Der deutsche Aktien­index Dax ist der Super­star unter den gängigen Indizes: Plus 25 Prozent von Januar bis Mitte April 2015. Keine andere große Börse ist so stark gestiegen. Einen besseren Zeit­punkt kann sich Dirk Müller kaum wünschen. Als Mister Dax zum Fernsehstar geworden, bringt der Börsen­experte nun seinen eigenen Fonds auf den Markt: Dirk Müller Premium Aktien. test.de hat sich das Konzept dahinter angesehen und sagt, ob der Einstieg in den welt­weit anlegenden Fonds ratsam ist.

Solide Bilanzen, fähige Bosse

Die Manager des Dirk Müller Premium Aktien Fonds (Isin DE000A111ZF1) legen laut Verkaufs­prospekt bei der Aktien­auswahl besonderen Wert auf ein fähiges Management, solide Bilanzen, eine starke Wett­bewerbs­position sowie ein über­proportionales Gewinn­wachs­tum. „Wir stören uns nicht an kurz­fristigen Trends und Verrückt­heiten, sondern beteiligen uns bei güns­tigen Gelegenheiten an den besten Unternehmen der Welt“, schreibt Dirk Müller zur Präsentation des Fonds (Stand 15. April 2015). Müller sieht sich dabei in der Tradition von Benjamin Graham, der als Begründer des Value-Investing gilt. Dabei kaufen Anleger Aktien mit guter Substanz, die sie für unterbe­wertet halten.

Finanztest-Kommentar: Ähnliche Ansätze fahren auch andere Aktienfonds Welt. Im Fonds­test von Finanztest finden interes­sierte Anleger rund zwei Dutzend Aktienfonds Welt mit der Bestnote von fünf Punkten. Eine vergleich­bare Anla­gestrategie bieten sogenannte Value-Fonds, zu erkennen oft am Namens­zusatz.

Rüstung, nein danke

Müller wirbt mit ethischen Ansprüchen. „Wir sind bestrebt, keine Unternehmen mit zweifelhaften Geschäfts­modellen oder über­wiegend schlechtem öffent­lichen Ansehen in unser Depot aufzunehmen“, schreibt er – und nennt als Beispiele Investments in Rüstungs­firmen und Unternehmen, die ihr Geld mit Lebens­mittel­spekulation verdienen. Zusätzlich will Müller auf Wert­papierleihe verzichten. Damit ist die Praxis vieler Fonds gemeint, Wert­papiere aus dem Fonds­vermögen gegen eine Gebühr zeit­weise an andere Markt­akteure auszuleihen, die damit spekulieren. Finanztest-Leser dürften diese Praxis von börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) her kennen. (Mehr dazu im Beitrag Börsengehandelte Indexfonds: Über die Risiken von ETF.) Aber nicht nur ETF, auch zahlreiche aktiv gemanagte Fonds verleihen Wert­papiere.

Finanztest-Kommentar: Wie hoch die ethischen Ansprüche des Fonds wirk­lich sind, muss sich zeigen. Ein genauer Kriterienkatalog war in den Wesentlichen Anleger­informationen des Fonds jedenfalls nicht zu finden, auch nicht im Verkaufs­prospekt. Anleger, die Wert auf sehr strenge Ausschluss­kriterien legen, werden womöglich enttäuscht. In dem Beitrag Ethisch-ökologische Aktienfonds: So legen Sie sauber an finden Sie eine ausführ­liche Unter­suchung zum Thema ethisches und ökologisches Investieren.

Verzicht auf Erfolgs­gebühr

Die laufenden Kosten des Fonds belaufen sich auf anfäng­lich 1,69 Prozent pro Jahr. Sie liegen damit unter dem Durch­schnitt gemanagter Aktienfonds Welt, der laut Finanztest-Analysen bei 1,95 Prozent liegt. ETF sind allerdings noch güns­tiger. Auf eine Erfolgs­gebühr verzichtet Dirk Müller. Außerdem will er die Kosten des Fonds mit steigendem Fonds­volumen senken. Die jähr­liche Verwaltungs­vergütung, die Teil der laufenden Kosten ist, beträgt anfäng­lich 1,6 Prozent des Fonds­vermögens und soll mit höherem Fonds­volumen auf 1,5 Prozent pro Jahr sinken. Der Ausgabe­aufschlag liegt bei 4 Prozent der Anlagesumme.

Finanztest-Kommentar: Die laufenden Kosten sind moderat, der Ausgabe­aufschlag liegt unter dem für Aktienfonds üblichen Satz von 5 Prozent oder mehr. Im Übrigen können Anleger den Fonds auch beim Fonds­vermittler kaufen und sich den Ausgabe­aufschlag ganz oder zum größten Teil sparen.

Fazit: Bewährungs­probe steht noch aus

Dass der Dirk Müller Premium Aktien genauso durch­starten könnte wie derzeit der Dax, mag für Anleger eine verlockende Aussicht sein. Aber an der Börse gibt es eben nicht nur gute, sondern auch schlechte Zeiten. Weil sich ein Fonds in beiden Phasen bewähren muss, nehmen die Experten von Finanztest neue Produkte erst dann in ihren Fondstest auf, wenn sie fünf Jahre am Markt bestanden haben. Vor Ablauf dieser Frist ist keine seriöse Bewertung möglich. test.de rät Anlegern daher, erst einmal abzu­warten, wie der Fonds sich schlägt.

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