Das beste Hand­ynetz in Deutsch­land stellt die Telekom. Sie siegt im Test vor Vodafone. E-Plus zieht mit dem Erzrivalen O2 gleich.

Der eins­tige Verlierer hat mächtig aufgeholt. Weit abge­schlagen lag E-Plus jahre­lang bei der mobilen Internet­versorgung hinter der Konkurrenz. „Schluss­licht E-Plus“ hieß die Titelzeile beim Vorgängertest der Mobil­funk­netze im August 2011. Nun steht dieser Netz­betreiber gemein­sam mit dem ewigen Rivalen O2 auf dem dritten Platz. Dabei setzt E-Plus als einziger der vier Netz­betreiber bisher kaum die neue Turbo-Funk­technik LTE ein. Die sorgt auf den Spitzenplätzen für Klarheit: Beim Wett­rüsten mit LTE liegt die Telekom vorn – und besiegt im Test Vodafone.

Mess­fahrten durch Stadt und Land

Mobil­funk­netze Test

Kompakt. Das neue Mess­system passt in einen Ruck­sack. Der Mess­techniker steuert es von einem Tablet-Rechner.

In einer großen Schleife sind die Tester durch ganz Deutsch­land gefahren – auf Land­straßen und Auto­bahnen, aber auch durch neun Innen­städte. Unentwegt baute ihr Mess­system mit acht Smartphones Sprach- und Daten­verbindungen auf. In vier der neun Städte waren die Techniker auch zu Fuß unterwegs in Einkaufs­straßen, Bahnhöfen und auf der Grünen Woche – Berlins großer Agrar- und Lebens­mittel­messe. Unterwegs sendeten und empfingen sie E-Mails, luden Internet­seiten, riefen Videos ab. Sie maßen Daten­raten, Über­tragungs­zeiten und die Qualität der Video­über­tragung. Bei Telefon­verbindungen maßen sie unter anderem die Sprach­qualität und die Zeit des Rufaufbaus.

Mobil­funk­netze Test

Verstaut. Die Mess­ruck­säcke passen in eine Dachbox. Dieses Mess­system braucht keine Außen­antennen mehr.

Ein erfreuliches Ergebnis: Telefonieren klappt in allen vier Netzen gut. Die beste Abdeckung bietet die Telekom. In keinem anderen Netz gibt es weniger Verbindungs­abbrüche und fehl­geschlagene Anruf­versuche. Vodafone schneidet in diesem Punkt am schlechtesten ab: Rund sechs Prozent der Anrufe brechen ab oder kommen gar nicht erst durch (siehe Grafik: Erfolg­reich anrufen).

Telekom und E-Plus klar verständlich

Mobil­funk­netze Test

Grafik: Erfolg­reich anrufen.

Kommt die Mobil­funk­verbindung zustande, kann ein weiteres Ärgernis lauern: eine schlechte Sprach­qualität. Das heißt, der Gesprächs­partner ist nicht oder nur mit Mühe zu verstehen. In den Netzen von E-Plus und Telekom ist der Anteil solcher Mess­werte mit drei Prozent am geringsten.

Immer weniger Handy­besitzer nutzen ihr Gerät nur zum Telefonieren. Der Smartphone-Boom rückt die mobilen Daten­verbindungen stärker in den Vordergrund. Hier zeigen sich weit größere Unterschiede als bei der Sprach­telefonie.

Telekom und Vodafone mit Surf­vorteil

Mobil­funk­netze Test

Grafik: Schnell surfen.

Beim mobilen Internet ist die Versorgung in den Städten noch immer deutlich besser als auf dem Land – und bei Telekom und Vodafone besser als bei E-Plus und O2. So laden Webseiten in den Netzen von Telekom und Vodafone spür­bar schneller als bei den beiden anderen (siehe Grafik: Schnell surfen).

Auch beim Hoch- und Herunter­laden von Dateien schneiden sie besser ab als die Konkurrenz. Kein Wunder: Telekom und Vodafone haben beim LTE-Ausbau die Nase vorn. Die neue Funk­technik LTE soll die UMTS-Netze entlasten und mobile Daten­verbindungen von ungeahnter Geschwindig­keit bringen. Die Telekom marschiert voran: 71 Prozent der Daten­verbindungen im Test gehen bei der Telekom über LTE-Netze, bei Vodafone sind es 63 Prozent Neue Technik, alte Technik.

Jubel mit praxis­fernen Zahlen

Stolz auf ihre LTE-Netze sind beide Netz­betreiber. „Rasend ist das neue schnell!“, jubelt Vodafone und verheißt „Daten­raten bis zu 150 MBit/s“. Die Telekom wirbt: „Mega­schnell mobil surfen mit bis zu 150 MBit/s“. Der Stolz der Vorreiter ist berechtigt, doch die Zahlen aus der Werbung führen in die Irre. Daten­raten von 150 Megabit pro Sekunde – das wäre zehnmal so schnell wie ein typischer DSL-Anschluss. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Aus zwei Gründen: Erstens handelt es sich um Brut­todatenraten. Bei Internet­anschlüssen per Funk fällt ein höherer Anteil an Protokoll­daten an als bei kabel­gebundenen Verbindungen. Die tatsäch­lich nutz­baren Daten­raten sind also geringer. Zweitens handelt es sich um eher theoretische Maximal­werte. In der Praxis teilt sich ein Mobil­funk­nutzer die Band­breite eines Sendemasts mit allen anderen, die gerade in derselben Funk­zelle einge­bucht sind.

Für Smartphone-Nutzer haben sehr hohe Daten­raten ohnehin eine eher geringe Bedeutung. Sie sind vor allem hilf­reich für jene, die viele, sehr große Dateien herunter­laden – etwa weil sie den LTE-Funk mit einem Notebook nutzen.

LTE-Netze reagieren schnell

Smartphone-Nutzer profitieren viel mehr von einem anderen Vorteil der neuen LTE-Technik: Sie ermöglicht kürzere Reaktions­zeiten als die älteren GSM- und UMTS-Netze. So laden Webseiten beim Surfen per LTE tatsäch­lich schneller – aber nicht wegen irgend­welcher theoretischer Maximal-Daten­raten, sondern einfach deshalb, weil LTE-Netze schneller auf die Anfragen vom Handy reagieren.

LTE-Handys kosten nicht die Welt

Dieser Vorteil zeigt sich auch im Test – durch Schnel­ligkeit beim Internetsurfen genauso wie beim Hoch- und Herunter­laden von Dateien. Es kann sich also durch­aus lohnen, ein LTE-fähiges Handy anzu­schaffen. Die kosten kein Vermögen mehr. Heute sind schon viele Mittel­klasse-Smartphones für 200 bis 400 Euro mit dieser Technik ausgestattet.

Solides Internet auch ohne LTE

Derweil geht E-Plus einen anderen Weg und zeigt: Eine solide mobile Internet­versorgung ist auch ohne LTE möglich. E-Plus hat in den vergangenen Jahren offen­bar vor allem in den Ausbau seines UMTS-Netzes investiert. Im Test zieht der Netz­betreiber damit bei der Internet­versorgung fast mit O2 gleich. Erst nach Abschluss unseres Tests hat auch E-Plus ange­fangen, LTE-Funk­zellen frei­zuschalten.

Das O2-Netz ähnelt derzeit einem Flickenteppich: 37 Prozent der Internet­verbindungen im Test gehen schon über schnelle LTE-Netze, doch 32 Prozent noch über die alte GSM-Technik Neue Technik, alte Technik. Die ist erheblich lang­samer als UMTS. So surfen E-Plus-Kunden mancher­orts schneller als die von O2.

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