Tränende Augen, juckende Nasen, Niesexplosionen: Die Allergiesaison hat begonnen. Pollen kosten Nerven und Geld. Was hilft, und was ist preiswert?

Der Londoner Mediziner John Bostock veröffentlicht 1819 einen Bericht über seine „periodische Affektion von Augen und Brust“. Sie tritt jedes Jahr im Juni auf und dauert zwei Monate. Die Symptome sind juckende Augen, eine laufende Nase, Nieskrämpfe, Atembeschwerden. Bostocks Bericht ist eine der ersten wissenschaftlichen Notizen zu einem damals seltenen Problem: Allergien. Die Ursachen für die lästigen Reaktionen des Körpers liegen noch völlig im Dunkeln. An Pollen von Spitzwegerich, Gräsern und Sauerampfer dachte der Gelehrte bei der Ursachenforschung jedenfalls nicht. Um der Plage zu entgehen, riet er, sich im Sommer in kühleren Küstenregionen aufzuhalten. Er hielt den „Sommerkatarrh“ für eine Art Lifestyle-Erkrankung, ausgelöst vor allem durch die Sommerhitze. Sie trete überwiegend auf „in mittleren und oberen Gesellschaftsschichten, nicht bei den Armen“.

Mit seinen Beobachtungen und Empfehlungen lag der Londoner Arzt so falsch nicht. Bei Wind vom Meer aus kann der Pollenflug in Küstennähe geringer sein. Allergien wie Heuschnupfen sind zwar keine Lifestyle-Erkrankung, aber einen zivilisatorischen Hintergrund für die Zunahme gibt es durchaus. So dauerte es zum Beispiel nur wenige Jahre, bis nach der deutschen Vereinigung auch „im Osten“ Allergien ebenso zahlreich auftraten wie „im Westen“. „Westlicher Lebensstil“ scheint somit ein Auslöser allergischer Erkrankungen zu sein, von denen immer mehr Menschen betroffen sind. Schon jeder Dritte im Lande reagiert auf allergene Substanzen. Allergien sind eine Zivilisationskrankheit. Die Ursachen sind vielfältig. Feinste Partikel wie Stickoxide und Ozon machen Menschen für allergische Reaktionen wie Heuschnupfen anfällig, vor allem in Großstädten mit einer starken Verkehrsbelastung.

Aus Studien geht hervor, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren häufig mit Pilzen, Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern in Berührung kamen, eher gegen Allergien gefeit sind. Wenn sie auch mal im Dreck spielen oder auf dem Bauernhof mit allerlei Keimen in Kontakt kommen, ist das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, geringer als bei Kindern, die in einer vergleichsweise sterilen Umgebung aufwachsen. Es kommt aber auch auf die Dauer der Belastung an: Bestimmte Berufe bergen ein hohes Allergierisiko, zum Beispiel trifft das auf Tierärzte und Tierpfleger, Bäcker, Konditoren, Gärtner, Förster, Lackierer und Friseure zu. Allergien werden auch vererbt. Leiden Eltern darunter, ist bei den Kindern das Risiko erhöht, ebenfalls eine Allergie auszubilden.

Bei einer Allergie reagiert der Körper auf bestimmte Stoffe aus der Umwelt (Allergene) überempfindlich.

Die stärksten Allergene stammen aus der Natur, beispielsweise Pollen. Die Beschwerden sind auf die Zeit des Pollenflugs begrenzt, die bei milder Witterung immer früher im Jahr beginnt und somit länger dauert. Hausstaubmilben,

Pilzsporen und Tierhaare sorgen dagegen das ganze Jahr für Triefnasen und rote Augen. Auch die steigende Anzahl von Lebensmittelallergien steht im Zusammenhang mit Heuschnupfen. Denn manche Eiweiße von Nahrungsmitteln sind denen von Baum-, Gräser- oder Kräuterpollen ähnlich.

