10 von 14 Sprays verderben sowohl krabbelnden als auch fliegenden Plage­geistern den Appetit. Zwei Mittel schützen fast gar nicht.

Auf diesen Moment wartet die kleine Zecke seit einem Jahr: endlich warmes Menschen­blut schlürfen. Nun befördert ein Haar­pinsel sie direkt ins Paradies, auf den nackten Unter­arm eines jungen Mannes. Für die Zecke gibt es kein Halten mehr. Sie krabbelt den Arm hinauf auf der Suche nach einem feucht­warmen Plätz­chen, an dem sie genüss­lich zustechen kann. Doch die Vorfreude findet ein jähes Ende. Die empfindlichen Riech­haare des Blutsaugers wittern plötzlich unangenehme Gerüche. Das Tier lässt sich vom Arm fallen. Sein Ausflug endet, wie er begonnen hat: hung­rig im Laborgefäß.

Die kleine Zecke ist unfreiwil­lig Versuchs­teilnehmer im Prüf­institut der Stiftung Warentest. Dass sie abstürzt, liegt an dem Anti-Zecken-Mittel, mit dem der junge Mann seinen Unter­arm einge­rieben hat. Er ist einer der Probanden, die für uns Schutz­sprays auf ihre Wirkung auf die unangenehmen Tiere testen. Selbst wenn die Zecke ihn gestochen hätte, wäre das nicht gefähr­lich geworden: Die Labortiere sind frei von Krank­heits­erregern.

Wirk­sam gegen Zecken und Mücken

Einge­kauft haben wir vier Anti-Zecken-Mittel sowie zehn Kombipro­dukte, die zusätzlich Schutz vor Mücken ausloben. Die Besten aus beiden Gruppen wehren Zecken sechs Stunden lang zuver­lässig ab und vereiteln Mücken­stiche für bis zu acht Stunden. Am Ende erweisen sich zehn der Produkte als gut. Zwei sind mangelhaft, weil sie fast gar nicht vor den stechenden Tieren schützen. Das Gesamt­ergebnis ist deutlich besser als die Resultate der letzten Tests, in denen die meisten Produkte nur ausreichend oder mangelhaft abschnitten.

216 Zecken pro Mittel

Zecken. Insgesamt 3 024 der kleinen Spinnentiere krabbelten im Prüf­institut über die Unter­arme unserer sechs Probanden.
Vorbereitet. Ober­halb der zweiten Linie liegt das mit einem Spray behandelte Haut­areal. Läuft die Zecke hinein?

Zurück ins Labor: Für den nächsten Wirk­samkeits­test hält der Proband seinen Arm senkrecht nach unten und setzt ein neues Exemplar der hier­zulande am meisten verbreiteten Zecken­art Gemeiner Holz­bock (Ixodes ricinus) auf die unbe­handelte Haut über dem Hand­gelenk.

Aufgesetzt. Mit dem Pinsel platziert der Proband eine Zecke auf der Start­linie. Sie rennt los (Foto links).
Abge­schreckt. Die Zecke nähert sich der einge­sprühten Testzone − und macht schnur­stracks kehrt (Foto rechts). Das Mittel hat gewirkt.

Das Tier krabbelt instinktiv aufwärts, um eine Stelle mit zarter Haut zu suchen, an der es ungestört saugen kann. Weiter oben am Arm befindet sich das mit einem Test­produkt behandelte Hauta­real. Im besten Fall stoppt die Zecke davor. Betritt sie es, soll sie zurück­laufen oder abfallen. Wenn sie das Areal nicht inner­halb von fünf Minuten über­quert, gilt der Versuch als erfolg­reich.

Am zuver­lässigsten schützt gegen Zecken Anti Brumm Forte. Während der gesamten Versuchs­reihe betrat nur eines von 216 aufgesetzten Tieren die behandelte Haut der sechs Probanden – und ließ sich anschließend doch fallen. Anti Brumm Zecken Stopp, Autan Protection Plus sowie Ross­mann Zeckito wirkten ähnlich effektiv.

Braeco Zecken Abwehr wurde seinem Namen nicht gerecht: 200 der 216 Exemplare über­querten die Tabuzone, wurden also nicht abge­wehrt. Zedan Natürlicher Insekten­schutz ließ 113 Über­läufe zu. Beide Mittel sind damit mangelhaft.

