Rentenfonds einkaufen: Billiger gehts nicht

Mit Rentenfonds anlegen Test

Freie Fondsvermittler sind die Marktschreier des Fondsmarkts. Sie bieten Fondsanlegern sehr ­gute Ware zu oft sehr guten Preisen. Wer schreit, hat also nicht immer Unrecht.

Anleger, die keine Fondsberatung nötig haben und Rentenfonds auf dem günstigsten Weg erwerben möchten, kaufen am besten über Fondsvermittler.

Marktschreier haben eine große Klappe, wenn es darum geht, ihre Ware unters Volk zu bringen. Sie klopfen starke Sprüche, egal ob sie Fisch oder Investmentfonds verkaufen.

„Billigflüge von consors zu dima bereits ab 0 Euro“, umwarb der freie Fondsvermittler dima24 in seinem E-Mail-Newsletter Ende 2004 Kunden des Onlinebrokers Cortal Consors. Der Bundesgerichtshof hatte zuvor entschieden, dass Anleger keine Gebühren bezahlen müssen, wenn sie ihre Wertpapiere in ein anderes Depot übertragen wollen (Az. XI ZR 200/03 und Az. XI ZR 49/04).

Für die Fondsvermittler – auch Fondsshops genannt – ist das Urteil ein dicker Fisch: Jetzt können nicht nur alle Fonds-Neueinsteiger bei ihnen einkaufen. Auch Fondsbesitzer, die bisher wegen der Wechselkosten nicht abwanderten, sind nun ­ungebunden. Wer für weitere Käufe zu den günstigen Fondsvermittlern wechseln will, nimmt seinen Depotbestand einfach mit.

Vermittler verkaufen am billigsten

Mit Rentenfonds anlegen Test

Anleger kaufen bei ­freien Fondsvermittlern wie im Supermarkt für Investmentfonds. Die Ware ist billig, aber genauso gut wie bei den Banken. Beratung gibts allerdings kaum.

Hinter der schreierischen Werbung stecken gute Argumente. Die Vermittler verkaufen Fonds günstiger als alle anderen – per Internet, Telefon oder Fax.

Wir haben für die derzeit erfolgreichsten Rentenfonds aus fünf Fondsgruppen die billigsten Vermittler ermittelt. Fast jeder Top-Rentenfonds ist über einen Fondsvermittler ohne Ausgabeaufschlag erhältlich. Direktbanken und Onlinebroker können bei dieser Rabattschlacht nicht mithalten.

Geiz beim Fondskauf lohnt sich: Nehmen wir an, ein Anleger investiert 1 000 Euro in Anteile des Top-Rentenfonds Raiffeisen-Euro-Rent T mit 2,5 Prozent Ausgabeaufschlag. Unterm Strich kauft der Anleger dann nur für 975,61 Euro ­Anteile. Rund 25 Euro zieht die Fondsgesellschaft als Vertriebsgebühr ab.

Würde der Anleger diesen Fonds jedoch ohne Ausgabeaufschlag über die Vermitt­ler AAV-Fondsvermittlung, Fonds4you, FondsClever, fit4fonds, Fondsvermittlung24.de oder Trigonus kaufen, bekäme er für die ganzen 1 000 Euro Fondsanteile.

Finanztest hat neben den Rabatten auch die anderen Konditionen von 20 Vermittlern untersucht (siehe Tabelle: Vermittler erstatten Depotgebühren).

Der Fondsvermittler dima24.de hebt sich darin von den anderen ab: Er bietet nicht nur viele Fonds mit hohem Rabatt. Am Ende eines Jahres erstattet er jedem Nutzer seines „Happyfonds-Depots“ sogar die 36 Euro Depotgebühr zurück.

Das ist vor allem für Kleinsparer wichtig, denn Gebühren fallen bei kleinen Summen stärker ins Gewicht.

Konkurrenz für Banken

Trotz der guten Angebote haben die Vermittler dem herkömmlichen Vertrieb über die Banken bisher kaum geschadet.

Zwei Drittel aller Anleger kaufen in der Filiale am Bankschalter. Einige nutzen andere Anbieter wie Direktbanken. Nur 1 Prozent der Kunden geht zum Vermittler.

Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Denn wenn Anleger Fonds über einen ­Vermittler erwerben, werden die Anteile anschließend oft in einem Fondsdepot bei einer so genannten Fondsbank wie ebase (auch Fondsplattform genannt) verwahrt. Andere Wertpapiere wie etwa Aktien ­können darin nicht gelagert werden.

