Mobil­funk­netze Test

Telekom, Vodafone, O2 oder E-Plus: Wer bietet das beste deutsche Mobil­funk­netz? Wo klappt es mit dem Telefonieren und mobilen Internet am besten? Zwei Hand­ynetze liegen vorn gleich­auf, E-Plus schwächelt.

Die Hand­ynetze sind im Stress. Noch nie haben die Deutschen so viel mobil telefoniert: 180 Milliarden Minuten waren es laut Branchen­verband Bitkom im vergangenen Jahr – fast 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das macht rund 37 Stunden im Durch­schnitt pro Bundes­bürger.

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Die Antennen auf dem Dach des Mess­wagens sorgten für gleiche Empfangs­bedingungen für alle Funk­verbindungen.

Noch viel rasanter als das Gesprächs­aufkommen nimmt der Daten­verkehr zu. Der hat sich 2010 sogar mehr als verdoppelt – auf 70 Millionen Gigabyte. Wichtigster Grund: Immer mehr Menschen besitzen ein Smartphone, mit dem sie auch unterwegs im Internet surfen, Musik oder Videos herunter­laden. Um dem Ansturm gerecht zu werden, müssen die Betreiber ihre Mobil­funk­netze ständig nach­rüsten.

Wie gut kommen die Netze mit der wachsenden Nach­frage klar? Geht sie auf Kosten der Sprach­qualität? Können Smartphone-Nutzer über­all mit brauch­barem Tempo surfen? Welche Hand­ynetze eignen sich auch als drahtloser DSL-Ersatz, um darüber mit dem Notebook ins Netz zu gehen?

Zwei Wochen Mess­fahrten

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Während der zweiwöchigen Test­fahrt wurden die Mess­daten kontinuierlich auf einem Notebook aufgezeichnet.

Während der zweiwöchigen Test­fahrt wurden die Mess­daten kontinuierlich auf einem Notebook aufgezeichnet.

Um das heraus­zufinden, haben wir einen großen Netztest durch­geführt. Voll­gestopft mit Mess­elektronik fuhr ein Testwagen eine große Schleife durch Deutsch­land. Zwei Fahrer wechselten sich ab, fuhren zwei Wochen lang 16 Stunden am Tag durch Nord und Süd, Ost und West, insgesamt über 4 000 Kilo­meter. Die Strecke ging über Auto­bahnen und Neben­straßen, durch dicht besiedelte Ballungs­gebiete, Kleinst­ädte und übers Land. Ergebnis: Fürs Telefonieren ist die Mobil­funk­versorgung in Deutsch­land alles andere als schlecht. Doch beim mobilen Internet gibt es ein klares Gefälle zwischen Stadt und Land – und zwischen den verschiedenen Netzen.

Nur wenige Funk­löcher

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Daten­verbindungen wurden über Surf­sticks aus den Shops der vier Netz­betreiber geprüft.

Daten­verbindungen wurden über Surf­sticks aus den Shops der vier Netz­betreiber geprüft.

Regelrechte Funk­löcher treten im Test erfreulich selten auf. Wenn Verbindungs­versuche scheitern, liegt es eher daran, dass sie vom Netz blockiert werden, etwa weil es gerade ausgelastet ist. Insgesamt ist die Netz­verfügbarkeit bei der Telekom am besten. Doch der Abstand zur Konkurrenz ist äußerst knapp. Auf dem Land scheitern im E-Plus-Netz etwas über 3 Prozent der Anruf­versuche, bei der Telekom sind es unter 2 Prozent. In Ballungs­gebieten liegt dagegen O2 mit einer Ausfall­quote von 2 Prozent knapp hinten. Bei der Telekom ist es hier nur 1 Prozent.

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Die Tests zur Sprach­telefonie erfolgten über vier Handys vom Typ Nokia 6720.

Die Tests zur Sprach­telefonie erfolgten über vier Handys vom Typ Nokia 6720.

Auch bei der Sprach­qualität zeigen alle Netze ein ganz über­wiegend ordentliches Niveau. Wer einen Handy­vertrag nur zum Telefonieren sucht, muss sich über die Sprach­qualität der Netze keine großen Sorgen machen. Sicher ist es zumindest auf dem Lande sinn­voll, im Vorfeld mit Sim-Karten (siehe Glossar) aus dem Bekann­tenkreis zu über­prüfen, ob nicht ausgerechnet die Wohnung oder der Arbeits­platz in einem der wenigen Funk­löcher des einen oder anderen Netzes liegen.

Ansonsten kann sich der Interes­sent bei der Suche nach dem besten Mobil­funk­netz und Anbieter aber auf den reinen Preis­vergleich beschränken.

