In Anti-Zecken-Mittel stecken ganz verschiedene Wirkstoffe, um die Blutsauger auf Abstand zu halten. Manche verwenden synthetische, andere werben mit natürlichen Wirkstoffen wie ätherische Öle. Doch auch die sind grundsätzlich nicht risikolos. Soweit vorhanden sollten die Herstellerangaben zur Sicherheit ernst genommen werden. test.de erklärt, was sich hinter den teils komplizierten Namen verbirgt.

Chemische Wirkstoffe

Diethyltoluamid (DEET): Weltweit am häufigsten verwendetes Repellent. Insgesamt dürfte das Risiko ernsthafter Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sehr gering sein. Trotzdem gibt es Risiken: Nach Anwendung von DEET-haltigen Produkten können allergische Reaktionen oder eine Dermatitis auftreten. In Einzelfällen führten längere Anwendungen und Aufnahme von DEET durch den Mund bei Kindern unter 8 Jahren zum Tod. Unstrittig ist, dass DEET möglicherweise fruchtschädigend und erbgutverändernd wirkt. DEET-haltige Produkte sollten nicht zusammen mit anderen pharmakologisch aktiven Substanzen aufgetragen werden, da die Aufnahme solcher Stoffe durch die Haut erhöht werden kann. Stets die niedrigste notwendige Konzentration verwenden. Für Mitteleuropa wird eine Konzentration von unter 30 Prozent DEET bei Erwachsenen und unter 7,5 Prozent bei Kindern empfohlen.

Picaridin (Synonyme: Icaridin, Bayrepel): Ein von der Bayer AG entwickeltes Repellent. Die Chemikalie ist weltweit in mehr als 50 Ländern registriert. Sie erhielt 2001 eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Stoff beeinflusst die Duftrezeptoren der Insektenantenne. Spezifische Wirtsdüfte werden wahrscheinlich nicht mehr erkannt. Den vorliegenden Daten zufolge dürfte das toxikologische Risiko geringer sein als beim bisherigen Standard DEET.

Ethyl-Butylacetylaminopropionat (IR3535): Weltweit in mehr als 150 Produkten vertrieben, seit 2001 von der WHO empfohlen. Über die Wirkungsweise des synthetischen Moleküls gibt es keinerlei Angaben. Keine insektizide Wirkung. Eventuell das Repellent mit den risikoärmsten toxikologischen Eigenschaften.

PMD und Citriodiol: PMD kommt natürlicherweise in Blättern einer bestimmten in China beheimateten Eukalyptus-Art vor, wird auch synthetisch hergestellt. Reines PMD ist extrem augenreizend. Daher gilt: Nicht in die Augen geben. Kinder dürfen das Produkt nicht selbst anwenden. Nicht auf Hände und Gesicht von Kindern auftragen. Hände nach Applikation gründlich mit Seife und Wasser waschen. Citriodiol enthält zusätzlich einen Mix verschiedener Stoffe. Aufgrund der wenigen Publikationen zu PMD und Citriodiol ist eine Beurteilung derzeit schwierig. Aus toxikologischer Sicht dürfte ein Mittel mit nur einem Wirkstoff (PMD) – bei gleichem Wirkstoffgehalt – günstiger zu bewerten sein als eines mit einem Gemisch zusätzlicher Substanzen.

Natürliche Wirkstoffe

Citronella: Ein aus bestimmten Gräsern gewonnenes Öl. Die Hauptbestandteile Terpenalkohole wie Geraniol und Citronellol sowie das Terpenaldehyd Citronellal variieren je nach Öltyp. Je nach Konzentration kann Citronella Haut und Schleimhäute reizen.

Neemöl: Es enthält mindestens 35 verschiedene aktive Substanzen. Einer der Hauptbestandteile ist Azadirachtin. Neemöl wird in letzter Zeit sehr stark propagiert und seine „Ungiftigkeit“ unter Hinweis auf die jahrtausendlange Verwendung in Indien herausgestellt. Nach Aufnahme durch den Mund wurde bei Kindern in Indien jedoch das Reye-Syndrom beobachtet. Das ist eine lebensgefährliche Lebererkrankung. Außerdem kann Azadirachtin Haut und Augen reizen. Bei Aufnahme über die Haut ist es möglicherweise gesundheitsschädlich.

Lavendelöl: Hauptbestandteile des Öls sind Linalool, Limonen und Geraniol. Kann Haut und Augen reizen und bei Aufnahme über die Haut gesundheitsschädlich sein.

Minzöl: Hauptbestandteil ist Menthol. Es kann Augenschäden verursachen. Neben Reizwirkung auf Haut, Augen und Schleimhäute ist eine potentiell sensibilisierende Wirkung bei längerer Anwendung nachgewiesen.

Ätherische Öle: Davon abgesehen, dass sie manchmal einen unangenehmen Duft verströmen, sind ätherische Öle auf der Haut nicht völlig unkritisch. Die bekanntesten gesundheitlichen Probleme sind Kontaktallergien, die meist bei Anwendungszeiten von mehr als einer Stunde entstehen, was bei Repellents notwendig und üblich ist. Bei bestimmten Ölen kann die Haut auch lichtempfindlich werden. Einige Inhaltsstoffe wirken bei entsprechender Konzentration neurotoxisch. Ein Problem bei der Beurteilung der Öle ist die potentielle Vielzahl enthaltener Substanzen. Auch dürfte die Zusammensetzung der Öle je nach Charge schwanken.

Fettsäuren und Kokosextrakt: Dass Kokosöl einen insektenabwehrenden Effekt hat, ist seit langer Zeit bekannt. Laurinsäure ist eine gesättigte Fettsäure, die auch in menschlicher und tierischer Milch sowie in Erdbeeren enthalten ist. Über den Wirkmechanismus als Repellent ist jedoch nichts bekannt. Laut Studien potentiell augen- und hautreizende Eigenschaften.

Fazit: Hersteller, die damit werben, dass ihre Produkte nur pflanzliche Inhaltsstoffe enthalten, setzen darauf, dass diese als harmlos gelten. Doch selbst gängige Nahrungspflanzen können giftig sein. Daher gilt: Alle Zeckenmittel sollten möglichst sparsam verwendet werden.

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