Mittel gegen Reisekrankheit Special

Wem beim Reisen zu Lande, zu Wasser oder in der Luft schwindlig und übel wird, der hofft auf Hilfe. Hausrezepte, Tricks und Arzneien lindern das Los – etwas.

Schwindel, Übelkeit, Erbrechen: Meist passiert es auf See oder während eines unruhigen Fluges, aber auch im Auto und im Zug, im Karussell oder in der Schiffsschaukel. Manchen Menschen wird sogar im Fahrstuhl mulmig.

Griff zur Tüte als bitteres Ende

Es sind verschiedene Symptome, die sich als Reisekrankheit bemerkbar machen und einem die Füße wegzuziehen drohen: Erst tritt Müdigkeit auf und Konzentrationsschwäche, im Bauch schleicht sich zunehmend ein flaues Gefühl ein, Gähnattacken können folgen. Es gibt Angstzustände, man wird blass. Kalter Schweiß bricht aus, Schwindel stellt sich ein. Schließlich wird dem Reisekranken „speiübel“. Bis hin zum wahrhaft bitteren Ende einer für ihn unheilvollen Fahrt mit dem Griff zur Tüte – falls sie zur Hand ist.

Gleichgewichtssinn ist gestört

Was passiert bei der Reise- oder Seekrankheit im Organismus? Wenn unsere Augen das, was passiert, nicht mehr kontrollieren und zum Beispiel am Horizont keinen Halt finden können, gerät der Gleichgewichtssinn aus dem Lot. Die Signale aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr stimulieren schließlich das Brechzentrum im Hirnstamm. Mediziner nennen das vor- übergehende Beschwerdebild der Reisekrankheit Kinetose. Der Begriff kinedo kommt aus dem Griechischen und heißt „ich bewege“. Symptome einer Reisekrankheit signalisieren keine Krankheit, sondern eine ernste Störung des gesundheitlichen Gleichgewichts.

Nur Säuglinge sind davor gefeit

Nur Säuglinge sind gegen die Störung des Gleichgewichtssinns und die daraus folgende Revolte im Magen gefeit. Ein Auf und Ab und heftiges Schaukeln verwirren ihre Sinne nicht. Weil sie sich noch nicht mit den Augen im Raum orientieren können, werden sie im ersten Lebenshalbjahr nicht reisekrank. Häufig betroffen sind aber Kinder im Alter von bis zu etwa zehn Jahren. Nach einem Magen-Darm-Infekt besteht bei Kindern zudem noch etwa vier Wochen lang eine erhöhte Bereitschaft für die Reise- oder Seekrankheit.

Medikamente für den inneren Halt

Wem im Auto beim Lesen schummerig wird, der sollte das Buch beiseitelegen und den Blick an den Horizont heften. Auch frische Luft mag Besserung bringen. „Gefangen“ an Deck eines Schiffes, Wind und Wellen ausgeliefert oder auf dem Rücksitz eines Wagens bei kurvenreicher Fahrt, sieht die Situation schon anders aus: Gibt es keinen Halt (besonders für die Augen), keinen Stopp, keinen festen Boden unter den Füßen, werden sich bei vielen die Symptome der Reisekrankheit rasch verstärken. Dann sollen oft Arzneimittel helfen. Die angebotenen Medikamente gegen Reise- und Seekrankheit wirken gegen die Übelkeit, daher der Name Antiemetika (griechisch Emesis = Erbrechen).

Nicht für Autofahrer und Skipper

Antihistaminika zur Selbstbehandlung wirken beruhigend, dämpfen den Brechreiz. Üblicherweise werden Dimenhydrinat und Diphenhydramin bei der Behandlung von Allergiesymptomen eingesetzt. Die Wirkstoffe behindern Nervenschaltungen, die Impulse – unter anderem vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr – zum Brechzentrum weiterleiten. Dimenhydrinat und Diphenhydramin machen aber gleichermaßen müde. Bei Übelkeit kann das er­wünscht sein – um zum Beispiel auf dem Schiff eine ruhige Nacht zu verbringen oder im Flugzeug oder Bus zu schlafen. Diese Nebenwirkung schließt aber Autofahrer und Skipper als Nutzer aus.

