Erneuer­bare Energien Raus aus Öl und Gas

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Erneuer­bare Energien - Raus aus Öl und Gas
Fahrt ins Grüne. Der Lkw trans­portiert Wasser­stoff, einen Energieträger der Zukunft. © Getty Images / iStockphoto

Klimawandel und Krieg fordern den Umstieg zu umwelt­freundlichen Technologien. Wie Anlegende mit aktiv gemanagten Fonds und ETF auf erneuer­bare Energien setzen.

Inhalt

Neue Technologien im Blick­feld

Der Krieg in der Ukraine, die Sanktionen gegen Russ­land und die Sorge um einen Liefer­stopp von Gas wirken als Katalysator: Sie beschleunigen den Umbau der Wirt­schaft, der durch den Kampf gegen den Klimawandel schon angestoßen wurde.

Ziel ist, möglichst unabhängig zu werden von fossilen Brenn­stoffen. Dabei ist die Wärmeerzeugung nur ein Aspekt. Die Industrie ist abhängig von Öl und Gas als Ausgangs­stoff für Kunststoff, Kosmetik und Medikamente.

Noch werden Öl und Gas gebraucht, doch mit der Suche nach Alternativen rücken verstärkt neue Technologien in den Blick, etwa Solar- oder Wind­energie. Auch Wasser­stoff liefert Energie und dient als Ausgangs­stoff zum Beispiel für Dünge­mittel.

Auf dem Anlagemarkt können neue Technologien Rendite­chancen eröffnen. Wir haben bei verschiedenen Fondsanbietern nachgefragt, wie sie mit fossilen und neuen Energien umgehen, und zeigen, wie Anle­gerinnen und Anleger mitmischen können.

Unser Rat

Nach­haltige Welt­fonds.
Aktienfonds, die breit aufgestellt sind und welt­weit investieren, sind als Basisgeld­anlage geeignet. Die besten nach­haltigen Aktienfonds Welt, die fossile Energien komplett ausschließen, finden Sie im Artikel-PDF.
Branchen- und Themenfonds.
Fonds, die ausschließ­lich auf einzelne Bereiche wie erneuer­bare Energien oder das Thema Wasser­stoff setzen, sollten Sie nur beimischen.
Regel für den Mix.
Eine Beimischung sollte nicht mehr als 10 Prozent des Aktien­teils im Depot betragen – je spezieller der Fonds, desto weniger sollten Sie investieren. Alle Beimischungen zusammen sollten höchs­tens 30 Prozent ausmachen.
Kauf­beratung, Tipps.
Alle Details zu Fonds­bewertungen (Anla­geerfolg, Nach­haltig­keit) für nachhaltige Fonds und ETF finden Sie in unserem großen Spezial zum Thema.
Vergleich.
Online finden Sie mehr zu Fonds, die mit neuen Energien, Klima und anderen Umwelt­themen zu tun haben, unter: test.de/fonds. Nach­haltiges Tages- und Fest­geld im Vergleich finden Sie im Produktfinder für ethisch-ökologische Zinsangebote.

Fonds ohne fossile Energien

Vielen ist jetzt schon wichtig, kein Geld mit fossilen Energien zu verdienen. Kohle­kraft­werke stehen auf der Tabuliste zahlreicher privater Anleger ganz oben, auch die Ölbranche ist nicht gut gelitten. In unserer Unter­suchung nach­haltiger Fonds haben 52 von 184 Fonds fossile Energien komplett ausgeschlossen. Die besten von ihnen finden Sie im Artikel-PDF.

Das heißt aber noch noch nicht, dass die Fonds gleich­zeitig gezielt in erneuer­bare Energien oder neue Technologien investieren. Die gelisteten börsen­gehandelten Fonds – kurz ETF – betreiben meist keine spezielle Themen­auswahl. Vielmehr werden die Aktien nach dem Best-in-Class-Ansatz ausgesucht: Einige Branchen sind ausgeschlossen, von den anderen schaffen es die jeweils Besten in die Indizes, die den ETF zugrunde liegen.

