich ein guter Über­blick über die Mobil­funk­versorgung in Deutsch­land.

Telefoniertest noch strenger

Die Prüfungen zum mobilen Telefonieren haben wir über­arbeitet. Die Test­anrufe finden jetzt zwischen zwei Handys im selben Netz statt, sie gehen nicht mehr ins Fest­netz. Das bildet das Telefonier­verhalten der meisten Nutzer besser ab und macht es leichter, Verbindungs­probleme eindeutig dem jeweiligen Mobil­funk­netz zuzu­ordnen. Zudem haben wir die Prüfkriterien für erfolg­reich beendete Anrufe und für die Sprach­qualität verschärft.

Beste Sprach­qualität bei der Telekom

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Anrufe aufbauen und ohne Störungen zu Ende führen – in dieser Disziplin liegen Telekom und Vodafone etwa gleich­auf. Inner­halb von Städten erzielt die Telekom eine etwas höhere Erfolgs­rate als Vodafone, außer­halb liegt Vodafone knapp vorn. Die meisten Verbindungs­probleme zeigt O2 – besonders auf dem Land.

Egal ob in der Stadt, auf dem Land oder im Zug – die durch­schnitt­liche Klangqualität beim Telefonieren ist im Telekom-Netz am besten. Auch in dieser Disziplin schneidet O2 am schwächsten ab.

Verbindungs­probleme im Zug

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Bei Zugfahrten über­zeugt kein Mobil­funk­netz. Fast jeder dritte Anruf­versuch scheitert, oder das Gespräch bricht wegen Störungen oder schlechter Sprach­qualität ab. In den Waggons mit ihren metall­bedampften Scheiben sind Handys offen­bar einfach zu gut abge­schirmt. Nicht nur bei Telefonaten, auch beim mobilen Internet im Zug schwächeln alle Mobil­funk­netze – zwei mehr, zwei weniger.

Rufaufbau dauert und dauert

In einem anderen Punkt begeistert ebenfalls kein Netz: Die Rufaufbau­zeiten werden immer länger. Im Schnitt dauert es im aktuellen Test zehn bis elf Sekunden, bis sich das angerufene Handy meldet. Das ist auch eine Neben­wirkung einer eigentlich erfreulichen Entwick­lung: Die Netz­betreiber machen Fort­schritte beim Ausbau mit der modernen Daten­funk­technik LTE. Sie ermöglicht sehr schnelle mobile Internet­verbindungen. Zum Telefonieren eignet sie sich bislang aber nur begrenzt. In der Regel schalten Smartphones, die in ein LTE-Netz einge­bucht sind, zum Telefonieren noch auf eines der älteren GSM- oder UMTS-Netze zurück. Das kostet Zeit.

Schneller surfen dank LTE

Was das Telefonieren derzeit noch verlang­samt, beschleunigt das Surfen. Mobil­funkanbieter bewerben LTE oft mit aberwitzig hohen Daten­raten: Bis zu 300 Megabit pro Sekunde sollen sich über moderne LTE-Netze herunter­laden lassen – ein Vielfaches dessen, was ein typischer DSL-Anschluss leistet. Diese Werte sind eher theoretischer Natur und für Smartphonen­utzer kaum praxis­relevant. Für sie spielen andere Aspekte der LTE-Technik eine wichtigere Rolle: Sie entlastet die über­füllten UMTS-Netze und reagiert schneller auf Anfragen vom Handy, etwa um eine Webseite abzu­rufen. Und so schneiden beim mobilen Internet die beiden Anbieter mit Abstand am besten ab, die beim LTE-Ausbau am weitesten sind: die Telekom und Vodafone (Am modernsten: Telekom- und Vodafone-Netze).

O2 profitiert vom E-Plus-Netz

Inner­halb von Städten surfen O2-Kunden ähnlich schnell wie die von Vodafone. Dort bietet O2 mitt­lerweile oft LTE. Und wo O2 nicht über LTE verfügt, profitieren seine Kunden vieler­orts vom UMTS-Netz des ehemaligen Konkurrenten E-Plus. Für ihre UMTS-Netze haben die beiden Telefónica-Töchter das „Roaming“ – eng­lisch für Umher­schweifen – frei­geschaltet. Das heißt: E-Plus- und O2-Handys können sich in UMTS-Funk­zellen des jeweils anderen einbuchen (Zwei Netze, ein Anbieter).

Von der Regelung haben O2-Kunden die meisten Vorteile. Sie können das bessere UMTS-Netz von E-Plus nutzen. Im Test gehen fast 20 Prozent der Daten­verbindungen von O2 übers UMTS-Netz von E-Plus. In umge­kehrter Richtung ist es nur 1 Prozent.

E-Plus-Kunden profitieren dagegen nicht vom besseren LTE-Netz von O2: Das Roaming zwischen den beiden beschränkt sich bisher nur auf UMTS. Seinen dritten Platz im Test verdankt O2 somit wohl auch dem soliden UMTS-Netz von E-Plus.

Surf­probleme in der Bahn

Beim Internetsurfen im Zug kann keines der vier Netze tolle Erfolgs­raten vorweisen. Bei der Telekom und Vodafone sind sie aber immer noch besser als bei O2 und E-Plus. Beim Versuch, Seiten wie Facebook oder Spiegel.de anzu­surfen, kommt in den Telefónica-Netzen bei rund einem Drittel der Versuche keine erfolg­reiche Verbindung zustande, bei Telekom und Vodafone sind es nur 15 bis 25 Prozent. Wenn die Seiten erreicht werden, laden sie bei der Telekom am schnellsten, bei E-Plus am lang­samsten.

WLan als Alternative

In ICE-Zügen stellt die Telekom in einigen Wagen Internet­verbindungen über lokale WLan-Funk­netze bereit – für Bahnfahrer in der ersten Klasse kostenlos. Vieler­orts ist das wohl die bessere Möglich­keit, während einer Zugfahrt ins Netz zu gehen. Allerdings bauen auch diese Bord-WLans ihre Internet­verbindung über das Mobil­funk­netz auf, was nicht über­all funk­tioniert.

Telekom am besten, O2 am billigsten

Der Test hat einen klaren Sieger offen­bart: Wer das beste Mobil­funk­netz will, geht zur Telekom. Allerdings sind in den guten Netzen der Telekom und des Zweit­platzierten Vodafone die Hand­ytarife relativ teuer. Die güns­tigsten Preise gibt es derzeit im Netz von O2 (Test Smartphone-Tarife: Mit Volumentarif sparen, test 10/2015). Dieser Betreiber bietet zumindest inner­halb von Städten ebenfalls gute Telefon- und Daten­dienste. Für urbane, spar­same Smartphonen­utzer ist O2 damit attraktiver als das Schwesternetz von E-Plus. Spannend bleibt, wann die spanische Konzern­mutter Telefónica ihre deutschen Töchter O2 und E-Plus zu einem Netz verschmilzt – und wie schnell das gemein­same Netz dann beim LTE-Ausbau aufholen kann.

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