Diphenhydramin als erste Wahl

Der Wirkstoff Diphenhydramin ist zur Behandlung von Übelkeit sowie bei Reisekrankheit geeignet, der Wirkstoff Dimenhydrinat ist dagegen nur mit Einschränkung geeignet: Dimenhydrinat setzt sich etwa zu gleichen Teilen aus Diphenhydramin und aus 8-Chlortheophyllin zusammen. Sofort nach der Einnahme wird Dimenhydrinat in diese Teile im Körper aufgespalten. Der eigentliche Wirkstoff ist das Antihistaminikum Diphenhydramin. Die Annahme, dass 8-Chlortheophyllin als Muntermacher den müdemachenden Effekt des Antihistaminikums aufheben kann, hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Chlortheophyllin bringt keinen zusätzlichen therapeutischen Vorteil, kann aber das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen. Medikamente mit Diphenhydramin sind daher vorzuziehen. Beide Mittel gibt es in verschiedenen Zubereitungen, zum Beispiel als Tabletten oder auch Zäpfchen (siehe Tabelle: Medikamente gegen Reiseübelkeit)

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen

Mittel gegen Reisekrankheit Special

„Mit Einschränkung geeignet“ bei Reisekrankheit sind Präparate mit Ingwer(pulver). Ihre therapeutische Wirksamkeit sollte durch weitere Studien zwar noch bestätigt werden, aber einen Versuch sind sie wert.

Beide Medikamente können die Haut empfindlicher gegenüber Sonneneinstrahlung machen. Achten Sie deshalb im Freien immer auf einen ausreichenden Sonnenschutz und verzichten Sie während der Anwendungszeit auf den Besuch von Solarien.

Bei ·Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzkrankheit, bei stark eingeschränkter Leberfunktion, bei Asthma bronchiale muss ein Arzt den Nutzen und die Risiken der Antihistaminika abwägen.

Antidepressiva mit Wirkstoffen wie Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Nortriptylin oder Trimipramin und Mao-Hemmer mit Wirkstoffen wie Tranylcypromin (bei Depressionen) verstärken die unerwünschten Wirkungen der Antihistaminika: Das sind Mundtrockenheit, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, auch Sehstörungen.

Achtung: Wenden Sie die Arzneien nicht gleichzeitig mit Medikamenten bei Herzrhythmusstörungen, bei Malaria, Schizophrenie und zusammen mit bestimmten entwässernden Medikamenten (Diuretika) oder Antibiotika (Makrolide wie Roxithromycin) an. Sonst besteht das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen.

Kinder und Schwangere

Wenn Kinder erbrechen müssen, sollten sie Zäpfchen in einer Dosierung von zwei bis vier Milligramm Wirkstoff pro Kilogramm Körpergewicht bekommen. Ein sechsjähriges Kind mit 20 Kilogramm Körpergewicht erhält dann 40 bis 80 Milligramm Diphenhydramin oder Dimenhydrinat pro Tag in zwei Portionen. Halten Sie die vom Hersteller für Kinder empfohlene Dosierung exakt ein. Bei Erbrechen für Flüssigkeits- und Mineralstoffersatz sorgen.

Brechreiz und Erbrechen sind auch typische Begleiterscheinungen der Schwangerschaft. Schwangere sollten die Einnahme von Medikamenten vermeiden. Wenn ein Medikament nicht während der Schwangerschaft empfohlen wird, sollte das mit dem Arzt abgesprochen werden. Auch in der Stillzeit ist noch Zurückhaltung geboten: Die Wirkstoffe gegen Brechreiz können eventuell in die Muttermilch gelangen.

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