Aktiv gemanagte Fonds setzen auf Energiewende

Bei aktiv gemanagten Fonds kommt die gezielte Themen­wahl häufiger vor. Die Fonds Ökoworld Ökovision und GLS Bank Aktienfonds – beide mit der Bestnote der Stiftung Warentest von fünf Nach­haltig­keits­punkten – investieren etwa in erneuer­bare Energien oder Energieeffizienz.

Beim Ökovision ist der größte Wert die US-Recycling­firma Waste Management. Außerdem finden sich in den Top Ten E-Ink aus Taiwan, die stromsparende Displays herstellen, sowie die US-Solarfirma Enphase Energy.

Auch in den Top-Ten-Werten des dritten Fünf-Punkte-Fonds, des Steyler Fair Invest, zeigt sich der Trend zu einem Energiewechsel. Beim Top-Wert, dem Gase­hersteller Linde, ist es das Thema Wasser­stoff. Der im Dax gelistete Konzern deckt das ganze Spektrum von Produktion, Lagerung und Verteilung des Energieträgers ab. Auch Air Liquide aus Frank­reich ist auf diesem Gebiet tätig.

Nach­haltig ist mehr als grüne Energie

Nach­haltige Geld­anlage beinhaltet weit mehr als alternative Energien wie Wind­kraft oder Solar­energie. Das Kürzel ESG etwa steht für Environment, Social und Gover­nance und meint Umwelt, Soziales und gute Unter­nehmens­führung. Wie das aussehen kann, zeigt etwa ein Blick in die Top-Ten-Werte des GLS Bank Aktienfonds. Dort finden sich sowohl Telekom- als auch Versicherungs- und Gesund­heits­konzerne.

Aufgrund dieser breiten Mischung eignen sich nach­haltige Welt­aktienfonds als Basis­anlage. Bei ETF sollten Anlegende dabei auf das Finanztest-Siegel 1. Wahl achten. Das zeigt an, dass der ETF breit gestreut ist. Bei aktiv gemanagten Fonds empfehlen wir, für eine gute Streuung besser auf drei verschiedene als nur auf einen Fonds zu setzen.

Gezielt in neue Energien investieren

Wer gezielt in erneuer­bare Energien investieren will, kann speziell darauf zuge­schnittene Fonds kaufen wie Branchen- oder Themenfonds. Allerdings ist das riskanter als ein breit gestreuter Welt­aktienfonds. Daher sollten diese Fonds nur beigemischt werden. Viele der Fonds sind noch vergleichs­weise jung. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind vor allem zahlreiche ETF auf den Markt gekommen.

Im Bereich der erneuer­baren Energien gibt es allerdings einen großen ETF von Black­rock: den iShares Global Clean Energy. Er ist schon seit 15 Jahren am Markt und hat bereits rund 5,5 Milliarden Euro einge­sammelt. Auch der ETF Lyxor New Energy ESG Filtered ist seit 2007 am Start.

Die meisten Erneuer­bare-Energien-Fonds setzen allerdings nicht allein auf Solar- und Wind­energie. Themen wie Energiesparen, Speicherung, Energieeffizienz und Recycling stehen ebenfalls auf der Agenda.

Selbst Fitness ist nach­haltig

Der Fonds Ökoworld Klima zum Beispiel (Isin LU 030 115 244 2) investiert mit Blick auf die Folgen des Klimawandels auch in die Firma Planet Fitness. „Erhöhte Temperaturen bereiten vor allem älteren, aber auch überge­wichtigen Menschen gesundheitliche Probleme“, sagt Verena Kienel, stell­vertretende Abteilungs­leiterin des Ökoworld-Nach­haltig­keits­researchs. Fitness­ketten könnten einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit und Widerstands­fähig­keit leisten.

Eine breitere Heran­gehens­weise legt der Fonds LBBW Global Warming an den Tag (DE 000 A0K EYM 4). Zu den zehn größten Positionen zählen hier Microsoft und Apple. Apple habe ehrgeizige Klimapläne, heißt es bei LBBW, und außerdem Steuerungs­software für Elektro­autos entwickelt. Microsoft wolle ab 2030 sogar CO2-negativ werden. Die zweitgrößte Position im Fonds ist Thermo Fisher. Die US-Firma stellt zum Beispiel Geräte für die Messung von Klimagasen her.

