Mobilfunk SAR-Werte Meldung

Mobiltelefone senden Mikrowellen aus, die als potenzielle Krankmacher verrufen sind. Die Crux: Das Handy mit geringer Belastung bei gleichzeitig guter Funktion fanden wir nicht.

Handys haben sich in den letzten fünf Jahren als Gebrauchsgut bei Jung und Alt etabliert. Das macht uns mit dem Handy am Ohr oder dem Funkmast auf dem Dach zu Teilnehmern eines Großversuchs. Machen die Funkwellen krank? Bestätigt hat sich dieser oft geäußerte Verdacht bislang nicht ­ trotz der mehr als zehnjährigen Erfahrungen mit digitalen Mobilfunknetzen und weltweit mehr als 500 Millionen Handynutzern. Über Langzeitfolgen sagt das wenig aus, doch für eine erste Risikoabschätzung reicht es bereits. Fachleute meinen: Das Gesundheitsrisiko durch Mikrowellen ist mindestens um den Faktor 1.000 geringer als durch den Konsum so populärer Konsumgifte wie Alkohol und Nikotin.

Worauf gründen sich die Befürchtungen? Mikrowellen dringen ein paar Zentimeter tief unter die Haut und werden dort in Wärme umgewandelt. Diese Wärmewirkung nutzen Ärzte (sie verschreiben die "Kurzwelle"), sie wirkt auch in jedem Mikrowellenherd. So potent sind Handys jedoch bei weitem nicht: Ihre Sendeleistung beträgt maximal zwei Watt. Dieser Wert gilt für die D-Netze im 900-Megahertz-Band. In den E-Netzen beträgt das Maximum nur ein Watt (1.800-Megahertz-Band). Das ist, verglichen mit den 600 bis 1.000 Watt eines Mikrowellenherdes, schon sehr wenig. Mehr noch: Um ihren Akku zu schonen, reduzieren die Mobiltelefone die Sendeleistung automatisch immer so weit, dass sie gerade noch bis zum Funkmast durchkommen. Im besten Fall senden sie nur noch mit zehn Prozent ihrer maximalen Leistung.

Tipp:

Telefonieren Sie am besten im Freien oder am Fenster, denn im Fahrstuhl, im fensterlosen Bad und im Keller muss das Handy auf maximale Leistung schalten, weil es abgeschirmt wird.

Die vom Gesetzgeber festgelegte Grenze für den so genannten SAR-Wert (SAR steht für "Spezifische Absorptions Rate) soll die Erwärmung begrenzen. Die Telefone dürfen uns mit nicht mehr als zwei Watt pro Kilogramm Körpermasse belasten. Die gute Nachricht: Kaum ein Handy überschreitet die Marke von einem Watt pro Kilogramm (gemittelt über zehn Gramm Körpergewebe) deutlich, und keines kommt auch nur in die Nähe dieses Grenzwerts.

Gefährlicher Takt

Mobilfunk SAR-Werte Meldung

Erst maßen wir den SAR-Wert, dann prüften wir die Empfangseigenschaften. Den Dummys hat es nicht geschadet.

Im Visier der Handykritiker steht jedoch nicht der unproblematische und durch die Vorgabe eines maximalen SAR-Werts begrenzte thermische (Wärme-) Effekt der Funkwellen. Stein des Anstoßes ist vielmehr der Umstand, dass die Mobiltelefone nicht gleichförmig, sondern mit 217 "Funkblitzen" pro Sekunde senden. Dieser Takt, der Impulscharakter der Handyfunkwellen, wird hinterfragt. Aus den rund 20.000 internationalen Studien rund um den Mobilfunk ist bekannt, dass Körperzellen und der Stoffwechsel sowie einige Gehirnfunktionen durch gepulste Funkwellen beeinflusst werden. Die Forscher sprechen von athermischen Effekten. Diese Wirkungen konnten schon bei geringer Belastung festgestellt werden, noch bevor eine nennenswerte Erwärmung auftrat. Schade nur, dass sich viele dieser Studien widersprechen und viele von ihnen nicht wiederholt werden konnten.

Tipp:

Abstand hilft. Ist das Telefon nicht in der Jackentasche, sondern einen halben Meter oder mehr entfernt auf dem Tisch, reduziert sich die Belastung durch die Funkwellen enorm.

Für Wissenschaftler ist die widersprüchliche Datenlage ein Graus. Weder der Unschuldsbeweis noch die Bestätigung des Handys als Krankmacher sind darauf aufzubauen. Fatal: Niemand kann sagen, ob die athermischen Effekte an eine bestimmte Leistung des Handys geknüpft sind. Weil es solch einen Schwellwert unseres Wissens nach nicht gibt, hilft auch die Regelung des SAR-Wertes nicht weiter. Unnütz ist er trotzdem nicht: Ganz pragmatisch kann die Forderung erhoben werden, die Belas-tung auf das technisch mögliche Minimum zu reduzieren ­ auch ohne genaue Kenntnis der Risiken, orientiert allein am Grundsatz, Vorsorge zu tragen. Und natürlich in der Hoffnung darauf, dass eine geringere Belastung Risiken reduziert. Die immer geringere Abstrahlung bei Computermonitoren zeigt, dass in einem für die Kunden transparenten Markt (dort: Prüfzeichen wie MPR und TCO, hier der SAR-Wert) sehr schnell Fortschritte möglich sind. Dass die Monitore nicht nur strahlungsärmer, sondern gleichzeitig auch billiger wurden, kann als gutes Beispiel gelten. Zur Nachahmung wärmstens empfohlen.

Tipp:

Vor allem Vieltelefonierer und Jugendliche sollten vorsorgen und Handys mit geringem SAR-Wert kaufen.

Infos

: www.handywerte.de

Fauler Kompromiss

Mobilfunk SAR-Werte Meldung

Bislang haben Mobiltelefone mit geringem SAR-Wert mehr oder weniger große Probleme beim Verbindungsaufbau und dabei, die Verbindung auch bei schwachem Funknetz zu halten. Die Infografik bringt es an den Tag: Das geprüfte Nokia mit dem niedrigsten SAR-Wert dieser Runde zeigt sich schlechten Netzbedingungen nicht so gut gewachsen (kurzer rechter Balken) wie die Handys mit höherem SAR-Wert. Die Folge: Immer muss ein Kompromiss eingegangen werden. In der Stadt kann ein Handy mit einem niedrigen SAR-Wert durchaus störungsfrei laufen. Die Funkmasten stehen ja alle paar hundert Meter. Auf dem freien Land dagegen ist der geringe SAR-Wert Luxus ­ Funktion geht vor.

Tipp:

Wer ein Handy mit hohem SAR-Wert nutzt, kann die Belastung am Kopf durch ein Headset deutlich verringern.

Fazit:

Das Handy mit geringem SAR-Wert bei gleichzeitig guter Funktion haben wir noch nicht gefunden. Unsere exemplarische Untersuchung zeigt, dass ein guter (geringer) SAR-Wert mit schlechter Funktion einhergehen kann. Sie sieht im Punkt "Verbindung aufbauen und halten" bei schwachem Netz auch Handys mit Stummelantenne gegenüber denen mit integrierter Antenne im Vorteil. Beide Zusammenhänge sind nicht zwingend. In unserem letzten Handytest gab es beispielsweise das Siemens ME 45. Es behauptete sich auch unter schlechten Netzbedingungen sehr gut und hat dennoch eine integrierte Antenne. Die Handyentwickler bleiben nicht auf dem erreichten Niveau stehen ­ wir bleiben dran.

Dieser Artikel ist hilfreich. 373 Nutzer finden das hilfreich.