Um Aktien einzukaufen, müsste der Kunde des Fondsvermittlers sich dann also doch wieder an eine Vollbank, zum Beispiel eine Sparkasse, wenden. Das bedeutet für den Anleger zwei Depots, zwei Freistellungsaufträge und zwei Steuerbescheinigungen. Weil viele diese doppelte Arbeit nicht wollen, bleiben sie doch bei der Vollbank, die ihnen mehrere Finanzdienstleistungen aus einer Hand bietet.

Es gibt nur einen Weg, die Rabatte der Fondsvermittler und zugleich die Vorteile einer Bank zu nutzen: Anleger kaufen bei einem Vermittler, der beim Fondskauf mit einer Vollbank zusammenarbeitet.

Die meisten vermitteln ihren Kunden zum Beispiel auf Wunsch ein Konto bei der Augsburger Aktienbank, einige auch bei der DAB Bank (siehe Tabelle:Vermittler erstatten Depotgebühren). In diesen Depots können Kunden auch andere Wertpapiere als Fonds verwahren.

So läuft es beim Vermittler

Viele Verbraucher misstrauen den Fondsvermittlern. „Wovon leben die eigentlich, wenn sie keinen Ausgabeaufschlag verlangen? Ist der Einkauf dort sicher?“

Ja, das ist er. Das Verhältnis zwischen Kunde, Vermittler und Fondsbank ist allerdings nicht leicht zu durchschauen.

Wie ein Marktschreier auf dem Hamburger Fischmarkt bezieht der Fondsvermittler die Fondsanteile von einem Großhändler: einer Fondsbank oder einer Direktbank. Bekommt er den gewünschten Fonds nicht bei der einen Fondsbank, ­versucht er ihn woanders zu besorgen.

Um den Anlegern möglichst viele und attraktive Fonds anzubieten, arbeiten Vermittler wie Trigonus deswegen gleich mit mehreren Fondsbanken (DWS Fondsplattform, ebase, Metzler Fund Xchange) und zusätzlich einer Direktbank (Augsburger Aktienbank) zusammen.

Kann der Vermittler den vom Anleger gewünschten Fonds zu attraktiven Konditionen besorgen, vermittelt er die Eröffnung eines Depots bei dem Großhändler, von dem er den Fonds hat.

Danach wird der Fondsvermittler zur Randfigur. Denn nach Eröffnung des ­Depots kommuniziert der Anleger in der Regel über das Internet direkt mit der Fondsbank oder Direktbank.

Wie beim gewöhnlichen Onlinebanking kann er täglich ins Depot schauen. Will er Fondsanteile hinzu- oder verkaufen, gibt er online einfach einen Auftrag. Bei Oppenheim und bei der Fondsdepot Bank ­können Anleger ihre Aufträge allerdings nur schriftlich per Fax übermitteln.

An der Depotnummer erkennt die Fondsbank, über welchen Vermittler der Kunde zu ihr kam. So ist gesichert, dass der Kunde stets die Ermäßigung auf den Ausgabeaufschlag bekommt, die der Vermittler ihm anfangs zugesagt hat.

Der Fondskauf ist sicher, weil der Vermittler weder Zugriff auf das Depot hat noch das Geld zum Kauf der Anteile in die Hände bekommt. Der Anleger überweist direkt an die Depot führende Stelle. Ein Vermittler, der Überweisungen auf sein Privatkonto verlangt, ist unseriös.

Wovon der Fondsvermittler lebt

Die Fondsbank lebt von der Depotgebühr, die sie jährlich direkt vom Anleger fordert. Der Fondsvermittler erhält eine Bestandsprovision, die aus dem Vermögen des Fonds bezahlt wird.

Die Bestandsprovision liegt oft zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des vom Kunden ­angelegten Geldes. An einem Ratensparer, der 600 Euro in einen Fonds eingezahlt hat, verdient der Vermittler bei 0,5 Prozent Bestandsprovision 3 Euro im Jahr.

Mit Kleinsparern wird der Vermittler also nicht reich. Schon gar nicht, wenn er noch die Depotgebühr rückerstattet.

Deswegen versuchen Fondsvermittler, auf anderem Wege mehr zu verdienen. Sie bieten ihren Kunden später über E-Mails und Telefon provisionsträchtigere Produkte wie geschlossene Fonds an. Doch wer sich darauf einlässt, geht den Marktschreiern auf den Leim und macht sein Fondsschnäppchen kaputt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 4555 Nutzer finden das hilfreich.