Bedrohung durch Ambrosia

Vorboten der Heuschnupfensaison sind Erle und Hasel im Januar, Februar und März. Danach folgt ein bunter Strauß von Gräser- und Blütenpollen (siehe Adressen, Pollenflugkalender). Die Nachhut bilden im August und September Nessel-Glockenblume und Ambrosia, ein hochallergenes Wildkraut. Es hat sich in den vergangenen Jahren in Mitteleuropa so stark verbreitet, dass es sogar Aktionspläne dagegen gibt. In der Schweiz wird an „Ausreißtagen“ dazu aufgerufen, gegen die wildwuchernde Pflanze (siehe Foto) konsequent vorzugehen. Auch hierzulande gibt es detaillierte Empfehlungen, um ihre Verbreitung einzudämmen (Informationen siehe www.ambrosia.de).

Allergien ernst nehmen

Obwohl Allergien immer öfter den Alltag bestimmen, nehmen viele Menschen die Erkrankung nicht ernst. Dabei sollte einem Heuschnupfen möglichst rasch und effektiv vorgebeugt und begegnet werden. Dazu stehen viele geeignete Medikamente zur Verfügung. Wer auf Pollenflug allergisch reagiert, kann der Plage kaum entgehen, doch Medikamente helfen, die lästigen allergischen Symptome zu vermeiden oder wenigstens zu mildern. Eine effektive Arzneimitteltherapie kann auch einen „Etagenwechsel“ des entzündlichen Prozesses in die Lunge verhindern. Aus einem Heuschnupfen kann sonst Asthma werden.

Bei ersten Warnzeichen zum Arzt

Schnupfen, Juckreiz in den Augen, Rötungen und Quaddeln auf der Haut, unklare Magen-Darm-Beschwerden sind erste Warnzeichen. Bei solchen Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Er testet, ob es sich tatsächlich um eine Allergie handelt. Er wird eine Behandlung einleiten, später eventuell eine „Allergie-Impfung“ vorschlagen (Hyposensibilisierung). Sie macht gegen Allergene unempfindlich oder mildert Allergiesymptome.

Die Kassen zahlen nicht immer

Erschwerend für eine konsequente Behandlung wirkt sich aber aus, dass die Krankenkassen rezeptfreie Arzneimittel gegen Allergien in den meisten Fällen nicht mehr bezahlen. Nur die Kosten für Kinder bis zum 12., bei Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr werden noch übernommen. Erwachsene erhalten die Kosten rezeptfreier Antihistaminika nur noch bei schwerwiegenden allergischen Erkrankungen erstattet, zum Beispiel bei anhaltendem Juckreiz oder Nesselsucht sowie bei schwerem Heuschnupfen, wenn eine Therapie mit kortisonhaltigen Nasensprays nicht ausreicht.

Umso wichtiger ist es, geeignete und günstige Arzneimittel gegen Allergien einzusetzen. Solche Medikamente finden Sie in den Tabellen (siehe Tabellen), unter anderem auch preiswerte Nachahmerpräparate, sogenannte Generika. Doch nicht für alle Medikamente und Wirkstoffe gibt es Generika (siehe auch Dosierungen für Kinder in „Medikamente für Kinder“). Medikamente gegen Asthma sind meist rezeptpflichtig.

Wie Sie Heuschnupfen vorbeugen

Wenn Sie wissen, warum und wann bei Ihnen Heuschnupfen auftritt, können Sie mit Cromoglizinsäurehaltigen Nasen- und Augentropfen versuchen, den Allergiesymptomen vorzubeugen. Beginnen Sie aber rechtzeitig, denn es dauert ein bis zwei Wochen, bis der Wirkstoff seine volle Wirkung entfaltet: Wenden Sie Cromoglizinsäure möglichst schon zwei Wochen vor dem vermuteten Auftreten des Heuschnupfens viermal täglich in regelmäßigen Abständen an.

