Mittel gegen Schimmel

Mittel gegen Schimmel: Haus­mittel und chemische Keulen im Test

23.12.2013
Mittel gegen Schimmel - Haus­mittel und chemische Keulen im Test
Schöner Pilz. Unterm Mikroskop sind die – hier violett gefärbten – Frucht­körper mit ihren Sporen sicht­bar.

Schimmelflecken sind häss­lich und gefährden die Gesundheit. Fast alle Sprays und Anstriche im Test bekämpfen sie erfolg­reich. Einige bergen Risiken.

Mittel gegen Schimmel Testergebnisse für 28 Mittel gegen Schimmel 01/2014

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Wir wollen nicht unfair sein: Grund­sätzlich sind Schimmelpilze nützliche Zeitgenossen. In Feld, Wald und Garten helfen sie mit, abge­storbene Pflanzen in Humus zu verwandeln. Fühlen sie sich wohl, vermehren sie sich und produzieren viele Sporen. Ob daraus wieder neuer Schimmel wächst, hängt davon ab, wohin der Wind weht. Hat die Spore Pech, landet sie in einem Haus, das gut geheizt und belüftet wird. Das ist oft ihr Todes­urteil.

Paradies für Pilze

Hat die Spore Glück, trans­portiert der Luft­zug sie mitten ins Paradies. Zum Beispiel in ein muffiges, feuchtes Bade­zimmer. Dort findet sie Halt an einer Wand ohne Wärmeschutz. Im Winter kondensiert an dieser kalten Stelle jede Menge Luft­feuchtig­keit. Im wäss­rigen Mikroklima keimt die Spore, der Pilz wächst und gedeiht und vermehrt sich massenhaft. Der Spore Freud ist des Menschen Leid: Zum Vorschein kommt ein Schimmelfleck.

Der Fleck muss weg

Entdecken die Bewohner den Pilzbefall, sitzt der Schreck oft tief. Schimmel ist nicht nur häss­lich, sondern auch gesund­heits­schädlich. Ein Bekämpfungs­mittel muss her. Doch welches? Alle 20 im Test geprüften Sprays und Lösungen töten Pilze. Hypochlorithaltige wirken wie „chemische Keulen“. Sie treffen nicht nur den Schimmel, sondern belasten auch die Atemwege der Anwender. Eine bessere Wahl sind gute Produkte mit weniger Neben­wirkungen, etwa das Haus­mittel Alkohol oder Wasser­stoff­per­oxid. Damit die Flecken sich nicht erneut ausbreiten, muss ein pilzfeindliches Klima her: Je trockener und wärmer die Wände, desto weniger Chancen haben die Mikro­organismen. An Problem­stellen helfen gute Anti-Schimmel-Farben.

Schöner Tod im Test­labor

Im Brut­schrank des Labors dürfen sich die Schimmelpilze zunächst richtig wohl­fühlen. Well­ness pur erleben sie auf glibb­rigen wasser­haltigen Nähr­böden in durch­sichtigen runden Petrischalen. Ideale Bedingungen zum Wachsen und Vermehren. Schnell sind die Kulturen von flauschigen dunklen Belägen über­zogen. Die Vertreibung aus dem Pilz­paradies kann beginnen.

Schon die erste Prüfung endet für mehr als 99,9 Prozent der beteiligten Sporen tödlich. Die Labor­mit­arbeiter geben sie direkt in eine Nähr­lösung hinein, fügen aber immer auch eine kleine Menge der zu prüfenden Anti-Schimmel-Mittel hinzu. Das führt in sämtlichen Proben zu einem Massen­sterben. Es ist der Beweis dafür, dass alle Produkte wirk­same Biozide enthalten. Das Wort bedeutet „lebens­tötend“. Experten bezeichnen so chemische Substanzen, die Mikro­organismen töten. Sind Pilze die Opfer, heißen die Wirk­stoffe Fungizide.

Wie effizient die Anti-Schimmel-Mittel unter Praxis­bedingungen killen, zeigt ein Test mit weiß­gestrichenen Gips­kartonplätt­chen. Auf ihnen gedeihen die Pilze im Brut­schrank prächtig. Doch Sprays mit Natrium­hypochlorit, die „Aktiv­chlor“ freisetzen, vernichten sie radikal. Genauso stark wirken die Schimmel­entferner von Mem, FLT, Toom, Hellweg und Max Bahr mit speziellen Fungiziden.

Auch Alkohol killt

Experten vom Umwelt­bundes­amt warnen vor Fungiziden, „da nicht auszuschließen ist, dass diese Wirk­stoffe über eine lange Zeit in den Innenräumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohner gefährden“. Sie empfehlen statt­dessen Alkohol. Nach Abschluss der Behand­lung bleiben keine Chemikalien in der Wohnung zurück.

Tipp: Brenn­spiritus und Isopropyl­alkohol wirken direkt und sofort. Danach verflüchtigen sich die Alkohole. Wichtig ist gutes Lüften. Wasser­stoff­per­oxid verwandelt sich in Wasser und Sauer­stoff. Um einen besseren Effekt zu erzielen, sollten Sie derartige Mittel nicht nur einmal auf die befallene Stelle auftragen, sondern mindestens zweimal.

Zu viel versprochen

Der Anbieter Ago bewirbt seine Produkte so: Der Schimmel­entferner wirke „extrem lange“, der Quart Schimmelstop verhindere „15 bis 18 Monate“ Schimmelbe­wuchs. Das ist stark über­trieben. Tatsäch­lich waren Pilze auf den Prüfflächen schon nach drei Wochen sicht­bar. Das Urteil für Verwendungs­hinweise lautet daher mangelhaft.

Mittel gegen Schimmel Testergebnisse für 28 Mittel gegen Schimmel 01/2014

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Optische Täuschung durch Bleiche

Wer schon einmal natrium­hypochlorithaltige Mittel gegen Schimmelflecken einge­setzt hat, kennt ihre Bleich­wirkung. Dunkle Schimmelflecken scheinen zu verschwinden. Tatsäch­lich handelt es sich bei dem Effekt zumindest teil­weise um eine optische Täuschung. Abge­tötete Pilz­strukturen sind noch vorhanden, aber aufgehellt.

Tipp: Den Bleich­effekt können Sie auch mit Wasser­stoff­per­oxid erzielen. Entfernen Sie möglichst alle Pilzreste. Die gelten als gesund­heits­schädlich. Also Fliesen mit Scheuermilch abschrubben. Stark befallene Tapeten oder Sili­konfugen erneuern.

Der letzte Versuch

Mittel gegen Schimmel - Haus­mittel und chemische Keulen im Test
Anti-Schimmel-Farben im Vergleich. In Petrischalen liegen Papiere mit Test­anstrichen. Nach 7 Wochen sind sie noch schnee­weiß oder schon teil­weise von Pilzen besiedelt. Linke Reihe: die über­wucherte biozidfreie Blind­probe.

Manchmal sorgen Baumängel wie Wärmebrü­cken dafür, dass sich an feucht­kalten Wänden trotz aller Vorsorge immer wieder neue Schimmelflecken bilden. Der Test zeigt, dass hier ein Anstrich mit Spezialfarbe für längere Zeit schützen kann.

Tipp: Biozidhaltige Farbe kann nur eine Notlösung sein. Wichtig ist es, die Schimmel­ursache zu beseitigen. Beim Aufspüren helfen zum Beispiel Luft­feuch­temessungen mit einem Hygro­meter (Tipps unter www.test.de/schimmelpilze). Nur so verbannen Sie die Pilze nach­haltig aus der Wohnung. Dorthin, wo sie hingehören: in Feld, Wald und Garten.

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