Wie agieren konventionelle Fonds?

Auch konventionelle Aktienfonds investieren in neue Technologien. Bei DWS heißt es: Die meisten Firmen für alternative Energien seien recht klein und eigneten sich nicht für große Fonds wie DWS Akkumula und Vermögensbildungsfonds I. Sie setzten hier eher auf Unternehmen, die in einem Teil­geschäft erneuer­bare Energien haben.

Auch Union sucht nach Alternativen, weist aber auf aktuelle Probleme hin. Die Solarbranche etwa sei stark auf Vorprodukte aus China angewiesen, doch dort gebe es Liefer­engpässe. Die Wind­kraft­produzenten wiederum litten unter hohen Material­preisen. „Daher legen wir aktuell eher einen Fokus auf andere Segmente des Energiesektors, wie beispiels­weise das Thema Elektrifizierung“, sagt Bernd Schröder, Rohstoff­experte von Union Investment.

Ölpreis gestiegen

Im Moment steigt der Ölpreis und es steigen auch die Aktien­kurse der Ölkonzerne wie Exxon Mobil, Chevron, Shell, Total­Energies. Ein knappes Angebot stößt auf steigende Nach­frage. Branchenfonds mit Energie­aktien liegen über das vergangene Jahr teils mehr als 70 Prozent im Plus (Stand 30. April 2022).

DWS sagt, sie seien bei kapital­intensiven Geschäften, die stark preis­abhängig seien, generell unterge­wichtet. Außerdem legten sie Wert auf Pläne zur Reduzierung von Treib­hausgas­emissionen, zur Erhöhung kohlen­stoff­armer Aktivitäten oder Klimalösungen. Union schließt bisher für sämtliche Fonds Unternehmen aus, die mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes in der Kohle­förderung erzielen. Für andere fossile Energieträger gelten die Ausschlüsse zwar noch nicht, das dürfte im Zuge der Klima­neutralität aber folgen.

Mit ETF auf erneuer­bare Energien setzen

ETF auf Indizes für regenerative Energien sind angesagt. Der „Global Clean Energy“-ETF (Isin IE 00B 1XN HC3 4) des Branchenriesen iShares verwaltet rund 5,5 Milliarden Euro – mehr als viele klassische Welt­fonds. Auch die Renditen waren spektakulär: Vom Januar 2018 bis zum Höchst­stand im Januar 2021 hatte sich der Clean-Energy-ETF fast vervierfacht.

Seitdem setzte allerdings eine ziemliche Flaute ein. Alle, die damals einge­stiegen sind, haben Stand Ende April rund ein Drittel ihres Einsatzes verloren.

Haupt­sächlich Versorger

42 Prozent des aus 100 Titeln zusammengesetzten Index machen Unternehmen aus der Branche Versorger aus, gefolgt von IT mit einem Anteil von knapp 29 Prozent. Größter Posten ist Stand Ende April mit 7,3 Prozent die amerikanische IT-Firma Enphase Energy, die unter anderem Wechsel­richter für Solar­anlagen und Energiespeicher herstellt.

Auf Platz 2 liegt das israe­lische Solar­unternehmen Solaredge. Platz 3 nimmt der US-Versorger und Fern­wärmen­etzbetreiber Consolidated Edison ein.

Ein weiterer Top-Ten-Titel ist der Wind­kraft­anlagen­hersteller Vestas aus Dänemark, der auch in Deutsch­land produziert. Wind­räder der Firma stehen in über 80 Ländern.

Ebenfalls aus Dänemark kommt der Energiekonzern Orsted, der früher haupt­sächlich auf fossile Brenn­stoffe setzte. Inzwischen hat der Konzern vor allem in Offshore-Wind­energie investiert. Spätestens 2023 will Orsted auch aus Kohle voll­ständig aussteigen.

USA vorn, Deutsch­land klein

Mit 43,5 Prozent des Indexes machen US-Aktien den größten Anteil aus. China ist mit 12,7 Prozent vertreten, Dänemark mit 10,4 Prozent. Deutsche Aktien kommen auf 2,4 Prozent: Aus Hamburg stammen der Wind­kraft­anlagen­hersteller Nordex sowie die Firma Encavis, die Solar­parks und Wind­kraft­anlagen betreibt, dazu kommen der Bioenergieproduzent Verbio aus Zörbig sowie SMA Solar Technology aus Niesetal.