Unterschiede beim UMTS-Ausbau

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Anders ist die Lage, wenn es per Mobil­funk auch ins Internet gehen soll. Hier zeigen sich im Test erhebliche Unterschiede. Hintergrund: Für Handy­gespräche reicht die ältere Mobil­funk­technik GSM völlig aus. Bei der Daten­über­tragung sind GSM-Netze jedoch ziemlich lang­sam. Richtig hohe Daten­raten kommen erst über modernere UMTS-Netze zustande, und auch dies nur, wenn das UMTS-Netz vor Ort mit der Beschleunigungs­technik HSPA aufgerüstet ist. Offen­bar haben alle vier Netz­betreiber für Sprach­verbindungen ordentliche Netze. Beim Ausbau der Daten­netze ergibt sich ein weit­aus differenzierteres Bild.

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Zwei deutliche Trends zeigt schon ein erster Blick auf die durch­schnitt­lichen Daten­raten, die sich im Test beim Herunter­laden großer Dateien ergeben (siehe Infografik „Daten­raten bei Downloads“). Ein Ergebnis: Die Daten­verbindungen auf dem Lande sind durchweg lang­samer als in Städten.

Für die Mobil­funkanbieter lohnt es sich eben mehr, dort in den Netz­ausbau zu investieren, wo es die meisten potenziellen Kunden gibt. Noch deutlich spannender ist freilich der Vergleich der Daten­netze unter­einander. Die Telekom und Vodafone liegen hier vorn, während das Netz von E-Plus erheblich lang­samer arbeitet als alle anderen – in Stadt und Land.

Schnelle Downloads mit der Telekom

Beim Herunter­laden von großen Dateien zeigt sich das Telekom-Netz schneller als die Konkurrenz. Doch auch Vodafone und O2 liefern selbst in ländlichen Gebieten noch durch­schnitt­liche Downloadraten von 1,9 beziehungs­weise 1,5 Megabit pro Sekunde. Das entspricht immerhin einem etwas lang­sameren DSL-2000-Anschluss. Für die meisten Anwendungen reicht das völlig aus. Im E-Plus-Netz liegt die mitt­lere Daten­rate bei Dateidownloads dagegen selbst in größeren Städten mit rund 900 Kilobit pro Sekunde deutlich nied­riger.

Schneller surfen mit Vodafone

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Etwas anders gruppiert sich das Test­feld, wenn es nicht um große Dateidownloads geht, sondern ums Surfen im Web. Um eine Webseite darzustellen, lädt der Browser nicht nach­einander wenige große, sondern parallel viele kleinere Bild- und Text­dateien. Das stellt andere Anforderungen an die Netze. Misst man die Zeit, die beim Laden einer stan­dardisierten Testseite verstreicht, liegt das Vodafone-Netz vorn. So braucht es auf dem Land im Durch­schnitt nur 10 Sekunden, bis die Seite voll­ständig geladen ist. O2 und Telekom benötigen hier 16 Sekunden (siehe Infografik „Warte­zeiten beim Surfen“). Auch hier liegt E-Plus weit abge­schlagen auf dem letzten Platz: Auf dem Land braucht der Browser ermüdende 37 Sekunden, in Ballungs­gebieten immer noch 24 Sekunden, bis die Seite geladen ist.

O2 als güns­tige Alternative

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Besonders wer mit Notebook und UMTS-Modem, dem sogenannten Surf­stick, das Mobil­funk­netz als Breitband­anschluss nutzen will, bekommt bei Telekom und Vodafone die schnellsten Verbindungen.

Doch auch das O2-Netz kann durch­aus als DSL-Ersatz taugen. Wer hier ein paar Abstriche bei den Daten­raten macht, kann unter Umständen ein paar Euro sparen. So gibt es im O2-Shop für 25 Euro im Monat eine Daten­flatrate, deren Daten­rate O2 erst ab 5 Gigabyte im Monat drosselt. Bei Vodafone kostet Vergleich­bares 30 Euro, bei der Telekom sogar 40 Euro.

E-Plus billig, aber lahm

Noch billiger ist die 5-Gigabyte-Flatrate mit einem Monats­preis von 20 Euro bei der E-Plus-Marke Base. Doch ist das E-Plus-Netz so lahm, dass es für DSL-verwöhnte Notebook­besitzer wohl nur einge­schränkt taugt. Allenfalls weniger anspruchs­volle Smartphone-Nutzer mögen zumindest in den Städten mit der Daten­über­tragung im E-Plus-Netz zufrieden sein. Doch auch die surfen in anderen Netzen schneller.

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