Mittel gegen Schimmel Test

Schimmelflecken sind nicht nur hässlich, sondern auch gefährlich. Wer die Ursachen nicht beseitigt und zur chemischen Keule greift, treibt den Teufel nur mit dem Beelzebub aus.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Anti-Schimmel-Mittel.

Willy W. war stinksauer. Vor zwei Jahren hatte er ein neues Haus bezogen und nun schimmelte es im Keller. Zu viel Baufeuchte, schlechte Kellerabdichtung, defekte Rohre? Mithilfe der Stiftung Warentest machte er sich an die Ursachenforschung und wurde fündig: Als Schutz vor Feuchtigkeit hatte der Architekt im Keller eine Zwangslüftung einbauen lassen.

Was für den Winter gut war, bewirkte im Sommer das Gegenteil. Feuchtwarme Luft strömte dann in den kühlen Keller, Wasser kondensierte an Wänden und Einrichtung. Ähnlich wie auf einer Flasche, die man im Sommer aus dem Kühlschrank holt. Willy W. musste nur die Kellerlüftung bei hohen Außentemperaturen ausschalten. Und schon war das Problem dauerhaft gelöst.

Das Beispiel zeigt: Wer die Schimmelursache kennt, kann gezielt handeln und gegen die Feuchtigkeit vorgehen. Viele unterschätzen die Luftfeuchtigkeit, die beim ganz normalen Wohnen entsteht: durch Atmen, Schwitzen, Duschen, Wäschewaschen, Putzen, Kochen, Geschirrspülen oder durch Hobbys wie Aquarien oder Zimmerpflanzen. In einem Mehrpersonenhaushalt ist das oft mehr als ein 10-Liter-Eimer voll Wasser pro Tag.

Tipp: Je dichter Ihre Fenster schließen und je mehr Menschen in der Wohnung leben, desto wichtiger ist richtiges und häufiges Lüften, um zu hohe Luftfeuchtigkeit zu vermeiden.

Risiko nicht nur für Allergiker

Mittel gegen Schimmel Test

Ob die Mittel Schimmelpilzsporen in einer Test-Suspension abtöten, zeigt sich nach dem Bebrüten der Nährböden. Links der Erfolg eines sehr guten Produkts. Bei einem mangelhaften Antischimmelmittel wachsen die schwarzen Pilze (Aspergillus niger) zahlreich weiter.

Mit Schimmelpilzen ist nicht zu spaßen. Verdachtsmomente sind muffiger Geruch, Wasserflecken und – im Winter – feuchte Fensterrahmen und stark beschlagene Brillengläser beim Betreten der Wohnung. Dass ein solcher Verdacht leider nur allzu oft begründet ist, beweist die Umweltanalyse Schimmelpilze der Stiftung Warentest.

Unter Zigtausend deutschen Dächern ist die Luft mit Pilzsporen belastet – Tendenz steigend. Eingeatmete Pilzsporen können allergische Reaktionen verursachen, Schleimhäute reizen und zu Atemwegserkrankungen führen. Im typischen muffigen Schimmelgeruch sind auch Mykotoxine enthalten. Das sind von den Pilzen produzierte Giftstoffe, die den Körper schädigen und im Extremfall sogar Krebs erzeugen können.

24 Mittel im Test

Mittel gegen Schimmel Test

Test auf sporenhaltigem Nährboden: In die ausgestanzten Löcher wurden die Mittel geträufelt – und zwar pur (oben), verdünnt (links 10fach, rechts 100fach), zum Vergleich Wasser (unten). Die Größe der nicht von schwarzen Pilzen bewachsenen „Hemmhöfe“ zeigt die Wirkung.

Zur direkten und vorbeugenden Schimmelbekämpfung gibt es Mittel. Wir haben 24 getestet, vor allem Sprays und Hausmittel, mit denen man sichtbaren Schimmelbefall unter Beschuss nehmen kann. Wichtigstes Kriterium der Untersuchung war die Wirksamkeit. Dazu züchteten wir unzählige Schimmelpilzsporen auf Nährböden heran, um ihnen dann in verschiedenen Testverfahren den Garaus zu machen. Oder auch nicht. So erwies sich das „KoWa Positiv-Wasser mit Antipilzwirkung“ als Flop: Positiv reagierten hier nur die Pilze und vermehrten sich munter weiter. Genauso als wenn man normales Wasser versprüht. Unser Urteil: „mangelhaft“.

Einige Mittel dagegen bestanden alle Härtetests mit todsicherem Erfolg. Auf Gipskartonplatten, Silikonfugen, Papier und speziellen Kulturflächen – überall hatten die Pilze bei ihnen wenig Überlebenschancen. Und das, obwohl wir den Mikroorganismen optimale Wachstumsbedingungen boten.

Alkohol als Sporenkiller

Auch Hausmittel können den Schimmel sehr wirksam bekämpfen. Vor allem das Besprühen mit Alkohol, Brennspiritus oder Essigessenz war erfolgreich. Und immerhin befriedigend funktionierte die Behandlung mit Borax-Lösung.

Tipp: Im Gegensatz zu anderen Mitteln verflüchtigt sich Alkohol relativ schnell. Er ist deshalb nur als direkt wirkender Schimmelkiller geeignet. Vorteil: Es bleiben keine bedenklichen Rückstände zurück. Nachteil: die Feuergefährlichkeit.

In besonders schwierigen Fällen kann auch eine vorbeugende Wirkung gegen Schimmel wichtig sein. Zum Beispiel wenn ein Vermieter eine kalte Außenwand erst einmal nicht dämmen will. Um dann die gefährdete Badinnenwand des Mieters vor Schimmel zu schützen, kann eine spezielle Wandbeschichtung helfen.

Auch solche Produkte haben wir getestet – von Feuchtraumfarbe über fungizide Farbzusätze bis hin zu Kalkfarbe. Am besten schnitten die beiden Wandfarben von Caparol und Alpina ab. Trotz künstlicher Alterung und häufiger Befeuchtung hielten beide Anstriche dem Angriff der Pilze stand. Auch andere Produkte zeigten immerhin eine pilzhemmende Wirkung – zumindest während unseres Untersuchungszeitraums.

Dauerhaften Schutz können die Mittel aber kaum bieten. Das gilt auch für die oft empfohlene alkalische Behandlung gefährdeter Flächen, zum Beispiel mit Kalziumhydroxid. Und auch der „Kreidezeit Schimmelknacker“ hielt nicht, was sein Name verspricht.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Anbieter müssen mit ihren Rezepturen einen Spagat machen: Einerseits sollen die Chemikalien für die Pilze tödlich oder wachstumshemmend wirken, andererseits dürfen sie Mensch und Umwelt nicht gefährden. Beides zusammen gelingt nur selten. So steht der Wirkstoff Carbendazim unter Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Und die Isothiazolinone und Benzalkoniumchlorid können Allergien auslösen. Chlorhaltige Mittel reizen Atemwege, Haut und Augen. Gefährlich viel Chlorgas wird freigesetzt, wenn diese Mittel mit Säure zusammentreffen, zum Beispiel sauren Badreinigern.

Da stößt es doch sauer auf, wenn Anbieter die Probleme verharmlosen. „Für Mensch und Tier ungefährlich“ ist auf der Flasche von Delu Schimmel Ex zu lesen. Anders auf dem nur auf Nachfrage erhältlichen Sicherheitsdatenblatt. Da wird vor Einatmen, Haut- und Augenkontakt gewarnt. Und die Zinser Perma-White-Dose enthält trotz Deklaration („ohne Lösungsmittel oder Giftstoffe“) Fungizide und Ethylenglykol.

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