Das populäre Zukunfts­thema Wasser­stoff ist auch im Index vertreten: Damit will unter anderem Plug Power bald viel Geld verdienen. Bisher macht die Firma aber noch Verluste. Der Aktienkurs hat sich seit dem Hoch Anfang 2021 geviertelt.

Weitere Neue-Energien-ETF

Der S&P Global Clean Energy Index ist jedoch nicht der einzige Index, der die Branche darstellt. Indexanbieter Solactive hat etwa einen „Clean Energy“-Index im Programm. Er setzt sich aus 62 Titeln zusammen, die er regel­mäßig gleich gewichtet.

Die aktuell größte Position ist der nieder­ländische Fugro-Konzern, eigenen Angaben zufolge welt­größter Geo-Daten­spezialist. ETF-Anbieter L&G hat seit Oktober 2020 einen ETF auf diesen Index (IE 00B K5B CH8 0).

Der Neue-Energien-ETF von Lyxor (FR 001 052 477 7) hat seinen Index im November 2021 geändert. Er bildet jetzt den MSCI ACWI IMI New Energy ESG filtered ab. Der Index enthält 79 Unternehmen. Den ETF gibt es seit 2007, er hat knapp 1,4 Milliarden Euro einge­sammelt. Zuvor bildete er den Index SGI World Alternative Energy CW ab, der nur ungefähr halb so viele Aktien enthielt. Größte Position ist Enphase Energy.

Der Index WilderHill New Energy Global Inno­vation umfasst 125 Aktien, ebenfalls aus den Bereichen erneuer­bare Energien, Energieeffizienz und -speicherung. Der Index gewichtet regel­mäßig alle Titel gleich. Zuletzt hatte der chile­nische Chemiekonzern Química y Minera den größten Anteil. Seit etwa einem Jahr gibt es einen ETF von Invesco (IE 00B LRB 024 2).

Grüner Wasser­stoff für saubere Luft

Wasser­stoff liefert Energie, für Flugzeuge oder Lkw, kann aber auch in der Industrie einge­setzt werden, etwa in Stahl­werken. Er dient auch als Ausgangs­stoff für Dünge­mittel. Grüner Wasser­stoff wird mithilfe erneuer­barer Energien hergestellt, grauer und blauer Wasser­stoff aus Erdgas, Kohle oder Öl. Das dabei entstehende Kohlen­dioxid wird beim blauen Wasser­stoff aufgefangen und gelagert.

Einige Fonds haben sich auf das Thema Wasser­stoff spezialisiert. Der ETF L&G Hydrogen Economy etwa (IE 00B MYD M79 4) bildet den gleichnamigen Index von Solactive ab. Größte Position im Index ist der US-Chemiekonzern Chemours, der Membranen für die Wasser­elektrolyse herstellt.

In den Top Ten finden sich zudem der Dax-Konzern Linde und der japa­nische Auto­bauer Toyota. Größter Wert des Fonds Hansainvest GG Wasser­stoff (DE 000 A2Q DR5 9) ist der US-Brenn­stoff­zellen­hersteller Bloom Energy. Beide Fonds liegen über ein Jahr (Stand 30. April 2022) im Minus, der L&G-ETF mit 19,1 Prozent, der GG Wasser­stoff mit 26,7 Prozent. Fonds-Initiator Gerd Junker sagt: „Auch wenn jetzt alle nach Wasser­stoff rufen – so schnell geht das nicht. Die Entwick­lung braucht Zeit.“

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GuessWhat am 14.06.2022 um 20:40 Uhr
Echt jetzt

"Anlegende"? Echt jetzt? Ernsthaft? Bitte liebe Stiftung Warentest verschont doch eure Leser zukünftig mit irgendwelchen selbstgeschaffenen Phantasieworten, mit denen ihr zeigt, dass die deutsche Sprache bei euch allenfalls einen sehr nachgeordneten Rang hat.