Das Risiko sticht mit

Funk­tioniert Zecken­schutz nicht oder nur unzu­verlässig, kann es gefähr­lich werden: Die kleinen Tiere können Krankheiten über­tragen − in Deutsch­land vor allem die bakterielle Lyme-Borreliose sowie die durch Viren ausgelöste Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Hirnhaut­entzündung.

Vor FSME kann eine recht­zeitige Impfung schützen, vor Lyme-Borreliose, die einen gefähr­lichen Verlauf nehmen kann, nicht. Auch nach einer FSME-Impfung sollte deshalb auf wirk­samen Zecken­schutz nicht verzichtet werden.

Tipp: Unser Online-Special Zecken informiert Sie darüber, wie hoch die Anste­ckungs­gefahr für Lyme-Borreliose und FSME in verschiedenen Regionen Deutsch­lands ist und welche Behand­lungs­möglich­keiten es gibt.

Mücken schlagen oft blitz­schnell zu

Mücken. Insgesamt 2 340-mal stachen Gelbfieber- und südliche Hausmü­cken unsere fünf Probanden.
Spiegelblick. Im Prüf­raum beob­achtet eine Probandin, wann und wo die Mücken ihren einge­sprühten Unter­arm stechen (Foto links).
Mangelhaft. Spätestens nach einer Stunde ist Schluss: Zedan wirkt nicht mehr (Foto rechts).

Nur drei Blutmahl­zeiten benötigen Zecken in ihrem etwa drei Jahre währenden Leben, um sich entwickeln und fort­pflanzen zu können. Den Groß­teil ihres Daseins verbringen sie mit − Warten. Mücken sind deutlich aktiver: Sie verfolgen ihre Opfer, atta­ckieren heftig und stechen meist schnell zu. Fünf Probanden haben sich davon nicht abschre­cken und für den zweiten Teil unseres Tests insgesamt mehr als 2 300-mal stechen lassen.

Wie gut die Sprays wirken, haben unsere Tester mit der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) sowie der südlichen Hausmücke (Culex quinquefasciatus) über­prüft. Die beiden Insekten sind typische Vertreter ihrer Art und weit verbreitet.

Tagaktiv und aggressiv

In subtropischen und tropischen Regionen kann Aedes aegypti Gelbfieber sowie Dengue- und Zikafieber über­tragen. Sie kommt auch in Madeira, Russ­land und der Türkei vor. Die Art sticht tags­über zu, kann deshalb recht leicht bemerkt und häufig vertrieben werden. Dafür ist sie aggressiver als die südliche Hausmücke, die ihre Opfer in der Dämmerung und nachts heimsucht.

Gegen die stech­freudige Aedes aegypti hilft nur die Hälfte der untersuchten Sprays sehr gut. Vor den lästigen Hausmü­cken schützen 11 der 14 Produkte ausgezeichnet. Braeco und Zedan hingegen sind gegen Mücken annähernd so wirkungs­los wie gegen Zecken.

Tipp: Wir haben den Mücken­schutz auch bei den Mitteln getestet, die nur Abwehr von Zecken versprechen. Bei einem funk­tioniert er hervorragend (Testergebnisse: Zecken- und Mückenschutzmittel). Ins test-Qualitäts­urteil einge­rechnet haben wir die Ergeb­nisse zum Mücken­schutz nur bei Produkten, die damit werben.

Keine Wirkung ohne Neben­wirkung

Keines der Mittel im Test schneidet im Prüf­punkt Gesundheit besser ab als befriedigend, die Hälfte sogar nur ausreichend. Wichtigste Gründe für die schwachen Noten sind, dass enthaltene Wirkstoffe die Augen reizen oder allergische Reaktionen auslösen können. Das passierte auch bei unserer Prüfung: Die Haut einer Probandin zeigte gegen Ende des Tests eine allergische Reaktion. Die Frau musste aufgeben.

Tipp: Setzen Sie die Zecken- und Mücken­schutz­mittel nur gezielt ein, zum Beispiel direkt vorm Wandern. Beachten Sie unsere Hinweise zu Zecken- und Mückenschutzmittel. Nach der Rück­kehr aus der Natur empfiehlt es sich, die Reste des Mittels vorsorglich abzu­waschen.

Besser als früher

Im Vergleich mit den Tests von 2008 und 2014 (Test Mückenmittel) sind die Anwendungs­hinweise der Produkte heute oft präziser formuliert. Richtig dosiert, bieten die guten Mittel recht lange einen zuver­lässigen Schutz. Gut für Verbraucher, schlecht für unzäh­lige Zecken und Mücken. Ihre Fasten­zeit geht weiter.

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