Mittel gegen Blasen­schwäche

„Disziplin ist gefordert, aber die Mühe lohnt“

21.10.2019
Mittel gegen Blasen­schwäche - Was bei Inkontinenz hilft
Professorin Christl Reisenauer ist Leitende Ärztin der Abteilung Urogynäkologie am Uniklinikum Tübingen sowie des dortigen Beckenbodenzentrums. ©  Universitätsklinikum Tübingen / Britt Moulien

Christl Reisenauer empfiehlt vielen Betroffenen zunächst Beckenboden- oder Blasentraining. Sie erklärt, was dabei passiert, warum Profis es anleiten sollten – und wie man einen findet.

Inhalt

Frau Dr. Reisenauer, Beckenbodentraining gilt als Klassiker der Inkontinenz­therapie. Was passiert da?

Ziel ist es, Muskeln des Beckenbodens gezielt anzu­spannen und so zu stärken. Dazu lernen Interes­sierte, meist Frauen, Übungen – und auch, die Muskeln über­haupt wahr­zunehmen. Hilf­reich sind ferner Techniken, um im Alltag ungüns­tigen Druck auf den Beckenboden zu vermeiden.

Bei welchen Formen der Blasen­schwäche nützt Beckenbodentraining?

Bei verschiedenen – gerade bei den häufigen wie der Belastungs- und Drangin­kontinenz. Auch Männer können profitieren, was viele aber nicht wissen.

Stimmt es, dass Betroffene die Techniken am besten beim Profi lernen sollten?

Das ist auf jeden Fall zu empfehlen. Allein hat man keine Kontrolle, ob man die Übungen richtig macht – und das schwächt die Erfolgs­aussichten.

Wer bietet denn Beckenbodentraining an?

Beispiels­weise spezialisierte Physio­therapeuten, zu finden etwa unter ag-ggup.de. Wenn der Arzt das Training verordnet, erstatten Krankenkassen die Kosten.

Wie lange dauert so ein Training ungefähr?

Ein paar Wochen. Aber danach heißt es dranbleiben und regel­mäßig üben.

Speziell bei Drangin­kontinenz wird ein Blasentraining empfohlen. Wie funk­tioniert das denn?

Es soll die über­aktive Blase daran gewöhnen, sich wieder stärker zu dehnen und mehr Harn zu speichern. Als Basis dient ein Protokoll. Patienten schreiben dafür nach Anleitung einige Tage lang unter anderem die jeweiligen Trinkmengen und die Zeiten des Wasser­lassens auf. Diese werden dann allmählich ausgedehnt, angepasst an die individuelle Blasen­kapazität. Das erfordert Disziplin, aber die Mühe lohnt.

Mittel gegen Blasen­schwäche - Was bei Inkontinenz hilft
Trink- und Toiletten­protokoll. Die Liste hilft beim Blasentraining und auch oft bei der Diagnose. Ein kostenloses Formular zum Selbst­ausfüllen bietet die Deutsche Kontinenz Gesellschaft. © Kontinenzzentrum Schwarzwald-Baar-Klinikum

Wo können Betroffene so ein Training machen?

Direkt beim behandelnden Arzt oder bei einem Physio­therapeuten. Auch für diese Therapie über­nehmen Krankenkassen bei einer Verordnung die Kosten.

Können Blasen- und Beckenbodentraining auch bei schwerer Inkontinenz und im Alter was bringen?

Natürlich. Grund­sätzlich ist die Rück­kopp­lung mit dem Arzt sehr wichtig. Nach etwa drei Monaten lässt sich der Erfolg beur­teilen. Darf ich noch einen Tipp geben?

Gern.

Überge­wichtige sollten versuchen, abzu­nehmen. Etwa 5 bis 10 Prozent weniger Gewicht bewirkt erstaunlich viel gegen Inkontinenz.

21.10.2019
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