Mittel gegen Zecken: 12 von 20 "mangelhaft"

Bei Anti-Zecken-Mitteln klaffen riesige Lücken zwischen Werbung und Wahrheit. Die meisten Anbieter versprechen stunden­langen Schutz vor Zecken. Im Test konnten Sprays und Lotionen jedoch oft wenig gegen hungrige Vampire aus­richten. Bei einigen Mitteln stürzten sich die Biester sogar schon nach wenigen Minuten auf ihre Beute.

Kaum Wirkung

Dieser Test war nichts für Arachnophoben: Um die Wirksamkeit der Mittel zu testen, bekamen die Testpersonen runde Kupferplättchen auf ihre Oberschenkel geklebt. 30 Minuten nach Auftragen des Anti-Zecken-Mittels wurden je zwei hungrige Jungtiere auf dem Plättchen abgesetzt. Alle fünf Minuten kamen zwei frische Zecken hinzu. Blieben die Spinnentiere auf dem Plättchen oder ließen sich zu Boden fallen, wirkte der Schutz. Krabbelten sie jedoch munter auf die Haut, hatte das Zecken-Mittel versagt. Zwei Sprays taten sich durch besonders kurzen Schutz hervor: Bei Braeco Zecken Abwehr und Pharma Brutscher Zeckenspray gingen die blutrünstigen Vampire schon nach wenigen Minuten auf Jagd.

Gefürchtete Krankheiten

Mit Zeckenstichen ist nicht zu spaßen. Denn die Blutsauger können zwei gefährliche Infektionskrankheiten übertragen: Die durch Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, und die durch Viren verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. FSME kann zu einer Erkrankung des Gehirns und der Hirnhäute führen. Die Lyme-Borreliose geht mit grippeähnlichen Symptomen einher. Im weiteren Verlauf sind auch Gelenkschmerzen und Muskellähmungen möglich. Typisch für die Lyme-Borreliose ist ein roter Fleck oder ein Bereich mit rotem Rand, die so genannte Wanderröte. Sie wird oft erst ein bis zwei Wochen nach dem Stich sichtbar. Rechtzeitig erkannt, kann Lyme-Borreliose mit Antibiotika behandelt werden.

Zu viel versprochen

Mittel gegen Zecken: 12 von 20 "mangelhaft"

Fast alle Hersteller versprechen lang anhaltenden Schutz vor Zecken. Auf vielen Verpackungen steht: „Schützt zuverlässig bis zu 4 Stunden“ oder „Bis zu 6 Stunden Abwehr“. Solche Versprechen suggerieren Sicherheit, die die Mittel jedoch nicht bieten. Im Schnitt wirkten sie nur zwischen einer und drei Stunden. Dabei ist zu beachten, dass die Wirkdauer je nach Nutzer variiert. Bei manchen Testpersonen hielt Zanzarin Zeckenschutz sechs Stunden, bei anderen nur 40 Minuten. Niemand sollte sich daher auf die versprochene Wirkdauer verlassen. Wegen der erheblichen Unterschiede zwischen angegebener und tatsächlicher Wirkdauer lautet das test-Qualitätsurteil für 12 Zeckenmittel „Mangelhaft“.

Vorsicht Nebenwirkungen

Mittel gegen Zecken bestehen aus chemisch synthetischen und zunehmend auch aus natürlichen Substanzen. Viele Produkte enthalten zum Beispiel ätherische Öle. Allerdings sind auch sie nicht risikolos. Teebaumöl kann die Haut lichtempfindlich machen und Allergien auslösen. Kokosfett kann Augen, Haut und Schleimhäute reizen. Auch der natürliche Wirkstoff Citriodiol ist potenziell schleimhautreizend. Viele Rezepturen enthalten Substanzen, deren Wirkprinzip bisher unklar oder unbekannt ist.

Biozid-Registrierung

Selbst wenn sie zum Teil kaum wirken, müssen Zeckenmittel als Biozide gemeldet und gekennzeichnet werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verteilt Registriernummern für angemeldete Biozide. Diese müssen auf der Verpackung stehen. Auf fünf Zeckenmitteln mit natürlichem Wirkstoff fehlt die Nummer jedoch. Braeco Zecken Abwehr, care-Plus Natural Tick Deo, Pharma Brutscher Zeckenspray, Anti-Mosquitan Antizecken und Zanzarin Zeckenschutz hätten also nicht verkauft werden dürfen.

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