Die Staats­anwalt­schaft Berlin hat heute den 51-jährigen Berliner Notar Marcel E. verhaftet. Ihm werden banden­mäßiger und gewerbs­mäßiger Betrug in 18 Fällen vorgeworfen. Er soll „betrügerische Anlage­geschäfte“ beur­kundet haben. Kunden sollen mit allen Mitteln zur Unter­schrift unter Immobilien­verträgen gedrängt worden sein.

Tausende Käufer mit Schrottimmobilien reingelegt

Wie von Finanztest und anderen Medien berichtet Immobilien als Kapitalanlage: In der Ferne reingelegt (Finanztest 06/2010) und Dubiose Immobiliengeschäfte der DKB: Neue Fakten gegen die Bank (Finanztest 02/2011), wurden in Berlin mit Hilfe dubioser Mitter­nachts­notare Tausenden Anlegern Schrottimmobilien angedreht. Der Verkauf von völlig über­teuerten Immobilien lief immer nach der gleichen Masche ab: Nachdem man ahnungs­losen Menschen erklärt hatte, dass sie auf einfache Art Steuern sparen könnten, wurden sie zum Kauf einer meist minderwertigen Wohnung als Geld­anlage über­redet. Die Wohnung finanziere sich durch Steuer­vorteile und durch Miet­einnahmen quasi von selbst und lasse sich schon nach zehn Jahren mit Gewinn weiterverkaufen. Eine bessere Alters­vorsorge gebe es nicht. Funk­tionieren konnten die dubiosen Geschäfte nur, weil skrupellose Banken die über­höhten Kauf­preise anstands­los finanzierten und Mitter­nachts­notare die Verträge beur­kundeten. Siehe dazu auch den aktuellen Artikel Wohnungskauf: Fiese Notare unter Druck (Finanztest 08/2012).

Rechnungen gingen nicht auf

Doch die Rechnungen der dubiosen Immobilien­vermittler stimmten meist nicht. Die Kauf­preise für die Wohnungen waren oft viel zu hoch, die Miet­einnahmen und Steuer­vorteile viel geringer als voraus­gesagt. Teil­weise ließen Vermittler bei den Rechenbei­spielen für die Käufer sogar die Tilgung für das Wohnungs­darlehen weg, um eine güns­tige Finanzierung vorzutäuschen.

Die unrühmliche Rolle der Notare

Um Käufer erst gar nicht zum Nach­denken kommen zu lassen, wurde ihnen weis gemacht, dass es sich beim angebotenen Wohnungs­kauf um ein Schnäpp­chen handele. Nur wenn sie sofort einen Kauf­vertrag beim Notar unter­schrieben, könnten sie anderen Interes­senten zuvor­kommen. Man habe da einen Notar an der Hand, der auch außer­halb der Büro­zeiten Termine für Beur­kundungen frei habe. Bevor die Anleger den Kauf prüfen konnten, hatten sie sich durch die Beur­kundung des Angebots bereits zum Kauf der Schrottimmobilie verpflichtet.

Heftige Diskussion um Rolle der Notare

Der Verkauf von herunter­gekommenen Immobilien zu über­höhten Preisen an meist ahnungs­lose Kunden hatte in Berlin im letzten Jahr zu heftigen Diskussionen um die Rolle der Notare geführt. Der Vorgänger des jetzigen Berliner Justiz- und Verbraucher­schutz­senat­ors, Michael Braun, hatte sein Amt nach nur wenigen Tagen aufgegeben, weil ihm vorgeworfen wurde, zweifelhafte Verträge über Schrottimmobilien beur­kundet zu haben. Sein Nach­folger, Thomas Heilmann, will die bestehenden Vorschriften für Notare noch in diesem Jahr verschärfen. Ein Interview mit Heilmann finden Sie im Artikel Wohnungskauf: Fiese Notare unter Druck (Finanztest 08/2012).

Immobilienhändler zu Haft­strafen verurteilt

Bereits im Juni waren neun Immobilienhändler vom Land­gericht Berlin zu mehr­jährigen Haft­strafen verurteilt worden Schrottimmobilien: DKB haftet für Betrug. Sie hatten zehn Ehepaaren mit unseriösen Methoden völlig über­teuerte Immobilien vermittelt und dafür hohe Provisionen kassiert. Auch diese Geschäfte waren nur möglich, weil Notare ihre Pflichten verletzten und die dubiosen Verträge beur­kundeten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 104 Nutzer finden das hilfreich.