Mobil­funk

Die gesundheitlichen Sorgen

27.08.2019
Mobil­funk - Wie riskant ist Handy­strahlung? Ein Faktencheck
© Stiftung Warentest

Eine, wenn nicht die Haupt­sorge betrifft das Risiko für Tumore. Im Jahr 2011 stufte ein Gremium der Welt­gesund­heits­organisation Mobil­funk als „möglicher­weise krebs­er­regend“ ein. Seither kamen wichtige neue Studien hinzu.

Inhalt

Krebs­risiko: Was ergaben neue Tier­studien?

2018 wurden sehr große Tier­studien veröffent­licht. Für das US-amerikanische „National Toxicology Program“ (NTP) hatten Forscher mehrere Tausend Ratten und Mäuse Mobil­funk­strahlung verschiedener Frequenz und Stärke ausgesetzt – am ganzen Körper, täglich etwa neun Stunden, zwei Jahre lang. Ähnlich gingen Wissenschaftler vom italienischen Ramazzini-Institut vor, nutzten aber deutlich geringere Stärken der Bestrahlung.

Offene Fragen. Beide Studien fanden Hinweise auf erhöhte Raten an Hirntumoren. Noch deutlicher war der Zusammen­hang bei Tumoren am Herz. Der Effekt zeigte sich aber zum einen nur bei männ­lichen Ratten, zum anderen lebten diese in der NTP-Studie länger als unbe­strahlte Tiere. Auch andere Gründe erschweren die Interpretation. So waren die erhöhten Krebs­raten bei vielen untersuchten Frequenzen und Stärken so klein, dass sie auch der Zufall hätte bedingen können. Wir ließen die Studien durch unabhängige Toxikologen begut­achten. Ihr Fazit: Eine praktisch relevante Gesund­heits­gefähr­dung von Menschen lasse sich durch die Ergeb­nisse nicht ableiten.

Krebs­risiko: Was sagen Studien an Menschen?

Zu Mobil­funk gibt es mehrere Studien, vor allem zu Krebs im Gehirn. Denn es bekommt durch das Handy besonders viel Strahlung ab. Beispiels­weise wurden daher Patienten mit Hirntumor sowie Vergleichs­personen ohne diesen Krebs zu ihren Handyge­wohn­heiten in der Vergangenheit befragt. Teil­weise ergaben diese Unter­suchungen – vor allem die Daten der Arbeits­gruppe des mobil­funk­kritischen schwe­dischen Forschers Lenn­art Hardell – ein erhöhtes Risiko für bestimmte Tumore: für Gliome und Akustikusneurinome.

Kein großer Anstieg. Wenn diese Raten stimmen, müsste die Zahl der Hirntumore inzwischen welt­weit deutlich gestiegen sein – passend zur enormen Verbreitung der Handys. Laut Lang­zeit­erhebungen etwa aus Schweden, England, Australien, die seit 2016 erschienen, trifft das nicht zu. In einigen Studien nahmen einzelne Tumor-Unterformen zu, andere sanken. Wichtig ist, dass Forscher die Entwick­lung weiter im Auge behalten, da Krebs oft lang­sam entsteht. Das bedeutet Restrisiken, nach jetzigem Wissen aber geringe.

Schadet das Handy in der Hosentasche den Spermien?

Auch mit dieser Frage beschäftigten sich Studien. Beispiels­weise verglichen sie die Spermienqualität von Männern, die sich selbst als Viel- oder Wenigtelefonierer einstuften und teils noch angaben, wo sie ihr Handy bevor­zugt aufbewahren. Oder es wurden Samen­proben auf zwei Reagenz­gläser verteilt und dann Mobil­funk ausgesetzt oder nicht. Forscher der britischen Uni Exeter veröffent­lichten 2014 eine systematische Auswertung der Daten­lage zum Thema. Hand­ystrahlung scheint die Spermienqualität demnach zu mindern. Der Effekt ist mit höchs­tens 10 Prozent aber recht klein. Zudem haben die einbezogenen Studien teil­weise metho­dische Schwächen. Der Qualität der Spermien scheinen viele weitere Einflüsse der modernen Welt zu schaden, zum Beispiel hormon­aktive Chemikalien, Pestizide, Überge­wicht, Rauchen, Stress.

Was versteht man unter „Elektrosensibilität“?

Fachlich wird das Leiden auch „Elektromagnetische Hyper­sensitivität“ genannt. Betroffene nennen vielfältige Symptome wie Kopf­schmerzen, Konzentrations- und Schlaf­probleme, Erschöpfung, Depressionen. Doch ob wirk­lich Mobil­funk und Co sie verursachen, ist umstritten. Eine Auswertung österrei­chischer Forscher von 2015 bringt es auf den Punkt: In bisherigen Studien reagierten Personen vor allem dann empfindlich, wenn sie wussten, dass sie bestrahlt wurden. Laut der Analyse könnte der sogenannte „Nocebo-Effekt“ eine wichtige Rolle spielen – dass also schon die negative Erwartung zu Beschwerden führt.

Viel Leidens­druck. Dennoch sehen Experten noch Forschungs­bedarf – zumal Elektrosensible oft einen erheblichen Leidens­druck haben. Eine mögliche Anlauf­stelle sind umweltmedizinische Ambulanzen und Beratungsstellen. Im ersten Schritt ist ein Gespräch mit dem Haus­arzt sinn­voll, auch um andere mögliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen.

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