Der sehr gut verträgliche Wirkstoff behindert unter anderem die Freisetzung von Histamin (siehe Stichwort Allergie). Im Vergleich zu den Originalmedikamenten sind mit Generika zum Teil Ersparnisse von mehr als 50 Prozent möglich. Mit Cromoglizinsäure können Sie neben Heuschnupfen auch anderweitig bedingtem allergischen Schnupfen vorbeugen. Zum Beispiel, wenn ein Kontakt mit Tieren, auf deren Haare Sie allergisch reagieren, nicht zu vermeiden ist. Hinweis: Bei Asthma ist die Situation anders. Cromoglizinsäure zum Inhalieren wird hier nicht mehr empfohlen.

In den Tabellen haben wir nach Möglichkeit Medikamente ohne Konservierungsmittel aufgelistet. Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid behindern die Bewegung der Flimmerhärchen in der Nasenschleimhaut. Dadurch verringert sich die Selbstreinigungskraft der Nase. Nasentropfen mit dem Wirkstoff Nedocromil (Mastzellstabilisator) enthalten zum Beispiel Konservierungsmittel, die bei einer Daueranwendung die Nasenschleimhaut schädigen können.

Was im akuten Fall hilft

Ist der Niesreiz bereits ausgeprägt, die Nasenschleimhaut angeschwollen, kommen Nasensprays mit Antihistaminika infrage. Sie können sie auch verwenden, bis die Wirkung der vorbeugenden Cromoglizinsäure einsetzt. Wenn Cromoglizinsäure nicht ausreichend wirkt oder zu erwarten ist, dass die Blühperiode lange dauert (zum Beispiel bei einer Allergie auf Birken-, Gräser- oder Getreidepollen), empfiehlt es sich, gleich Antihistaminika einzunehmen. Diese Mittel beeinflussen das Allergiegeschehen über den Blutkreislauf und können so auch Heuschnupfen oder Allergien anderer Art bessern. Antihistaminika wirken etwa nach einer halben bis einer Stunde. Obwohl Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin nicht oder wenig müde machen, dennoch vorsichtig sein: Das Reaktionsvermögen kann im individuellen Fall doch verringert sein. Auch bei den Antihistaminika finden Sie in den Tabellen Medikamente ohne Konservierungsstoffe – meist preisgünstige Nachahmerpräparate. Augentropfen und Nasensprays wie Allergodil oder Vividrin akut enthalten als Wirkstoff Azelastin. Hier gibt es keine Generika.

Wenn eine schlafanstoßende Wirkung von Antihistaminika erwünscht ist, sollten Sie Medikamente mit den Wirkstoffen Clemastin, Dimetinden und Doxylamin vor dem Schlafengehen nehmen.

Die oft verkauften Mittel Rhinopront Kombi und Reactine duo sind wenig sinnvolle Kombinationen aus einem Antihistaminikum und einem gefäßverengenden Stoff (Pseudoephedrin), der bei einer Daueranwendung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Blutdruckerhöhung führen kann und bei bestimmten Grunderkrankungen und im Zusammenhang mit bestimmten Medikamenten nicht genommen werden darf.

Mit Einschränkung geeignet

Jenseits unserer Auswahl geeigneter Präparate gibt es noch eine Reihe weiterer Medikamente gegen allergische Reaktionen, wie schleimhautabschwellende mit den Wirkstoffen Naphazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Xylometazolin. Sie sind bei allergischem Schnupfen „mit Einschränkung geeignet“, die Nasenatmung zu verbessern: Die Wirkstoffe verhindern zwar, dass die Nasenschleimhaut anschwillt und vermehrt Sekret produziert, sie dürfen aber nur fünf bis sieben Tage lang angewendet werden. Antihistaminika zum Einnehmen oder als Nasenspray sind vorzuziehen, da bei allergischem Schnupfen meist eine längere Behandlung notwendig ist. Während Schwangerschaft und Stillzeit auf Antihistaminika zum Einnehmen verzichten – es liegen noch keine Erfahrungen vor.

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