Mittel gegen Allergien Meldung

Die Saison der Leiden hat für Pol­lenallergiker begonnen. Viele müssen ihre Arznei selbst bezahlen. Kassen erstatten die Kosten nur noch in schweren Fällen.

Die Allergieplage trifft immer mehr Menschen. Ihre Auswirkungen auf Gesundheit, Arbeit und Freizeit sind beträchtlich: Die Bindehaut am Auge rötet sich, die Augen tränen. Die Nasenschleimhaut juckt und schwillt an. Wässriges Sekret fließt in Mengen aus der Nase. Es kann zu asthmatischen Beschwerden kommen: Atemnot, Hustenattacken.

Allergiker tauchen schon im Winter beim Arzt auf. Mildes Klima lässt manche Bäume und Sträucher früh blühen. Die Vorboten einer langen Heuschnupfensaison sind Erle und Hasel im Januar, Februar und März. Die Nachhut bilden im August und September die Nessel-Glockenblume und Ambrosia, das Wildkraut vom Acker. Hausstaubmilben, Pilzsporen. Tier­haare können das ganze Jahr für Triefnase und rote Augen sorgen.

Wenn Eltern unter allergischen Symptomen leiden, ist das Risiko der Kinder, eine Allergie auszubilden, stark erhöht. Auch das moderne Leben mit seinen zum Teil sehr hygienischen Bedingungen wird für die Zunahme von Allergien verantwortlich gemacht. Allergien sind eine Volkskrankheit – und eine typische Zivilisationskrankheit (siehe „Aktuelles Ergebnis aus dem Wido“).

Kassen zahlen nicht mehr so oft

Die meisten Antiallergika sind ohne Rezept erhältlich. Sie werden, so will es die Gesundheitsreform, meist nicht mehr von den Kassen bezahlt. Die Verordnung rezeptfreier Antiallergika ging dementsprechend deutlich zurück: Krankenkassen bezahlen sie nur noch bei Kindern bis zum 12. Lebensjahr oder bei Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr. Wegen der leichten Verfügbarkeit der rezeptfreien Mittel sollte aber niemand auf die Idee kommen, eine Allergie ausschließlich in Eigenregie zu behandeln. Treten allergische Beschwerden erstmalig auf, sollte für die Diagnose ein in der Behandlung von Allergien erfahrener Arzt aufgesucht werden. Danach können bekannte Symptome selbst behandelt werden. Preisvergleiche lohnen sich – zwischen den Herstellern (siehe Tabellen) und eventuell auch zwischen verschiedenen Apotheken, da es bei rezeptfreien Medikamenten keine Preisbindung gibt. Zur Behandlung mit Arzneimitteln:

Was gegen Heuschnupfen hilft

H1-Antihistaminika: Zur Behandlung des akuten Heuschnupfens, der allergischen Bindehautentzündung und der Nesselsucht verordnet der Arzt Antihistaminika. Mittel aus dieser größten Gruppe der Antiallergika schwächen die Wirkung des Histamins im Organismus ab oder heben sie auf. Histamin ist ein Naturstoff, der als Gewebshormon und Neurotransmitter wirkt. Es spielt bei allergischen Reaktionen eine zentrale Rolle.

Ältere Wirkstoffe wie Clemastin, Dimetinden, Hydroxyzin (rezeptpflichtig: rp) gehören zu den Antihistaminika der ersten Generation, die schläfrig und benommen machen können. Sie sind „mit Ein­schränk­ung geeignet“, da die müde machende Wirkung am Tage sehr stört. Nachts kann die schlafanstoßende Wirkung allerdings nützlich sein.

Zur zweiten Generation zählen die Wirkstoffe Cetirizin, Desloratadin (rp), Fexofenadin (rp), Levocetirizin (rp), Loratadin, Mizolastin (rp) und Terfenadin (rp). Sie machen nicht oder wenig müde. Cetirizin, Desloratadin, Levocetirizin, Loratadin sind „geeignet“, allergische Reaktionen zu lindern. Fexofenadin ist weniger gut erprobt („auch geeignet“). Die Verträglichkeit von Mizolastin für das Herz lässt sich noch nicht abschließend bewerten („mit Einschränkung geeignet“). Das Terfenadin ist wegen möglicher Störwirkungen am Herzen „wenig geeignet“.

Bis 2004 nahmen die Verordnungen von Cetirizin und Loratadin kontinuierlich zu, so eine Studie des Wissenschaftlichen Ins­tituts der AOK (WIdO).

Durch die Gesundheitsreform hat sich die Situation verändert – und die vieler Patienten verschlechtert: Seit 2004 müssen gesetzlich Versicherte frei verkäufliche Medikamente meist selbst bezahlen, auch die am besten belegten Präparate gegen Allergien.

Bei schweren Fällen Kassenrezept

Das WIdO hat ausgerechnet, wie viel die Krankenkassen und Patienten pro Tag für ein Arzneimittel aufbringen mussten: bei modernen Antihistaminika zum Einnehmen zwischen 0,30 und 0,90 Euro, bei Cromoglizinsäure 1,10 Euro bis 1,23 Euro, bei Antihistaminhaltigen Nasensprays bis zu 2,46 Euro.

Die recht restriktiven Regeln sollen nun etwas gelockert werden – allerdings vorbe­haltlich einer noch ausstehenden Zustimmung des Bundesgesundheitsministeriums. Bis vor kurzem durften frei verkäu­fliche Antihistaminika wie Cetirizin und Loratadin nur noch im Rahmen einer antiallergischen Notfallbehandlung sowie bei schwer wiegendem Juckreiz und Quaddelbildung aufgrund von Allergien auf Kassenrezept verschrieben werden. Jetzt sollen auch Patienten, die unter schwer wiegenden Formen eines aller­gischen Schnupfens leiden, rezeptfreie Antihistaminika auf Kassenrezept verschrieben bekommen können. Eine weitere Voraussetzung ist aber, dass die lokale Therapie mit kortisonhaltigen Nasensprays nicht ausreicht.

Tipp. Fragen Sie den Arzt nach der eventuell möglichen Kostenerstattung.

Kortisonhaltige Sprays sind verschreibungspflichtig. Sie werden meist erst eingesetzt, wenn lokale Antihistaminika oder Cromoglizinsäure nicht genügend gegen Allergiesymptome wirken. Bei Daueran­wendung können Kortikoide die Nasenschleimhaut schädigen.

Beim Einkauf sparen

Wer seine Antiallergiemittel selbst bezahlen muss, kann zum Beispiel mit Nachahmerpräparaten sparen und ist gut versorgt (siehe Tabellen). Ärzte versuchen zum Teil, ihre Patienten zu entlasten: mit wenig müde machenden H1-Antihistaminika wie Levocetirizin und Desloratadin. Da sie als „neue“ Arzneimittel gelten, sind sie (noch) verschreibungspflichtig und zulasten der Kassen verschreibungsfähig. Sie bieten aber keine therapeutischen Vorteile gegenüber den bewährten Substanzen Loratadin und Cetirizin. Die Preise pro Packung liegen etwa drei- bis viermal höher als die der Generika. Die „neuen“ Wirkstoffe sind den „alten“ sehr ähnlich: Loratadin wird im Körper direkt in Desloratadin umgewandelt. Beide Wirkstoffe wirken also gleich. Levocetirizin ist die linksdrehende Form von Cetirizin. 2004 stiegen die Levocetirizin-Verordnungen um mehr als 80 Prozent, auch Desloratadin wurde häufiger verordnet.

Sehr kritisch ist der mehr als 50-prozentige Zuwachs der Verordnungen des Wirkstoffs Terfenadin. Er besitzt ein deutlich höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen. Höher dosiertes Terfenadin wurde 1998 aus dem Handel genommen. Therapeutisch ist es nicht zu rechtfertigen, solche Wirkstoffe gut erprobten Substanzen wie Loratadin und Cetirizin vorzuziehen.

Professor Michael M. Kochen, Universität Göttingen, Abteilung Allgemeinmedizin, Mitglied der Expertenrunde der Stiftung Warentest: „Bei etlichen Medikamentengruppen, besonders aber bei Antiallergika, müssen Patienten und ihre Ärzte, indirekt auch die Kassen, den wechselhaften Umgang der Politik mit rezeptfreien und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln 'ausbaden'. Neue, meist rezeptpflichtige Arzneimittel sind keineswegs besser als die 'alten', die – inzwischen rezeptfrei – vom Patienten selbst bezahlt werden müssen. Auch wenn es an den Geldbeutel geht: In manchen Fällen sind die älteren Mittel die bessere Wahl.“

Tropfen, Sprays und Salben

Damit sich allergische Entzündungsreaktionen nicht stark ausprägen, können Cromoglizinsäure- oder Nedocromilhaltige Augentropfen und Nasensprays verwendet werden. Sie können ihre volle Wirkung aber nur entfalten, wenn man sie zwei Wochen vor Beginn des akuten Allergierisikos konsequent anwendet. 2004 gingen Verordnungen von Cromoglicinsäure- und Nedocromilhaltigen Mitteln zu Kassenlasten wegen der Gesundheitsreform um mehr als 70 Prozent zurück.

Lokale Antihistaminika: Augentropfen oder Nasenspray für akute Beschwerden – auch wenn Cromoglicinsäure- oder Nedocromilhaltige Präparate noch nicht ausreichend wirken.

Kortisonhaltige Nasensprays, verschreibungspflichtig, helfen zuverlässig bei allergisch bedingter „laufender“ Nase (allergischer Rhinitis). Die meisten Wirkstoffe (Beclometason, Budesonid, Flunisolid, Fluticason, Mometason, Triamcinolon) gelangen nur in geringer Menge in den Kreislauf, können aber bei Daueranwendung zu unerwünschten Wirkungen führen. Am häufigsten wird die Substanz Mometason verordnet, gefolgt von Budesonid und Beclometason, die als Nachahmerpräparate (Generika) preiswert verfügbar sind. Bei Dexamethason können Nebenwirkungen häufiger auftreten.

Alpha-Sympathomimetika: Augentropfen („Weißmacher“) oder Nasenspray verengen Gefäße, hier von Binde- und Schleimhaut. Doch rote Augen und verstopfte Nase kommen bei nachlassender Wirkung wieder. Bei Dauereinnahme kann sich ein Teufelskreis entwickeln.

Tipp. Meiden Sie diese Augentropfen und Nasensprays. Oder nur im akuten Fall kurzzeitig anwenden. Meiden Sie auch Antihistaminikahaltige Cremes und Gele bei allergischen Reaktionen der Haut. Ihre Wirksamkeit ist zweifelhaft. Sie können sogar selbst Allergien auslösen.

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